Gewalt-freies Leben steht im Fokus
13.03.2011 | 16:31 Uhr 2011-03-13T16:31:00+0100
Gewalt fügt Schaden zu, Gewalt ist stark. Ein Gefühl jedoch, so betont die Gleichstellungsbeauftragte Ingegard Pier, das sei noch stärker: die Liebe. „Setzen wir sie gegen die Gewalt ein“, appellierte Pier am Freitagabend bei der Eröffnung der Frauenkulturtage 2011.
Die starteten in diesem Jahr mit „einem Paukenschlag“. Die Besucher der Auftaktveranstaltung sahen im Studio des Westfälischen Landestheaters (WLT) das bedrückende und eindringliche Bühnenstück „Kindsmord“ von Peter Turrini. Der Inhalt: Im Hause ihrer wohlhabenden Eltern tötet eine 26-Jährige ihr Neugeborenes. Doch hinter dieser unfassbaren Tat steht ein Schicksal, das die Darstellerin Caroline Knebel dem Publikum in Form eines nahe gehenden Monologs zu erklären versucht.
Jenes Werk, es bildete somit den passenden Einstieg in die Frauenkulturtage, denn das Motto lautet in diesem Jahr: „Zukunftsvision: Gewalt-frei leben“. Bis zum 25. März soll eben diese Thematik im Fokus der Veranstaltungsreihe stehen.
„Gewalt ist der Versuch, Zwang auf einen Menschen auszuüben“, erklärte die Gleichstellungsbeauftragte am Freitag. „Gewalt hat viele Formen“, so Ingegard Pier weiter. „Kindern werden weniger Grenzen gesetzt als früher, deshalb ist die Hemmschwelle niedriger.“ Dabei sollten Eltern Vorbild sein, betonte Pier. „Sie müssen Grenzen setzen, Werte vermitteln.“ Gewalt, fuhr Ingegard Pier fort, sei ein schier unendliches Thema, das uns jeden Tag begegne. Um so wichtiger sei es, dem etwas entgegen zu setzen. Und genau das ist der Anspruch der 22. Frauenkulturtage. „In diesem Jahr wird der Finger in eine besonders tiefe Wunde gelegt“, sagte Bürgermeister Johannes Beisenherz bei der Auftaktveranstaltung am Freitag. Zugleich würdigte er das Engagement der beiden Organisatorinnen, Jeannette Hilgert und Ingegard Pier, und dankte allen Beteiligten.
„22 Jahre Frauenkulturtage, diese Erfolgsgeschichte konnte nur mit aktiven Frauen, Vereinen, Verbänden und Institutionen gelingen“, betonte Beisenherz, der auch die Bedeutung der Reihe unterstrich. Noch immer sei die Gleichberechtigung der Frau nicht erreicht.
Sämtliche Akteure der Kulturtage – und es sind in den vergangenen 22 Jahren immer mehr geworden - machen genau darauf aufmerksam; sie setzen sich für die Gleichstellung ein. Ingegard Pier freut sich über diese derart große Unterstützung und somit gilt ihr Dank allen Kooperationspartner, die das vielfältige Programm überhaupt erst möglich gemacht haben.
Die 22. Frauenkulturtage laufen noch bis zum 25. März. Bis dahin können interessierte Männer und Frauen noch zahlreiche Veranstaltungen besuchen.
So wird Ralf Nehberg, Aktivist für Menschenrechte am kommenden Freitag, 18. März, um 19 Uhr einen Dia-Vortrag in der ASG-Aula halten. Nehberg zeigt Erlebnisse und Stationen seines bewegten Lebens. Der heute 75-jährige gelernte Bäcker wurde früh zum Weltenbummler in Sachen Menschenrechte und nennt sich selbst „Schreiner, der die Welt verändert“. Eine Krankenstation für die Waiapi-Indianer und ein mobiles Hospital für die Afra Äthiopiens rief der Träger des Bundesverdienstkreuzes ins Leben. Im Ringen um internationale Aufmerksamkeit gelang ihm und seiner Frau im Jahr 2000 schließlich der Durchbruch: Sie gründeten die gemeinnützige Menschenrechtsorganisation „Target“.
Der Dia-Abend verspricht somit spannend zu werden. Los geht es bereits um 18 Uhr. Afrikanische Musik wird die Besucher auf den Dia-Vortrag einstimmen. Der Abend ist eine Kooperation mit der Frauenunion der CDU und dem Internationalen Bildungs- und Kulturverein für Frauen (IBKF).
Neben weiteren Vorträgen, Workshops, Kochnachmittagen oder Lesungen laden die Organisatorinnen der Kulturtage am Samstag, 19. März, traditionell zum „Frauenball“ in die Agora ein. Ab 19 Uhr präsentiert eine griechische Tanzgruppe verschiedenen Tänze. Mitmachen ist ausdrücklich erlaubt. Am Freitag, 25. März, enden die Kulturtage schließlich mit der langen Filmnacht in der ASG-Aula. Der Stadtverband sozialdemokratischer Frauen (AsF) präsentiert ab 19 Uhr zwei aktuelle Hollywoodfilme: „Eat, pray, love“ mit Julia Roberts. Und: „Wenn Liebe so einfach wäre“ mit Meryl Streep.
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