Gestaltungsrat soll Streit über Viehmarkt-Neubebauung schlichten
28.04.2011 | 17:26 Uhr 2011-04-28T17:26:00+0200
Castrop-Rauxel.Die Ansichten der FDP zur geplanten Viehmarkt-Neubebauung will Anwohner Dietmar Scholz so nicht im Raum stehen lassen.
FDP-Ratsherr Nils Bettinger hatte Stellung bezogen zur Kritik von Scholz am architektonischen Stil des Bauvorhabens in der Altstadt.
„Die Binsenweisheit, dass jede Art der Neubebauung des betreffenden Geländes nur besser sein kann als der seit 20 Jahren heruntergekommene Ist-Zustand, muss nicht noch von einer ganzen Ratsfraktion herausgestellt werden“, so nun Dietmar Scholz als Erwiderung auf die FDP-Stellungnahme. Über die Einfügung der geplanten Bauten in das vorhandene bauliche Umfeld lasse sich natürlich streiten. „Warum auch nicht? Eine öffentliche Stellungnahme des Gestaltungsrates wäre interessant und würde die Diskussion endlich weiter beleben“, schlägt der Anwohner dazu noch vor.
Prognose aus Münster
Mit der demografischen Entwicklung der Bevölkerung von Castrop-Rauxel, greift Scholz einen weiteren Punkt auf, sollte sich Kommunalpolitiker gründlich befassen. Selbstverständlich werde altersgemäßer Wohnraum mehr nachgefragt. Aber Wohnraum an sich werde dennoch immer weniger benötigt: Nach der ernstzunehmenden Prognose der Bezirksregierung Münster, so Dietmar Scholz weiter, würden in Castrop-Rauxel in 40 Jahren über 20.000 Menschen weniger wohnen, nämlich nur noch 55.600 Einwohner.
20.000 - das sei die Summe der heutigen Einwohner von Castrop (8.460), Habinghorst (9.020), Deininghausen (1.940) und Merklinde (1.050) zusammen, listet Scholz weiterhin in seinem Antwortschreiben auf. Und er fragt außerdem: „Wie viele Wohnungen werden durch diesen Schwund nach und nach freigesetzt und welche Probleme ergeben sich dadurch?“
17:53
Herr Scholz hat recht. Die Zahl der Einwohner geht zurück, aber soll deshalb mitten in der Altstadt, im Zentrum Castrop-Rauxels eine Viehweide entstehen? Der jetzige Zustand kann jedenfalls nicht bleiben. Die leeren verkommenen Häuser an der Freiheit und das Trümmergrundstück hin zur Wittener Str. müssen endlich beseitigt werden. Nun stehen Investoren in Castrop leider nicht Schlange, und wir sollten dankbar sein für jeden, der etwas tut und wagt. Städtebaulich ist es wünschenswert, nicht weiter die Fläche zu zersiedeln, Verkehr zu erzeugen für weite Fahrten ins Grüne, sondern im Zusammenhang ohnehin bebauter Flächen Lücken zu schließen und ein urbanes Wohnen zu ermöglichen, gerade auch für ältere, die noch am Leben teilnehmen wollen und in der Nähe Geschäfte, Ärzte, Apotheken, Cafés u.ä. haben möchten, nebst Stadtgarten zum Flanieren. Für den beabsichtigten Bebauungszweck ist das Grundstück ideal. Und altersgerechte, barrierefreie Wohnungen haben wir leider noch nicht genug. Insofern ist ein solches Projekt auch ein guter Beitrag zum demographischen Wandel
und trägt ungemein zur Aufwertung der Altstadt bei, die noch etwas mehr Leben gut gebrauchen kann, um lebenswert zu sein. Im übrigen werden Angebot und Nachfrage, also der Markt, entscheiden, wo Häuser nicht mehr zu vermieten oder zu verkaufen sind. Das wird hoffentlich nicht die Altstadt sein, denn verödete Zentren in Kleinstädten gibt es in der Region leider schon genug. Bitte nicht noch bei uns.