Gericht spricht Urteil in skurrilem Nachbarschaftsstreit

Ein skurriler Nachbarschaftsstreit wurde am Dienstag vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel verhandelt. Es ging um Beleidigung und schwere Körperverletzung - und um den Ast einer Kastanie, das Video einer Überwachungskamera und Stalking einer Ehefrau.

Castrop-rauxel.. Wie fing der Nachbarschaftsstreit an?

Begonnen hatte der Streit mit dem angeblichen Stalking der Ehefrau eines 45-Jährigen durch seinen 61-jährigen Nachbarn. "Er hält sich ständig an der Grundstücksgrenze auf, belauert meine Frau, fotografiert sie", schilderte der 45-Jährige vor Gericht. Das habe er sich verbeten, und auch zur Anzeige gebracht.

Was passierte dann?

An einem Vormittag gab es wieder Streit. Nach verbalen Attacken flog irgendwann der Ast einer Kastanie von der Terrasse des Angeklagten auf das Grundstück des 61-Jährigen Nachbarn und verletzte diesen am Arm. Das Opfer ließ sich die Wunde im Krankenhaus attestieren und zeigte den 45-Jährigen daraufhin an. Es folgten Gerichtsverhandlungen, der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf schwere Körperverletzung und Beleidigung.

Am Dienstag kam es zur letzten Verhandlung. Worum ging es vor Gericht?

Der 45-jährige Angeklagte behauptete vor Gericht, dass er zum Zeitpunkt des Streits nicht zu Hause war. Zum Beweis hatte er Videoaufnahmen seines überwachten Hauses mitgebracht. Zudem warf er seinem Nachbarn vor, an besagtem Tag erneut fotografiert zu haben.

Der Anwalt des 61-jährigen Opfers bestätigte vor Gericht hingegen, dass ihn sein Mandant direkt nach dem Vorfall angerufen hätte. Zudem erklärten Zeugen vor Gericht, dass an besagtem Morgen Männerstimmen im Garten zu hören waren.

Auch die Videoaufnahmen entlasteten den 45-Jährigen nicht. Laut Gericht liegt die Terrasse, von der der Disput zwischen den beiden Nachbarn geführt worden war und auch der Ast geflogen war, in einem toten Winkel.

Wie lauten das Urteil und die Begründung?

Der Verteidiger des 45-Jährigen plädierte auf Freispruch, sah in der Anzeige eine Retourkutsche wegen des Stalking-Vorwurfs. Die Art der Verletzung könne nicht durch einen Astwurf verursacht worden sein, lasse zudem einen gezielten Wurf nicht zu.

Richter und Staatsanwaltschaft sahen das anders. Das Video sei nicht aussagekräftig. Stattdessen wiesen die von einem Krankenhausarzt attestierte Wunde, das Anwaltsgespräch und die Stimmen zur fraglichen Zeit vielmehr darauf hin, dass die Aussage des Opfers stimmten. Das Urteil: eine Geldstrafe über 110 Tagessätze zu je 100 Euro für den 45-Jährigen.