Geplante Häuser auf Schwerin: Blei im Boden

Acht Häuser sollen entstehen im Schatten des Hammerkopfturms im Castrop-Rauxeler Ortsteil Schwerin. Allerdings steht eine Frage im Raum: Sind die Böden belastet - womöglich stark und mit Blei? Dazu haben ein Anwohner und der Kreis Recklinghausen unterschiedliche Antworten.

Schwerin.. Gibt es in Castrop-Rauxel noch Altlasten?

Seit der Sanierung von Graf Schwerin - früher Standort von Zeche und Kokerei, heute ein Einzelhandelszentrum - gilt auch die letzte Zechenbrache in Castrop-Rauxel als saniert. Grundstücke mit schadstoffhaltigen Inhalten gibt es freilich immer noch in der ehemaligen Bergbaustadt. Kleinere und größere. Wie etwa die ehemalige Mülldeponie Brandheide, deren notwendige Sanierung seit 20 Jahren ein Dauerthema in der Umweltpolitik ist.

Wo genau soll gebaut werden - und was?

Am Hasenwinkel sollen acht großzügige Häuser auf großzügigen Grundstücken gebaut werden. Die Stadt ist sehr froh über diesen Plan, denn mehrere Male in der Vergangenheit sind Entwicklungsversuche des großen Grundstücks schon gescheitert. Federführend sind der Castroper Unternehmer Konstantinos Boulbos und Architekt Klaus Winkelmann.

"Wir möchten auf hochwertigen, großen Grundstücken ein- bis zweigeschossige Einfamilienhäuser bauen", erklärte Boulbos vor einigen Monaten. Laut Architekt Winkelmann sollen diese im Bauhaus-Stil mit Flach- oder Pultdächern entstehen. Es soll einige Gestaltungsvorgaben geben, denn eine bunte Bonbon-Siedlung soll es nicht werden. Winkelmann erläute zudem: "Die Häuser werden weiter von der Straße zurück gesetzt gebaut, damit an der einen Seite der Blick auf das Bergbeamtenhaus und an der anderen der Blick auf die Pestalozzi-Siedlung erhalten bleibt."

Was muss passieren, bevor dort gebaut werden kann?

Der Bebauungsplan für "Am Hasenwinkel" muss geändert werden. Damit beschäftigte sich am Dienstagabend der Umweltausschuss aus Castrop-Rauxel. In der kommenden Woche muss dann der Stadtrat entscheiden.

Eigentlich Routine. Doch ein Bericht sorgte für Ärger: In Aufschüttungen auf dem großen Grundstück im Schatten des Hammerkopfturms wurde Blei gefunden.

Was ist die Gefahr?

Der Boden sei unbedenklich - das ist das Ergebnis einer Analyse für die "Nutzung als Wohngebiet mit Ziergärten". Genau diese Formulierung im geotechnischen Gutachten fiel einem der Castrop-Rauxeler Politiker auf: Ulrich Häpke, sachkundiger Bürger von den Linken.

Seine Nachfrage: Was sei mit Nutzgärten? Könnte es gefährlich sein, dann Obst oder Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen?

Die Antwort von Marc Schulte-Mesum von Planungsamt der Stadt Castrop-Rauxel: "Wir sind da auch nicht die absoluten Fachleute." Deshalb werde die Stadt beim Kreis Recklinghausen nachfragen. Dort sitzt die Untere Bodenschutzbehörde, die in solchen Fällen zuständig ist.

Sind alle vorgeschriebenen Untersuchungen gemacht worden?

Engelbert Denneberg bezweifelt das. Der Landschaftsarchitekt, dessen Familie seit grauer Vorzeit ein bäuerliches Anwesen am Hammerkopfturm ihr Eigen nennt, ist überzeugt davon, dass die Aufschüttungen auf dem Baugrundstück alles andere als unbedenklich sind.

"Von drei erforderlichen Mischproben ist nur eine gemacht worden", erklärte Denneberg. Und dies in 60 Zentimetern Tiefe. Schadstoffe wie Blei fänden sich aber in den Aufschüttungen auf dem Grundstück. Mit Ergebnissen, die "500-fach über dem Prüfwert liegen", so Denneberg. Es könne nicht sein, dass die Altlastenproblematik an den künftigen Eigentümern hängen bliebe. Das erklärte Denneberg auch zu Beginn der Ausschuss-Sitzung in der Fragestunde für Einwohner.

Wie geht es jetzt weiter?

Eine wirklich fundierte Antwort auf die Fragen der Bedenkenträger gab es noch nicht. Jetzt heißt es abzuwarten, wie die Stadt und der Kreis, als untere Bodenschutzbehörde, auf die Analysen reagieren.