Gegen Abzocker am Telefon
24.06.2010 | 17:59 Uhr 2010-06-24T17:59:00+0200
Castrop-Rauxel. Jeder kennt das, und die Meisten sind genervt: Firmen versuchen, Produkte per Telefon zu vermarkten.
Seriöse Unternehmen geben sich in der Regel mit einem „Nein“ zufrieden, aber es gibt auch schwarze Schafe, und zwar nicht wenige. Die Verbraucherzentrale weiß davon ein Lied zu singen. Die Beschwerden über unlautere Telefonwerbung reißen nicht ab. Und es sind ganz üble Fälle dabei, der überwiegende Teil aus der Glücksspielbranche.
Eigentlich sollte die Novellierung des Gesetzes gegen unerlaubte Telefonwerbung, die im August 2009 in Kraft trat, die Verbraucher besser schützen, aber: „Es ist ein zahnloser Tiger“, weiß Susanne Voss, die Leiterin der örtlichen Verbraucherzentrale. Davon muss vor allem der Gesetzgeber überzeugt werden, und deshalb war jetzt der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe in der Verbraucherzentrale an der Oberen Münsterstraße zu Gast und mit ihm drei Bürger aus Castrop-Rauxel, die ihm ihre leidvollen Erfahrungen schilderten: Sie hätten bei Glücksspielen mitgemacht, behaupteten Callcenter-Mitarbeiter, und zur möglichen Vertragsverlängerung sei ein Datenabgleich notwendig.
Also: Adresse, Geburtsdatum, Kontonummer. In allen drei Fällen fielen die Angerufenen nicht darauf herein, aber Martin Meiser, Leiter der Verbraucherzentrale Recklinghausen, versucht aktuell, für einen Betroffenen 700 Euro zurück zu bekommen, die nach einem solchen unseriösen Anruf innerhalb nur eines Monats von verschiedenen Firmen vom Konto des Betroffenen abgebucht worden sind. Den Castrop-Rauxelern blieb diese ganz böse Erfahrung erspart, aber harmlos waren ihre Begegnungen mit den Callcentern trotzdem nicht, weil die einfach nicht locker ließen. Bei einer Frau mündete die unerwünschte Werbung in regelrechtem Telefonterror: Mit bis zu fünf Anrufen pro Tag fing es an, und es steigerte sich an einem Tag im April auf zwölf Anrufe ganz kurz hintereinander. Auflegen brachte nichts, selbst die berühmte Trillerpfeife verfehlte ihre Wirkung, und als sie nicht mehr ans Telefon ging, beschimpfte sie der Anrufer in übelster Weise auf der Mailbox.
Früher unterdrückten die Firmen häufig ihre Telefonnummer. Das ist seit der Gesetzes-Novelle verboten, aber: Wer zurückruft, hört in aller Regel: „Kein Anschluss unter dieser Nummer.“ Dem gelte es einen Riegel vorzuschieben, fordert die Verbraucherzentrale. Ganz wichtig zudem: Bei aktiver Telefonakquise sollen nur noch Verträge in Schriftform wirksam werden. Mit dieser Forderung konnten sich die Verbraucherschützer bislang nicht durchsetzen – die Callcenter-Lobby war zu stark, vermutet Sigrun Krümmel, Regionalleiterin der Verbraucherzentrale NRW. Ärgerlich auch: Die Ordnungsgelder seien viel zu niedrig und zudem nur in sehr wenigen Fällen tatsächlich verhängt worden. Frank Schwabe hörte mit Interesse zu und zog das Fazit: „Was ich hier höre, ist skandalös.“ Auch wenn er in seiner Fraktion nicht der Fachmann für Verbraucherschutz ist, will er sich für eine Verschärfung des Gesetzes stark machen. „Das dürfte auch kein Thema für einen Parteienstreit sein.“
12:10
Nicht nur unwerünschte Werbe- und Gewinnanrufe sind ein Ärgernis.
Unlängst erreichten mich zwischen vier und fünf Uhr (!!) Faxanrufe (am nervigem Hardbit-Rock) zu erkennen, obwohl ich weder irgendwelche Faxe erbeten habe, noch selbst über ein Faxgerät verfüge.
Letztlich blieb mir nur die Möglichkeit den Hörer daneben zu legen, einmal geweckt war es mirt der Nachtruhe aber eh vorbei.
Kann man sich gegen solche Anrufe auch wehren?