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Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie

21.02.2013 | 18:06 Uhr
Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie
Auf ein blühendes Geschäft ist das Gartencenter Augsburg angewiesen: Das Unternehmen kämpft ums Überleben.

Castrop-Rauxel.   Das Gartencenter Augsburg schwebt seit Anfang Februar im vorläufigen Insolvenzverfahren. In Schieflage sei das Unternehmen durch eine falsche Strategie geraten, sagt der neue Geschäftsführer. Er ist aber guten Mutes, dass die sechs Filialen in NRW mit einem blauen Auge davon kommen.

Auf ein blühendes Geschäft ist das Gartencenter Augsburg mit dem bevorstehenden Frühling ganz besonders angewiesen. Es schwebt bekanntlich seit Anfang Februar im Insolvenzverfahren – derzeit noch in einem vorläufigen. Das läuft, so teilte der neue Geschäftsführer, der Düsseldorfer Rechtsanwalt Burkhard Niesert, mit, bis zum 30. April. Niesert ist guten Mutes, dass neben dem Castrop-Rauxeler Markt am Landwehrbach auch alle weiteren fünf Gartencenter in NRW mit einem blauen Auge davon kommen.

Die Insolvenzeröffnung ist laut Niesert für den 1. Mai geplant. Achim Thiele aus Dortmund ist der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter. Bereits auf der für Ende Juni geplanten Gläubigerversammlung soll die Zukunft des Unternehmens gesichert werden. Besonders wichtig für den neuen Geschäftsführer: „Unsere Lieferanten halten uns die Treue. Die Märkte sind hervorragend mit Ware bestückt.“

Falsche Strategie

Betroffen von einem möglichen Aus der Augsburg Gartencenter wären insgesamt 383 Mitarbeiter, davon 177 geringfügig Beschäftigte. In Schieflage sei das Unternehmen auf Grund einer falschen Strategie geraten: „Es gab den Versuch, möglichst preiswert einzukaufen und wieder zu verkaufen. Die Kunden wollen aber nicht den besten Preis, sondern auch die beste Ware und legen Wert auf deren Präsentation – nach dem Motto: Das Auge kauft auch mit. Wir werden keine Billigstrategie mehr fahren“, kündigt Niesert an.

Er will jetzt mit den Banken eine ausreichende Finanzierung auf die Beine stellen. Die Kunden der Augsburg-Gruppe plagt derzeit ein ganz anderes Problem: Sie mussten feststellen, dass ihre Gutscheine wertlos geworden sind. „Zahlreiche Beschwerden sowohl in den Märkten als auch bei verschiedenen Zeitungen haben gezeigt, dass die Kunden dies nicht nachvollziehen können.“

"Versäumnis der Politik"

Das ist laut Niesert auch „ein Versäumnis der Politik“. Denn Gutscheine im Einzelhandel seien nichts anderes als ein ungesicherter Kredit an den jeweiligen Betrieb. Während jedoch Banken und Lieferanten sich über Versicherungen und große Mitarbeiterstäbe vor den Risiken schützen könnten, sei dies dem „normalen“ Kunden nicht möglich. Deshalb müsse es für den Handel eine Zwangsversicherung geben, um die beliebten Gutscheine nicht in Verruf zu bringen.

Niesert ist bestrebt, die Gutscheininhaber im Rahmen eines Insolvenzplans zu 100 Prozent zu befriedigen. Das könne jedoch dauern, damit die Liquidität der Gesellschaft nicht über Gebühr beansprucht werde. Außerdem müssten die Großgläubiger zustimmen, also die Banken. Derzeit geben die Gartencenter Augsburg keine Gutscheine heraus.

Martin Tochtrop


Kommentare
24.02.2013
13:27
Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie
von Dr.Bluesky | #6

NE is klar, billig Strategie, die Gutscheine ist die Billigste Strategie. Schuld ist mal wieder der Kunde, der keinen Garten hat und somit nicht dort Einkaufen tut. Kann es sein das die Strategie, wirtschaftlich zu arbeiten, einfach nicht erfüllt werden kann, oder schreit mann wieder das Internet an??? " dort kauft man billiger", tja warum nur, weil die Qualtiät stimmt. Anstatt zu rufen, was ändern und die Blumen selber züchten, statt aufzukaufen, soll wunder wirken, da der Preis so besser ist. Besser mal anzufangen die Strategie von reinem Verkauf auch zur Produktion über zugehen, das soll Wunder wirken.

22.02.2013
22:51
Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie
von AuroraBorealis | #5

@ flummi1974 | #2
"Man kann sie im normalen Fall dann einfach einlösen und sich sein Geld wiederholen."
Stimmt nicht so ganz! Der Gutscheinaussteller kann prozentual vom Gutscheinwert einen ihm bei Nichteinlösung sondern Rückzahlung entfallenden Gewinn abziehen.

Ansonsten zum Bericht:
"„Es gab den Versuch, möglichst preiswert einzukaufen und wieder zu verkaufen."
Ist das nicht das typische Erkennungsmal eines Kaufmanns?! Warum ist das ausgerechnet bei Augsburg schief gelaufen? Liegt es evtl. daran, dass die Verkaufspreise teilweise unverschämt hoch liegen? Meiner Meinung nach ein klares und deutliches: JA!
Augsburg i Castrop und in Bochum ist für mich der Apotheker mit entsprechend horrenden Preisen unter den Gartencentern.

22.02.2013
15:07
Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie
von holeve | #4

Was die Gutscheine angeht: Immer wenn Unternehmer etwas selbst verbockt haben, schreien sie nach der Politik. Falls Gutscheine herausgegeben wurden, obwohl man wusste, kurz vor der Insolvenz zu stehen, ist für mich kriminell und nichts anderes.

22.02.2013
11:22
Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie
von 2013witten | #3

"Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz in Billigstrategie"

Beim Lesen solcher Überschriften kommt mir der Gedanke, ob diese unsäglichen Schlampereien bei der WAZ auch was mit einer Billig-Strategier zu tun haben ...

22.02.2013
11:15
Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie
von flummi1974 | #2

@ nussknacker : Gutscheine waren und sind schon immer zinslose Darlehen an den Herausgeber gewesen. Man kann sie im normalen Fall dann einfach einlösen und sich sein Geld wiederholen. Bei einer Insolvenz gibt es einen Plan wie die Gläubiger befriedigt werden. Dem müssen aber die Gläubiger zustimmen. Dazu kommt das Gehaltsforderungen und ähnliches Vorrangig sind. Sollte danach noch Masse, also Geld, da sein werden auch die Gutscheine befriedigt.

Ich hoffe die Erklärung hat geholfen

22.02.2013
10:02
Gartencenter Augsburg sieht Insolvenz-Grund auch in Billigstrategie
von nussknacker | #1

Das mit den Gutscheinen verstehe ich nicht!
Entweder habe ich den Gutschein bezahlt, dann erwarte ich eine Leistung, oder die haben wertloses Papier gedruckt und somit Preisnachlässe eingeräumt!

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