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Serie zur Baukultur

Ganz in weiß

28.05.2010 | 17:03 Uhr
Ganz in weiß

Castrop-Rauxel. Als zeitlos schön, geradlinig und funktional gilt der Bauhausstil. Im Kreis Recklinghausen gibt es nur noch ein gut erhaltenes Wohngebäude, das von dem kubischen Baustil der 1920er Jahre geprägt ist: Die „Voigt“-Villa an der Bahnhofstraße 222.

Viele ältere Castrop-Rauxeler kennen das Gebäude gut, denn es beherbergte schon Rechtsanwälte, Dentallabore und zuletzt Steuerberater. Es wurde vermietet, im einst weitläufigen Garten spielten etliche Kinder. Und als das Rathaus und das Ayurveda-Hotel noch nicht gebaut waren, stand die weiße Villa als Solitärbau auf einsamer Flur.

Chauffeurraum und Pool

Seit einigen Monate ist Silke Klein Herrin über das ein wenig in die Jahre gekommene Schmuckstück. Die 31 Jahre junge Steuerberaterin wohnt in der ersten Etage, unten ist das Gemeinschaftsbüro mit Friedhelm Kesting untergebracht.

Kleins Eltern, ihr Vater war ebenfalls Steuerberater, kauften das denkmalgeschützte Gebäude 1999. „Man muss ein Fan dieser Architektur sein“, sagt Silke Klein. Ziemlich heruntergekommen war das Haus, doch der Reiz des schönen, zentral gelegenen Gebäudes nebst Parkplätzen davor, war stärker. Der Castrop-Rauxeler Architekt Johannes Perpeet entwarf das Einfamilienhaus 1928 für die Bauherren Artur und Grete Voigt, Mitglieder der bekannten Castrop-Rauxeler Voigt-Familie. In all’ seiner funktionalen Schlichtheit ist es doch eine bürgerliche Villa - mit Wirtschaftsräumen, Zimmern für die Bediensteten, einer Garage nebst Chauffeurzimmer und Toilette, und einem Gewächshaus. Sogar einen Pool soll es einst gegeben haben.

Die Familie Klein investierte viel in den Bau. Sie ließ zum Beispiel das alte Parkett in der unteren Etage aufarbeiten, „so dass wir es nur auf Socken betreten durften“, erinnert sich Tochter Silke. Seine eigenes Büro konnte ihr Vater aber nicht mehr in der Voigt-Villa eröffnen: er verstarb vorher.

Mutter und Tochter verkauften die Kanzlei mit einem „Rückkaufvertrag“ - der gültig würde, sobald Silke Klein ihren eigenen Steuerberatertitel in der Tasche hat. Am 1.1.2010 war das der Fall.

Silke Klein und ihre nur wenige Wochen alte Hündin „Amy“ zogen selbst in die obere Etage des Hauses ein. „Ich habe immer gesagt: Wenn ich mir ein Haus aussuchen könnte, wäre es genau dieses.“ In dem Eckzimmer mit dem für den Bauhaus-Stil so charakteristischen Fensterband hat sie sich nun ihr Büro eingerichtet.

Noch aber muss die junge Selbstständige ihren Sanierungswillen hemmen - zu teuer ist es, den Bau richtig wieder herzurichten. Zehn Kubikmeter Grünabfall waren die Folge eines zehn Jahre lang nicht gepflegten Gartens. Die Beete hat sie neu bepflanzt, die Terrasse frei gelegt. Und obwohl die Villa 2000 weiß gestrichen wurde, ist schon wieder ein Anstrich fällig. Auch die Mauer vor dem Haus zur Bahnhofstraße hin ließ sie weiß tünchen - wenige Tage später war sie wieder mit Graffiti vollgeschmiert. „Da könnte ich mich jede Woche mit einem Farbeimer hinstellen.“

Susanne Schild

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