Ab in die Mitte!
Frischer Wind hinter der Scheibe
01.09.2010 | 18:46 Uhr 2010-09-01T18:46:00+0200
Castrop-Rauxel. Frischen Wind brachten in den letzten Wochen Auszubildende zur „Gestalterin für visuelles Marketing“ des Berufskollegs Essen Ost in vier Geschäfte auf der Lange Straße.
Sie verpassten den Schaufenstern ein neues Gesicht -- mit Erfolg. Marlies Scholz vom gleichnamigen Kosmetik- Institut: „Das ist prima, viel besser als vorher, und wird bis zur Weihnachtsdeko bleiben.“
Für die Kreativ-Initialzündung sorgten Inwerb Werbegemeinschaft, IHK und Berufskolleg Essen Ost, die im Rahmen von „Ab in die Mitte!“ das Nebenzentrum Habinghorst stärken wollen. Herbert Ramme, Service Center Wirtschaft: „Mit diesen Schaufensterideen hoffen wir, etwas in Bewegung zu setzen.“ Denn: „Auf der Lange Straße sind neue Impulse gefragt.“
Der frische Anstrich soll dem dortigen Handel einen Anschub verpassen, die Wichtigkeit zeitgemäßen Arbeitens aufzeigen. Rammes dringende Empfehlung: „Die Geschäftsleute müssen sich neu aufstellen, um weitere Kunden zu gewinnen.“ Viel zu traditionell würden sich die meisten Geschäfte geben und leider nur altbackenen Charme verbreiten. Wenn nun zu neuen Ufern aufgebrochen werde, dann „besteht die Chance, dass die Lange Straße wieder als Handelsachse angenommen wird“.
Und Hoffnung ist durchaus da. Verbessert habe sich beispielsweise der Leerstand. Vor acht Jahren standen dort 60 Prozent der Gewerbeimmobilien leer, derzeit gibt es einen Leerstand von 25 Prozent. Ramme: „Davon ist die Hälfte allerdings nicht vermietbar, da die Substanz nicht mehr da ist.“ Auch wenn bei der Mietpreisgestaltung die Eigentümer durchaus mitspielen -- mancher Quadratmeter geht für einen Euro über die Theke -- es bleibt dabei: An der Lange Straße herrscht dringender Handlungsbedarf.
Das sehen Cassandra Bolt, Sarah Porwit, Michelle Hochmuth, Carla Theis, Angelina Auert und Nadja Boersch genauso. Azubi Auert: „Wir haben uns um vier Geschäfte gekümmert, aber nötig wäre es bei mehreren gewesen.“ Sie hat sich des Kosmetik-Ladens angenommen, mit Blatt-Objekten für eine herbstliche Stimmung hinter der Glasscheibe gesorgt. „Bei mir sollte die Ware im Vordergund stehen, die Deko die entsprechende Unterstützung liefern.“ Ganz anders arbeitete Nadja Boersch. Sie platzierte regelrechte „Eyecatcher“ hinter den großen Fenstern von Iga Optic Mues. Fußballgroße Augäpfel liegen herum, dazwischen stehen Säulen mit aufgedruckten Sehtesttafeln. Die Deko fällt sofort ins Auge -- glücklich ist Inhaber Ulrich Mues trotzdem nicht. „Die Deko überdeckt die Ware. Das geht natürlich nicht, da fehlt mir die Hervorhebung.“
Begeistert ist hingegen Adil Tamouh. Sein Trend Shop, in dem er einen Lagerverkauf anbietet, hat deutlich gewonnen. Herrschte zuvor ein gestapeltes Durcheinander, so besticht das Schaufenster nun durch seine klare Struktur. Michelle Hochmuth und Carla Theis: „Es gibt hier echte Markenware, das wollten wir groß zeigen. Unser Ziel lautete: weniger ist mehr.“ Tamouh haben die Damen überzeugt: „Ich hole mir jetzt öfter professionelle Hilfe.“ Auch Ursula Bochynek von U.&J. Fashion ist mit ihrem neu gestalteten Schaufenster rundum zufrieden. Cassandra Bolt und Sarah Porwit schufen edles Ambiente mit klaren Formen und Farben. Bochynek schwer beeindruckt: „Alles ist offener und freundlicher.“
Nun hofft Ramme auf möglichst viele Nachahmer, zumal sich beim Durchführen der Gestaltungsmaßnahmen immer wieder Zaungäste einfanden, die die Aktivitäten guthießen. „Wir werden trommeln, dass es mehr wird und voran geht.“
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