Freispruch für angeklagten Ex-Häftling

Ein ehemaliger Insasse im Offenen Vollzug der JVA in Castrop-Rauxel hat einen stillen, schüchternen Mithäftling in seiner Zelle eingeschlossen. Angeblich um ihn zu beschützen. Anderen Gefangenen kam das komisch vor, sie befürchteten einen sexuellen Missbrauch. Am Freitag endete der verworrene Fall mit einem Freispruch vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel.

Castrop-rauxel.. Freispruch. Einer, der den Angeklagten zum Kommentar "Ich habe die Schnauze voll" veranlasste, und der auch keinen der anderen Anwesenden froh stimmte. Ein Freispruch aus "rechtlichen Gründen", wie es die Staatsanwältin am Freitag formulierte.

Angeklagt war ein ehemaliger Häftling der JVA "Meisenhof", der einen Mithäftling in seiner Einzelzelle mehrfach eingeschlossen haben soll, wenn er diese selbst verließ. Er habe den 24-Jährigen unter seine Fittiche genommen, ihm Kaffee und Tabak spendiert und zum TV-Gucken und Playstation-Spielen in seine Zelle eingeladen. Wo sich die beiden dann täglich trafen.

Angst vor sexuellen Übergriffen

Sexuelle Übergriffe, die ein anderer Mithäftling vermutete, dem der verschreckte und verschlossene Mithäftling auffiel, sind wohl nicht vorgekommen. Doch die Angst davor war da.Das machte die Zeugenanhörung des ehemaligen Mithäftlings deutlich. Aufgefordert, über seine Erfahrungen mit Freundinnen zu reden, traute er sich nicht, das zu verweigern, obwohl ihm das Thema unangenehm war. Dass der Kollege, bei dem er die Nachmittage verbrachte, ihn einschloss, behagte ihm nicht, doch er sagte nichts. "Ich hatte Angst", gab er an. Doch er habe nicht gewusst, zu wem er sonst hätte gehen können, vertraut hätte er niemandem.

Die Frage, die allen Zeugen gestellt worden war, beantwortete er gewissenhaft. Ja, die Zelle lag im Erdgeschoss, ja, es habe ein unvergittertes Fenster gegeben. Auf diesem Weg die abgeschlossene Zelle zu verlassen, habe er nie in Betracht gezogen. Aus Angst vor Folgen.

Labile Psyche

Und exakt deshalb greift der § 239 des Strafgesetzbuches zum Thema Freiheitsberaubung nicht. Und während die Staatsanwältin diese rechtliche Definition anführte, ergänzte die Anwältin des Angeklagten, dass sie "Zweifel am Willen zur Ortsveränderung" des Zeugen hege.

Der Richter bestätigte den Freispruch, das Gesetz regele, so die Begründung, ausschließlich den physischen Aspekt. Die Psyche des Zeugen blieb außen vor. Und die war und ist äußerst labil. Angewiesen auf Psychopharmaka, war der 24-Jährige zudem das erste Mal im Gefängnis, wegen notorischen Schwarzfahrens. Der Angeklagte hatte dagegen in der Vergangenheit schon reichlich Erfahrungen gesammelt, hat schon einige Haftstrafen verbüßt. Und fand sein Verhalten normal, empfand sich als Gönner und Beschützer.