Flüchtlinge an der Vördestraße: Bürger diskutierten

Etwa 60 Flüchtlinge sollen grob ab Ende Mai an der Vördestraße untergebracht werden - auch in Privatwohnungen. Dieser Plan wurde am Mittwochabend von vielen Bürger bei einer Info-Veranstaltung diskutiert. Dabei gab es sowohl dumpfe Parolen als auch viel Hilfsbereitschaft - und einen Appell.

Castrop-rauxel.. Rund 90 Bürger, darunter etliche Kommunalpolitiker, folgten Mittwochabend der Einladung der Stadt zu einer Informationsveranstaltung ins Hildegardisheim. Im Mittelpunkt standen die gemeinsamen Pläne von Stadt und Landesentwicklungsgesellschaft (LEG), Flüchtlinge an der Vördestraße in Rauxel unterzubringen

Die äußeren Fakten sind schnell genannt: Allerfrühestens ab Ende Mai werden nach und nach Flüchtlinge von der Harkortstraße in zwölf Wohnungen an der Vördestraße 41 bis 47 umgesiedelt. Die Rede ist von 60 Menschen, möglicherweise aber auch mehr. Die Wohnungen, die über Kohleöfen geheizt werden, sind 52 Quadratmeter groß. Sie werden so instand gesetzt, dass die Flüchtlinge dort akzeptabel unterkommen.

Wie Sozialdezernent Michael Eckhardt verdeutlichte, sollen in erster Linie Familien zur Vördestraße ziehen, eventuell werden dort auch Wohngemeinschaften gegündet. Dies alles passiert natürlich vor dem Hintergrund, dass auch in Castrop-Rauxel die Zahl der Flüchtlinge deutlich angestiegen ist - 321 sind es aktuell, mit weiteren 100, vielleicht auch 200, wird gerechnet.

Appell an Bürger

Von Anfang an hat die Stadt darauf gesetzt, keine Containerdörfer zu errichten oder Turnhallen zu Wohnzwecken umzufunktionieren. Vielmehr sollten die Flüchtlinge menschenwürdig zunächst in den bestehenden Unterkünften an der Harkortstraße in Merklinde, später auch in Pensionen und Privatwohnungen untergebracht werden.

Die reine Platzkapazität an der Harkortstraße liegt bei 200 Plätzen. Ganz früh wurde auch der Kontakt zu den Wohlfahrtsverbänden gesucht. "Alleine können wir diese Aufgabe nicht stemmen, den Flüchtlingen, eine Willkommenskultur zu bieten. Wir brauchen ehrenamtliche Hilfe. Wir brauchen auch Ihre Hilfe", appellierte Bürgermeister Johannes Beisenherz an das Publikum.

Vereine und Gruppen helfen

Die Resonanz fiel nicht nur auf fruchtbaren Boden. Mitunter wurden dumpfe Parolen laut. Heftigen Beifall gab es aber auch für eine 15-Jährige, die erklärte: "Ich habe keine Probleme, Menschen an die Hand zu nehmen und ihnen zu helfen."

Denn das kristallisierte sich im Laufe der fast zweistündigen Diskussion ganz deutlich heraus: Wichtiger als Kleidung oder Spielzeug ist der Kontakt zu den Menschen. "Wir brauchen Bürger, die Patenschaften übernehmen", verdeutlichte der Bürgermeister. Die Flüchtlinge mit zum Sport nehmen etwa oder ein wenig Zeit zu haben für einen Behördengang. Erste Ansätze sind gemacht. Die Facebookgruppe "Refugees - Welcome in Castrop-Rauxel" hilft, der SV Dingen, der VfR Rauxel, der Verein Mein Ickern.

Ansprechpartner gesucht

Ganz wichtig ist den Nachbarn aus der Rütgers-Sieddlung, dass sie feste Ansprechpartner bekommen. "Vor Ort wird eine Wohnung zu einem Büro umgebaut, dort wird es feste Ansprechpartner geben", sicherte Dirk Heinacker, Leiter des städtischen Bereichs Soziales, zu und nahm einigen aufgebrachten Gemütern argumentativ den Wind aus den Segeln. Seit dem 1. April verstärkt ein Sozialarbeiter zusätzlich das Team.

Eine Bürgerin stellte klar: "Wir haben nichts gegen Ausländer, aber wir haben Angst vor vielen Fremden." Dass diese Angst verstanden wird, verdeutlichte Astrid Dähnke von den Stadtteilmüttern der Caritas, die sich schon seit etlichen Monaten um Flüchtlinge kümmern. "Ich verstehe Ihre Angst, aber sie ist in den allermeisten Fällen völlig unbegründet", sagte sie.

Georg Plempe, Pfarrgemeinderatsvorsitzender der neuen Großgemeinde Corpus Christi, fand nur Lob. "Ich finde das Konzept von Ihnen wunderbar", richtete er sich an die Adresse von Stadt und LEG. Wer sich für Patenschaften interessiert und mithelfen möchte, wendet sich an Dirk Heinacker unter Telefon (02305) 106-2483.