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Interview

"Feuerwehr macht keine Brandstifter"

23.01.2010 | 06:00 Uhr
"Feuerwehr macht keine Brandstifter"

Castrop-Rauxel. Die Wehrmänner in Castrop-Rauxel sind betroffen, dass ein Mitglied aus ihren Kreisen als Brandstifter überführt wurde. Der 21-Jährige sei nie negativ aufgefallen, sagt Jürgen Schmidt, Leiter der Feuerwehr. Man müsse akzeptieren, was passiert sei und offen damit umgehen.

Wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung wurde am Dienstag Haftbefehl gegen den 21-jährigen Castrop-Rauxeler erlassen, auf dessen Konto eine Reihe an Bränden gehen. Was geht in einem jungen Mann vor, der doch das ganze Leben noch vor sich hat? Mit Jürgen Schmidt, Leiter der Feuerwehr, sprach Ellen Andresen.

Wie haben Sie und die anderen Wehrleute reagiert, als bekannt wurde, dass jemand aus den eigenen Reihen für die Brandserien in Castrop-Rauxel verantwortlich ist?

Brandstifter
Pyromanie kommt relativ selten vor

Der Begriff Pyromanie (stammt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Feuer) bezeichnet die pathologische Brandstiftung und wurde im frühen 19. Jahrhundert geprägt.

Nicht selten wird der Begriff auch völlig außerhalb eines psychiatrischen Kontextes gebraucht, um Personen zu charakterisieren, die gern beziehungsweise leidenschaftlich mit Feuer umgehen, bzw. zündeln.

Pyromanie ist ein klar umrissenes Krankheitsbild. Im „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders”, dem international gültigen Diagnosekatalog der Psychiatrie, finden sich eindeutige Kriterien: Zum einen die bewusste und vorsätzliche Brandstiftung in mehreren Fällen, die große Anspannung und Erregung vor der Tat, das große Interesse an Feuer und allem, was damit zu tun hat, sowie Freude oder Erleichterung während der Brandstiftung und zum anderen wird die Brandstiftungen nicht aus finanziellen Gründen, Rachegelüsten etc. unternommen.

Pyromanie ist insgesamt relativ selten, ist aber unter Brandstiftern häufig verbreitet. Quelle: Wikipedia

Schmidt: Wir waren sehr geschockt und traurig. Aber wir werden es nicht als Makel der Feuerwehr ansehen. Wir müssen jetzt akzeptieren, was passiert ist und werden damit offen umgehen und das hier thematisieren. Wir sind bereits mit den Löschzugmitgliedern aus Merklinde in Kontakt getreten, um uns mit ihnen zu unterhalten. Die gesamte Freiwillige Feuerwehr Castrop-Rauxel ist betroffen über die Tatsache, dass ein Mitglied aus ihren Reihen derartige Taten begangen hat und als Brandstifter überführt wurde.

Kann man da als Feuerwehr irgendwie vorbeugen?

Feuerwehrchef Jürgen Schmidt. Foto: Joseph-W. Reutter

Schmidt: Es gibt keine Checkliste, dass wir sagen, wenn einer sich so verhält, passiert das. Klar ist, dass der Vorfall thematisiert werden muss. Aber, eine Frage, die ich mir dann trotzdem stelle, ist: Erreiche ich denjenigen, der potenziell gefährdet ist? Zum einen gibt es sicherlich Leute, die sind einfach krank – aber damit wir uns nicht falsch verstehen, ich bin auch kein Fachmann für Veranlagung. Ich kann schlecht einschätzen, was in dem 21-Jährigen vorgegangen ist. Was für Lustgefühle bei ihm nach den ersten Bränden geweckt worden sind oder ob er ein medizinisches Problem hat.

Was war der Brandstifter für ein Mensch? Wie haben die Kollegen des Löschzugs Merklinde ihn erlebt?

Schmidt: Er ist nie negativ aufgefallen. Er war eher eine unauffällige Person. Seit 2003 ist der 21-Jährige in der Jugendfeuerwehr, ist dort groß geworden und wechselte dann 2007, mit 18 Jahren, zur Freiwilligen Feuerwehr. Ich denke, er war sich nicht bewusst, was er tut, mit welchen weitreichenden Konsequenzen er jetzt zu rechnen hat.

In einigen Fällen hört man doch immer wieder, dass der Brandstifter beim Löschen geholfen hat. War das bei dem 21-jährigen auch so?

Schmidt: Bei einem der Kellerbrände am vergangenen Wochenende hat sein Löschzug aus Merklinde geholfen. Ob der Tatverdächtige dabei war, kann ich Ihnen nicht beantworten. Der Feuerwehrmann war aber mit seinem Löschzug beim Einsatz an der Bodelschwingher Straße, wo die Scheune am Montag brannte, zur Bereithaltung für mögliche weitere Brände alarmiert worden. Die Polizei nahm ihn während dieser Bereitschaft noch in der Nacht im Gerätehaus des Löschzuges fest.

Wie stehen Sie zu den Vorurteilen, dass viele Brandstifter aus Kreisen der Feuerwehr stammen?

Schmidt: Das muss man ganz klar differenzieren. Die Feuerwehr macht einen nicht zum Brandstifter. Es gibt eben eine große Masse normaler Leute und einige weichen davon leider immer wieder ab. Aber: Durch die Taten eines Einzelnen darf nicht die Vielzahl von insbesondere ehrenamtlich engagierten Feuerwehrleuten in Frage gestellt werden.

Ellen Andresen

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