Erneut weniger Lehrstellen

Vest..  Das Angebot an Lehrstellen im Kreis Recklinghausen nimmt weiter ab. Nach einem Rückgang von acht Prozent im Vorjahr beträgt das Minus aktuell 2,7 Prozent. Mahnende Stimmen kommen mittlerweile auch aus der Wirtschaft.

Die Hälfte des Ausbildungsjahres 2014/2015 ist verstrichen. Erstmals legte die Arbeitsagentur Zahlen zum Geschehen am Ausbildungsmarkt vor. Das Zwischenfazit fällt „durchwachsen“ aus, wie Christian Schneider, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitsagentur Recklinghausen, gestern betonte. Die Hoffnung, dass es nach dem herben Einbruch des letzten Jahres mit den Lehrstellenzahlen wieder aufwärtsgeht, hat sich nicht erfüllt.

Im Kreis kommen auf einen Bewerber 0,46 Stellen. In NRW liegt die Quote mit 0,8 fast doppelt so hoch. Selbst die Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen schlägt Alarm. IHK-Vizepräsidentin Dr. Gudrun Bülow (Marl) warnte die Wirtschaft, ihr Ausbildungsengagement zu verringern. Die „demografische Keule“ werde die Region ab 2020 in vollem Umfang treffen. Spätestens dann würden den Betrieben benötigte Nachwuchskräfte ausgehen. Bülow, die auch Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses für den Kreis ist, forderte die Unternehmen zu einer „strategischen Personalentwicklung“ auf. „Oft ergibt sich Ausbildung allein schon dadurch als logische Konsequenz.“

Die Gründe für die Misere am vestischen Ausbildungsmarkt sind vielfältig. Einer betrifft das Kernproblem der Region: Es mangelt an Unternehmen. Ein Vergleich mit dem Münsterland: Die Kreise Coesfeld und Borken haben zusammen ein Fünftel weniger Einwohner als der Kreis RE, aber 19 Prozent mehr Ausbildungsbetriebe. Dass im Münsterland händeringend Azubis gesucht werden, ist angesichts dieser Zahlen keine Überraschung.

Viele Ausbildungsplätze bleiben auch im Vest unbesetzt, weil die Berufe bei der Jugend ein schlechtes Image haben (zum Beispiel in der Pflege oder in bestimmten Handwerksbranchen) oder weil Bewerber nicht die Anforderungen der Arbeitgeber erfüllen. Mehr Flexibilität auf beiden Seiten fordert der stellvertretende Agenturgeschäftsführer Christian Schneider.