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Ein Katzenjammer

01.06.2012 | 20:18 Uhr
Ein Katzenjammer
Katzenmutter Estelle hat im Tierheim vor drei Wochen vier Kleine zur Welt gebracht. Die jungen Katzen zu vermitteln gelingt den Tierschützern in der Regel noch ganz gut, das Problem sind vor allem ältere Katzen, die dringend ein neues Zuhause brauchen. Foto: Karl Gatzmanga

Castrop-Rauxel.   Das Katzenhaus des Tierheims platzt aus allen Nähten. Die Flut an Nachwuchs reißt nicht,denn immer noch gibt es viele unkastrierte Tiere, die sich unkontrolliert vermehren. Jetzt schlagen die Tierschützer Alarm.

Niedlich sind sie schon, wie sie da durch das Körbchen tapsen, so klein, dass sie es sich auf einer Handfläche gemütlich machen könnten. Aber: Diese Katzenkinder sollten eigentlich gar nicht auf der Welt sein, denn es gibt einfach schon viel zu viele. Freigänger-Katzen vermehren sich – wenn sie nicht kastriert sind – rasant.

Von einer wahren Flut an Katzen und deren Nachwuchs sprechen auch die Tierheim-Mitarbeiter. „Unser Katzenhaus ist voll“, sagt Bärbel Simon, die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins. Und die erste Vorsitzende, Roswitha Heise fügt hinzu: „Da passt noch nicht mal mehr eine Maus rein.“ Zurzeit müssen die Tierschützer alleine drei Mutterkatzen mit ihren Babys versorgen. Eine Aufgabe, die weit über die herkömmliche Betreuung hinaus geht, brauchen die Katzenmütter und ihre Kleinen doch besonders Ruhe, Platz und Aufmerksamkeit.

Die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins, Bärbel Simon, mahnt an, Freigängerkatzen so früh wie möglich kastrieren zu lassen. Foto: Karl Gatzmanga

Damit nicht genug: Auch drei Katzenbabys, die ohne Mutter gefunden worden sind, sind derzeit in der Obhut der Ehrenamtlichen und müssen mühevoll per Hand aufgepäppelt werden. Diese Kleinen zu versorgen sei noch mal eine ganz andere Herausforderung, sagt Bärbel Simon. Besonders große Probleme bereiten den Tierschützern verwilderte Katzen, die bereits in der dritten oder vierten Generation draußen leben und alles andere als handzahm sind. „Die kann man nicht vermitteln“, sagt Bärbel Simon, zu menschenscheu seien diese Tiere. Zudem pflanze sich die Scheu fort, auch die Nachkommen werden in aller Regel keine verschmusten Hauskatzen.

Zurzeit müssen sich die Tierschützer mit einem Fall beschäftigen, der auf beinahe klassische Weise die Vermehrung von freilebenden Katzen aufzeigt. Auf einem großflächigen Gelände einer ehemaligen Gärtnerei lebt mittlerweile eine Vielzahl verwilderter Katzen. „Dabei hat das da harmlos mit einer Katze angefangen“, sagt die zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins. Diese eine Samtpfote war allerdings nicht kastriert worden, sondern bekam Junge, auch dieser Nachwuchs konnte sich ungehindert fortpflanzen, mittlerweile soll es wieder trächtige Tiere dort geben, und so weiter und sofort.

Jetzt sind die vielen Katzen dem Besitzer lästig geworden, er fordert vom Tierheim, die Tiere wegzufangen. „Dabei handelt es sich ja nicht um herrenlose Katzen“, sagt Bärbel Simon. Die Besitzer des Grundstücks hätten die Katzen schließlich über Jahre gefüttert. „Und wer füttert, der ist auch verantwortlich“, so die Tierschützerin. Nach dem Verweis auf seine eigene Verantwortung aber versuchte der Mann, Druck gegenüber den Tierschützern aufzubauen: Er drohte, das Problem von einem Jäger erledigen zu lassen. „Dabei haben wir ihm angeboten, die Katzen kastrieren zu lassen und wieder auf seinem Grundstück anzusiedeln“, berichtet Bärbel Simon. Denn auch für diese verwilderten Tiere sieht die Tierschützerin keine Chance auf ein normales Zuhause. Dieses Angebot aber schlug der Eigentümer aus, er will die Tiere loswerden.

Auch das Ordnungsamt, das der Mann einschaltete, verwies ihn auf seine Verpflichtung den Tieren gegenüber. Ausgestanden ist der Fall noch nicht. Klar ist aber: Das Tierheim ist an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, über 30 Katzen betreuen die Tierschützer derzeit – und das bei stets angespannter Finanzsituation. Immer wieder wird von Seiten der Politik eine Kastrationspflicht für Katzen diskutiert. „Dieses Ansinnen wüsste ich gerne verwirklicht“, sagt Bärbel Simon dazu. Bei der Umsetzung aber sähe die Tierschützerin große Hürden und bringt den Zeitfaktor ins Spiel: Bis solch eine Verordnung auf den Weg gebracht sei und greifen würde, verginge viel Zeit. Zeit, die die Tierschützer nicht haben, denn das Katzenelend wächst zusehends.

Tag der offenen Tür im Tierheim am Sonntag, 3. Juni

Einen Tag der offenen Türveranstaltet das Tierheim am Deininghauser Weg am morgigen Sonntag, 3. Juni. Ab 12 Uhr sind alle Besucher, die sich über die ehrenamtliche Arbeit der Tierschützer informieren wollen, herzlich willkommen. Neben den schon fast traditionellen Trödel- und Bücherständen gibt es diesmal auch ein buntes Unterhaltungsprogramm: Die Gesangs- und Stepptanzgruppe Contito wird unter anderem ihr Können zeigen, außerdem gibt es Auskünfte über den Tierschutz im In- und Ausland sowie Leckeres aus der Küche. Der Erlös aus der Veranstaltung ist komplett für das Wohl der Tiere bestimmt.

> Zur Internetseite des Tierheims Castrop-Rauxel

Katja Büchsenschütz


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