Dschungel-Star brachte Castrop einst zum Toben

Kreischalarm am Adalbert-Stifter-Gymnasium: Für eine Autogrammstunde ist im Oktober 1995 die Boygroup "Caught in the Act" zu Gast in Castrop-Rauxel. Nach nur 15 Minuten ist jedoch alles vorbei. Einige weibliche Fans haben versucht, ihre Idole im wahrsten Sinne über den Tisch zu ziehen. Die nahmen es mit Humor. Ihr Manager nicht.

Castrop-rauxel.. Einer, der 1995 der wilden Mädchenschar in der ASG-Aula gegenüber saß und stand, ist Benjamin Boyce. Der mittlerweile 46-Jährige war ein Mädchenschwarm. Heute ist er Insasse des Dschungelcamps. Er schweigt sich durch die neunte Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus". Aufgrund seiner bescheidenen Ausbeute an Sendeminuten gibt es sogar böse Zungen, die behaupten, er sei gar nicht im Extrem-Ferienlager für ausrangierte Prominenz.

Dem widerspricht der Kölner Privatsender, in dessen Auftrag die Sendung produziert wird, jetzt auf seiner Internetseite: "Wer geglaubt hatte, er sei mittlerweile in der grünen Hölle verloren gegangen, dem sei verraten: Benjamin Boyce geht es gut", heißt es auf der Webseite des Dschungelcamps. Zudem zeige er eine ziemlich unterhaltsame Seite von sich.

Mit Herzchen in den Augen

Als Boyce vor 20 Jahren in Castrop-Rauxel war, war er vom Dschungelcamp so weit entfernt wie die Süddeutsche Zeitung von der Bravo. Inhaltlich. Nicht räumlich. Boyce war der Traum vieler Mädchen auf der ganzen Welt. Wenn sie nachts nicht schlafen konnten, dachten sie mit Herzchen in den Augen an ihren Benjamin. Hier, in Castrop-Rauxel, hat er sich von seiner besten Seite gezeigt. Er war charmant, zuvorkommend - und um die Illusion vom Star zum Anfassen zu komplettieren: natürlich ungebunden.


In einem Interview mit unserer Zeitung sagte Boyce auf die Frage, ob er eine feste Freundin habe: "Nein, nicht mehr. Aufgrund des Lebensstils, den wir im Moment führen, hat sich alles geändert. Es ist unter diesen Umständen nicht mehr möglich, eine feste Beziehung zu führen." Sätze, mit denen Stars Hoffnung bei ihren Fans wecken. Die Hoffnung darauf, die Auserwählte zu sein. Und dann schreiben sie Liebesbriefe. Die Frage von unserem Report Jörg Laumann, wie viele Liebesbriefe er bekomme, konnte Boyce nicht beantworten. "Oh Gott, das weiß ich nicht. Zu Anfang habe ich sie noch gezählt, aber mittlerweile ist das nicht mehr möglich", so Boyce. Er versuche, die Fanpost und die Liebesbriefe auf langen Autofahrten zu lesen, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Manche schreiben spaßige Briefe, andere Liebesbriefe, wieder andere berichten von ihren Problemen", so Boyce.

Chaos in der ASG-Aula

Die Probleme bei der Autogrammstunde in der ASG-Aula waren aus damaliger Sicht übrigens hausgemacht. Der Tour-Manager der Boyband hatte dafür gesorgt, dass es chaotisch wurde. Die Organisatoren - unsere Zeitung war Mitveranstalter des kurzen CITA-Gastspiels - wollten die vornehmlich weiblichen Fans häppchenweise zu ihren Lieblingen lassen. Das jedoch ging dem, wie es im Artikel von damals heißt, "aufgeregten Manager" nicht schnell genug. Er wollte den Einlass beschleunigen, riss die Türen zum Bürgerhaus auf - und die Mädels stürmten die Bühne. Das wiederum war ihm nicht geheuer. Er brach die Autogrammstunde ab. Die enttäuschten Fans machten sich auf den Heimweg, die Band fuhr weiter zu einem Auftritt in Herne.

20 Jahre später ist die Erinnerung an den Besuch der Boyband noch immer lebendig - und Benjamin Boyce sitzt für eine Handvoll Euros schweigend im australischen Dschungel...