Doch Attacke im Job-Center

Was wir bereits wissen
Bereits im Januar griff ein Kunde einen Mitarbeiter mit einer kleinen Eisenstange an. Der Vorfall wurde weder der Zentrale noch der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Tödlich verlief Ende September der Angriff eines Kunden im Job-Center der Stadt Neuss. Damals hatte der Tod einer 32-jährigen Angestellten auch in Castrop-Rauxel die Frage aufgeworfen, wie groß die Gefahr hier im Rathaus ist. Dass es auch in unserer Stadt einen Angriff auf einen Job-Center-Mitarbeiter gegeben hat, verschwieg allerdings Job-Center-Leiter Wolfgang Limberg.

Und zwar nicht nur gegenüber dieser Zeitung, die das Thema aufgegriffen hatte, sondern offenbar auch gegenüber der Job-Center-Zentrale in Recklinghausen. Erst durch einen Bericht der „Ruhr-Nachrichten“ wurde jetzt bekannt, dass am 5. Januar 2012 ein Kunde des Job-Centers einen Angestellten mit einer Eisenstange angegriffen hatte, ohne ihn allerdings schwer zu verletzen.

Das berichtet gestern Martin Linkemann, Pressesprecher des Job-Centers in Recklinghausen. Auch er hatte nach eigenen Angaben nichts von dem Vorfall gewusst: „Ich war ebenso überrascht. Aber ich bin erst seit dem 1. April hier im Hause und in dieser Zeit ist seitdem nichts vorgefallen.“ Wäre er bereits im Januar Pressesprecher gewesen und hätte von der Attacke erfahren, hätte er den Fall nicht verschwiegen. „Wir sind hier aus allen Wolken gefallen“, versichert Martin Linkemann. „Ich weiß nicht, was den Leiter des Castrop-Rauxeler Job-Centers geritten hat, Sie nicht zu informieren.“ Auf jeden Fall werde man das Thema „intern verarbeiten“.

Der bereits neun Monate zurück liegende Vorfall geschah nach Angaben des Job-Centers Recklinghausen am Donnerstag, 5. Januar, in der Castrop-Rauxeler Zweigstelle. „Dem Kunden war vormittags eine Auszahlung gewährt worden“, schildert Martin Linkemann. Nachmittags sei er dann erneut in die Behörde gekommen. „Im Wartebereich ist er mit seinen Gefühlsschwankungen aufgefallen“, gibt er die Schilderungen von Zeugen wider.

Um den Besucher habe man sich gekümmert. Weil z. B. die SIM-Karte seines Mobiltelefons abgelaufen war, habe die Sachbearbeiterin ihm das Diensttelefon für private Gespräche zur Verfügung gestellt. Doch als dann die Aufforderung erging, das Büro zu verlassen, sei der Mann nicht gegangen.

Ein anderer Mitarbeiter habe den Kunden zum Ausgang begleitet, wo es dann zu dem Zwischenfall gekommen sei. Dort habe der Mann nämlich eine etwa 30 bis 40 cm lange Eisenstange aus der Tasche gezogen „und damit den Mitarbeiter am Arm gestreift“, so Martin Linkemann.

Dieser habe einen Arzt aufgesucht, der aber keine organischen Verletzungen habe feststellen können. Gleichwohl sei Strafanzeige erstattet worden.