Die Ickerner Kathedrale
22.07.2010 | 16:35 Uhr 2010-07-22T16:35:00+0200
Castrop-Rauxel.Wahre Schönheit kommt von innen. Ein glänzendes Beispiel für diesen Spruch ist die Pfarrkirche St. Antonius am Ickerner Marktplatz. Denn hinter der roten Ziegelfassade versteckt sich ein beeindruckendes Bauwerk, mit einer beeindruckenden Geschichte.
Aber, wie das so ist im Ruhrgebiet, man versteckt seine Besonderheit lieber – oder hätten Sie gewusst, dass hier die erste deutsche Parabelkirche steht?
Die Antoniuskirche Ickern ist ein Bergbaukind. Ihre Entstehung verdankt sie der Bevölkerungsexplosion in dem einstigen Bauerndorf, infolge der Abteufung von Ickern 1/2 ab 1910. Zum Vergleich: 1907 lebten in dem fast rein evangelischen Dorf 608 Einwohner. 1914 waren es 14.583 Personen. Davon 7625 Katholiken, meist Bergleute aus Polen. Das waren noch andere Zeiten: die Mutterpfarrei St. Remigius in Mengede war mit diesen vielen neuen Schäfchen fast überfordert.
1911 wurde also eine Notkirche für 300 Personen errichtet. Geplant war ferner eine neugotische Kirche, deren Bau wurde aber durch den Ersten Weltkrieg verhindert. Dass St. Antonius zwischen 1922 und 1925, trotz zerrütteter Wirtschaft, Inflation und Massenarbeitslosigkeit, doch gebaut wurde, ist dem Engagement der Gemeinde und ihres Pfarrers Franz Hillebrand zu verdanken. Geld kam zudem von der Bergwerksgesellschaft und den Klöcknerwerken, deren Hausarchitekt Alfred Fischer erstmalig für einen sakralen Bau beauftragt wurde.
Hillebrand, nach dem später die Hauptschule benannt wurde, war 1915 Pfarrvikar in Ickern geworden. Der spätere Dechant lebte in franziskanischer Bescheidenheit, so verschenkte er etwa sein Klavier, sein Bett, seine einzige Hose an Bedürftige. Und er lernte für seine Schützlinge polnisch.
Das Polnische, es scheint sich in dem heutigen Gemeindeverbund gehalten zu haben – liest man allein die Namen der derzeitigen Seelsorger: Pater Zbigniew Szarata, Pater Marek Perzynski, Pater Leslaw Ogryzek, Pater Stanislaus Szulhaczewicz.
„Die Kirche passt zu Ickern“, sagt Marek Perzynski, der in Nordpolen geboren wurde und seit September 2009 in Ickern Schäfchen hütet. Aber er nennt auch die Schwächen der Konstruktion: „Für das moderne Gemeindeleben ist die Kirche nichts.“ Der Altar sei zu weit weg von den Gemeindemitgliedern, „ich will doch bei dem, was ich erzähle, die Gesichter sehen“. Deswegen gehe er mit dem Mikro zu den Gläubigen hinunter. Zudem fehlen Mehrzweckräume. Zwar trennte man 1970 die offene Halle unter dem Turm ab, doch das rege Gemeindeleben spielt sich vorwiegend im Pfarrsaal ab.
Problem Nummer drei: Die hohe Halle hat ein zu intensives Echo. „Wenn ich vorn einen Satz sage, kommt er nach acht Sekunden wieder zurück“, berichtet Marek Perzynski. „Man muss wirklich sehr langsam sprechen, damit die Gemeinde etwas versteht.“ Wenn man so will, ist der schöne Raum eine Fehlkonstruktion. Aus diesem Grund wurde 1970 eine hölzerne Kassettendecke eingehängt, womit allerdings der Bau seinen Reiz verlor. 1990 riss man die Holzdecke dann wieder ab.
Viele Höhen und Tiefen
An „guten“ Tagen, wie dem zweiten Weihnachtsfeiertag, quetschen sich 550 Besucher in die Kirchenbänke, weiß Robert Mathis, der den Bau seit 15 Jahren als Küster betreut. Aber auch an ganz gewöhnlichen Sonntagen ist das Gotteshaus zu zwei Dritteln gefüllt. Stolz ist Mathis darauf, dass viele Familien am Gemeindeleben teilnehmen. „Die alten Ickerner sind tief verbunden mit der Kirche. Bei der neuen Generation habe ich da meine Zweifel“, sagt Marek Perzynski. Robert Mathis wird bei der Bitte um eine Einschätzung fast verlegen: „Diese Kirche hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Für uns aber bleibt sie immer die Ickerner Kathedrale.“
Ihren beiden „geistigen Vätern“ brachte die Kathedrale wenig Glück. Bauherr Franz Hillebrand, der in seinen Predigten das NS-Regime anprangerte, starb am 21. Februar 1943, kurz bevor ihn die Gestapo festnehmen konnte. Alfred Fischer wurde 1933 von den Nazis seines Postens an der Essener Folkwangschule enthoben. Er ging nach Murnau in Oberbayern, dort starb er 1950.
Außen eckig, innen rund
St. Antonius hat zwei Seiten: Von außen ist sie eine klassische Basilika, mit Langhaus und zwei Seitenschiffen. Diese Struktur aber hat Alfred Fischer innen modern gestaltet. Hier gibt es keine geraden Linien und rechten Winkel, nur runde Formen. Haupt- und Seitenschiffe sind Parabelbögen – in Anlehnung an den Bergbau, denn Hauptstollen haben diese Form.
Ermöglicht wurde diese Bauweise durch das damals neue Rabitz-Drahtputz-Verfahren, eine Unterkonstruktion aus Metall, die mit Beton verfüllt wird – bei Flugzeughallen und im Brückenbau war diese Bauweise 1922 bereits Usus. So konnte in Leichtbauweise die Parabel von 15 m Breite und 17,50 m Scheitelhöhe errichtet werden. Das eckige Äußere und runde Innere sollen die „beiden Seiten der Wirklichkeit“ aufweisen, so steht es in einem kleinen Kirchenführer, den die Gemeinde herausgegeben hat. Das Innere spiegele die „unsichtbare, geglaubte Wirklichkeit“ wider, Die Außenseite die Alltags- und Arbeitswelt.
Anlehnung an den Bergbau in der Region
Auch hier assoziiert Alfred Fischer die Bergwerkwelt: Der Turm gleicht dem Kesselhaus auf Victor 3/4.
Alfred Fischer (1881-1950) war Leiter der Essener Folkwangschule. Er baute etliche Industriebauten im Ruhrgebiet, etwa das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen oder das Pumpwerk Alte Emscher. Die Ickerner Kirche ist sein einziger Kirchenbau. Von Alfred Fischer stammt der Satz: „Ein Gottesleugner wird kein Gotteshaus bauen können, dessen Andachtsraum die Nähe Gottes spürbar macht.“
Zeitgleich mit St. Antonius wurde die Marktschule in Ickern errichtet. Nicht abschließend geklärt ist, ob die Schule insgesamt von Alfred Fischer geplant oder nur die Fassaden von ihm überarbeitet wurden. Baubeginn war 1921. Auch die in den letzten Jahren errichteten Häuser der Familie Heier lehnen sich stilistisch an das Ensemble aus den 20er Jahren an. Architekt dieser Symbiose war Meinolf Schnettler.
10:06
Es ist überall besser als in Castrop Rauxel!Wenigstens stinkt die fiese Zeche Erin nicht
mehr bis zu uns nach Gerthe herüber!Macht einen Zaun oder eine große,hohe Mauer um euer kleines
Kuhdorf und werdet glücklich :-) !
Oktavia,was für ein reizvoller Name!?
05:14
wenn es zum Wegrennen ist, dann hau doch ab
wie waers z.B. mit Sibirien, da gibts sicherlich kein Glockengelaeut ...
12:56
So ist sie halt die katholische Kirche,da haben Sie schon Recht lieber Astrafahrer!
14:44
Diese Kirche ist mir immer ein Dorn im Auge. Potthässlich wie eine Trutzburg und ein Geläut dass einem jedes Mal fast das Herz stehen bleibt und immer eiskalt den Rücken hinabläuft auch wenn man zwei Kilometer entfernt ist. Mag ja gut möglich sein dass die Parabelform im Innern eine Besonderheit darstellt aber die äußere Architektur und das Glockengeläut dieser Kirche sind einfach nur furchteinflößend und zum wegrennen