Der Macke auf der Spur
18.06.2010 | 16:12 Uhr 2010-06-18T16:12:00+0200
Castrop-Rauxel. Mit „alle Mann“ ging es gestern raus aus dem Gerichtssaal und hinaus auf den Parkplatz: Dort begutachteten Strafrichter, zwei Angeklagte, zwei Anwälte, eine Zeugin und der Staatsanwalt die Tür eines Kleinwagens – auf der Suche nach einer Macke.
Die soll Ende September letzten Jahres auf dem Parkplatz eines Ickerner Supermarktes entstanden sein, verursacht durch das Fahrzeug eines Ehepaars. Die beiden sollen ihren Wagen vor dem Discounter abgestellt haben. Als die Frau nach dem Einkaufen einsteigen wollte, sei sie mit der Tür ihres Autos gegen die eines parkenden Fahrzeugs gestoßen. Gegenüber der Beschädigten habe das Paar den Unfall bestritten und sei einfach davon gefahren, warf die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten Unfallflucht vor.
Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt erklären, er wolle sich zu dem Vorfall nicht äußern.
Seine Gattin, auch mit Verteidiger an der Seite, hingegen schilderte die Situation: Es habe beim Einsteigen einen kleinen Kontakt der Türen gegeben, dabei sei jedoch kein Schaden entstanden. Sie sei von sich aus aus dem Auto ausgestiegen, habe sich kurz mit der Geschädigten unterhalten, diese habe sie weder um ihren Namen noch um ihre Adresse gebeten. Die Zeugin, die zum Zeitpunkt der Kollision in ihrem Auto saß, aber erklärte, die Angeklagte habe sie lediglich angegrinst, sei nicht ausgestiegen. Ihr Mann, der später hinzu gekommen sei, sei gar laut geworden. Die Eheleute seien schließlich weggefahren.
Von der Macke war nun gestern nichts mehr zu sehen. Der Richter stellte das Verfahren ein. Die Angeklagten müssen ihre Kosten selbst tragen.
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