Der Job-Club für eine Generation in den besten Jahren
09.09.2009 | 13:14 Uhr 2009-09-09T13:14:00+0200
Castrop-Rauxel. Dass die Zahl der über-50-jährigen Arbeitslosen wächst, hat man bei den Vermittlungsagenturen längst festgestellt. 2005 starteten die Arbeitsagenturen des Ruhrgebiets deshalb die Initiative: „Best Ager." Nun gibt es eine neue Filiale für Castrop-Rauxel, Waltrop und Datteln.
„Man kann nicht einfach eine ganze Generation rauskegeln”, sagt Ulrich Kupke, Sprecher der Vestischen Arbeit. Er meint: Menschen, die über 50 Jahre alt sind. Die jahrzehntelang gearbeitet haben und bei „Restrukturierungsmaßnahmen” ihres Betriebes auf der Strecke bleiben. Um festzustellen: Ab Jahrgang 1969 abwärts hat man auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance.
Dass die Zahl der über-50-jährigen Arbeitslosen wächst, hat man bei den Vermittlungsagenturen längst festgestellt. Bislang teilte etwa die Vestische Arbeit ihre – wie man inzwischen sagt – Kunden in drei Kategorien: Unter 25-Jährige, allein Erziehende und „der Rest”, so Kupke. Gerade die Generation „50plus” brauche aber eine gesonderte Betreuung. Im Jahr 2005 starteten die Arbeitsagenturen des Ruhrgebiets eine Initiative: „Best Ager. Der Beschäftigungspakt für Ältere im Revier.”
Fünf Mitarbeter betreuen 2447 "Best Ager"
Im Juli eröffnete eine „Best Ager”-Filiale an der Pallasstraße für Castrop-Rauxel, Waltrop und Datteln. Fünf Mitarbeiter beraten und vermitteln dort 2447 Personen zwischen 50 und 64 Jahren.
Eine ihrer ersten Kunden ist die Industriekauffrau Marita Bloch, inzwischen 51 Jahre alt. In den letzten Jahren schlug sie sich mit stets verlängerten Zeitverträgen durch, seit 16 Monaten ist sie nun zu Hause. „Alle Bewerbungen kommen wieder zurück”, sagt sie. Ihr erstes Vorstellungsgespräch vermittelte ihr Personalscout Horst Süß. „Ich war hinterher total aufgedreht”, sagt Marita Bloch und fuhr nach dem Gespräch im Job-Club vorbei. „Das hier ist was anderes, als ein Arbeitsamt.” Dass man sich persönlich kenne, nicht auf dem Flur warten müsse, man Gleichgesinnte treffe.
„Man muss die Arbeitslosen erst einmal aus ihrer Isolation holen”, sagt Beraterin Susanne Mrogenda. Dies gelingt den „Best Ager”-Beratern mit auf den ersten Blick simplen – gratis – Kursangeboten: Computerkurs für Anfänger. Wirbelsäulengymnastik. Farb- und Stilberatung. „Wir sind kein Gegenentwurf zur Volkshochschule”, erklärt Projektleiterin Grusche Schönfelder.
Die Firmen werden gefördert
Dass ein älterer Arbeitnehmer vielleicht die bessere Alternative ist – diese Einstellung gibt es in den wenigsten Unternehmen. Dabei passt manchmal ein ruhiger, erfahrener Angestellter besser ins Team. Vermittler Horst Süß lockt mit den „Instrumenten” der Arbeitsagenturen, Vermittlungsgutscheinen etwa oder Förderungen. Bis zu 75 Prozent des Bruttolohnes können Firmen erhalten, wenn sie einen „Best Ager” einstellen.
„Ich glaube, wenn ich einem Firmenchef gegenübersitze, könnte ich ihn schon überzeugen”, sagt Heinz Schmidt*. „Aber da muss man erst hinkommen.” Seit dreieinhalb Jahren schreibt der 57-jährige Bewerbungen. „Aber aufgeben will ich nicht.” Heinz Schmidt ist ein klassischer Fall: Treu arbeitet er in einer Immobilienverwaltung, bis die Firma verkleinert wurde. Seitdem wurde er zu keinem Vorstellungsgespräch eingeladen. „Die sehen mein Geburtsjahr, und schon bin ich aussortiert.”
Job-Club soll bis Ende 2010 arbeiten
Bis Ende 2010 soll der „Job-Club” an der Pallasstraße arbeiten. Eine kurze Perspektive für einen relativ hohen Aufwand. „Es gibt gute Signale, dass unsere Arbeit fortgeführt wird”, sagt Grusche Schönfelder. Abhängig sei dies von den Erfolgen des Clubs für „Menschen im besten Alter”. Bis dahin strebt die Filiale 105 Vermittlungen an und 678 „Aktivierungen”.
Empfangen werden sie übrigens von Olesja Kasnatschenko, blond, nett, 28 Jahre jung. Wahrscheinlich eine Frau in dem noch besseren Alter.
* Name geändert
21:47
Arbeitslose über fünfzig möchten einen festen Job bei fairer Bezahlung und keinen Job - Club. Sie haben ja schon zumeist `` besten Ärger `` und können gut auf ´´ Best Ager `` verzichten.
17:00
War soeben beim Seminar Gedanken und ihre Wirkungen. Das gibt es nur, damit man nicht in der Statistik steht, den Kram.
16:20
Auch Best Ager, Job Clubs und ähnlicher Schwachsinn können nicht über die eklatante Inkompetenz dieser merkwürdigen Organisation hinwegtäuschen. Agenten? Interessenvertreter? Mag sein, daß sie das sind. Fragt sich nur, wessen Interessen sie vertreten. Die der Arbeitnehmer sind es nach meinen Erfahrungen auf gar keinen Fall.
15:38
Ab 50 Jahren hat man keine Chance mehr eine Arbeit zu bekommen. Aber laut Herrn Steinmeier (gestern) ist es ja wichtig, dass man bis 67 Jahre arbeiten geht. Dann soll er mal den Firmen klar machen, dass nicht die älteren Mitarbeiter entlassen werden. Aber die Firmen wollen lieber junge Mitarbeiter mit der Erfahrung eines 50jährigen und das Gehalt eines Lehrlings. So sieht es in meinen Augen bei den Firmen aus.