Das sind die Pläne für besseren Hochwasserschutz

Sommerzeit, Gewitterzeit: Die Anwohner rund um die Christinenstraße in Castrop-Rauxel leben in ständiger Sorge vor Unwettern mit Starkregen. In der Vergangenheit sind schon mehrfach Keller und Wohnungen mit Wasser vollgelaufen. Welche Pläne die Stadt jetzt für den Hochwasserschutz umsetzen will, besprachen am Donnerstag Anlieger, Politiker und der EUV Stadtbetrieb.

Obercastrop.. Auf Initiative von SPD-Ratsmitglied Udo Behrenspöhler trafen sich sechs Anwohner an der Oberen Christinenstraße, um über konkrete Lösungen und Ansätze zu sprechen. Mit dabei: Michaela Ringelkamp und Michael Werner vom EUV Stadtbetrieb.

Zusammen mit den Anwohnern gingen sie vom Kirchfeld oberhalb der letzten Bebauungen über die Christinenstraße bis hinunter zur Abbiegung Elisabethstraße. Dabei nahmen sich Ringelkamp und Werner Zeit, um die sich die Sorgen der Anwohner anzuhören, und hatten sogar konkrete Maßnahmen im Gepäck.

Querrinne soll noch in diesem Jahr kommen

So soll noch in diesem Jahr eine Querrinne gebaut werden, die das Oberflächenwasser abfangen soll. Geplant ist die Baumaßnahme kurz hinter den letzten Häusern an der oberen Christinenstraße. "Es wird auch ein kleiner Wall errichtet, der die Fließgeschwindigkeit des Wasser verringert, damit es in der Querrinne besser ablaufen kann", erklärt Ringelkamp.

Auch im südlichen Bereich des Kirchfeldes soll eine solche Rinne gebaut werden, allerdings diagonal. Das viel größere Problem: Das Wasser soll auf eine Fläche abgeleitet werden, die der Stadt nicht gehört. "Diese Problematik gibt es bei der nördlichen Rinne nicht, deswegen können wir das sofort anpacken", so Ringelkamp. Erst wenn mit den Eigentümern der Fläche gesprochen sei, könne die zweite Rinne gebaut werden. Die Wiesen befinden sich laut EUV im Besitz des Regionalverbandes Ruhr und einer privaten Hand.

Anwohner weiter skeptisch

Ob diese Maßnahmen zum gewünschten Erfolg, nämlich einer geringeren Hochwassergefahr für die Anwohner führt, ist unklar. Willi Kückelmann jedenfalls bleibt skeptisch: "Es ist gut, dass sich der EUV so viel Zeit nimmt und Ideen entwickelt. Es bleibt das Problem Elisabethstraße."

Die Kreuzung Elisabethstraße/Christinenstraße ist Kückelmann ein Dorn im Auge, zumindest wenn es stark regnet. Sein Mehrfamilienhaus liegt direkt an dieser Kreuzung - und damit mitten im Hochwassergebiet. "Hier treffen die beiden ‚Bäche‘ zusammen", sagt Kückelmann. Die Folgen sind für den gesamten Ortsteil dramatisch. Inwieweit der EUV mit Maßnahmen die Wassermassen abfangen kann, bleibt zu klären. Ringelkamp: "Die Kanalisation könnte es aufnehmen, aber das Wasser fließt wegen der großen Neigung zu schnell und über die Schächte hinweg."


Außerdem müsse man die Maßnahmen so umsetzen, dass der ÖPNV-Verkehr dort nicht weiter gestört werde, ergänzt EUV-Vorstand Werner, der Anwohner Kückelmann lobt: "Sie haben kleine Erhöhungen vor die Kellerfenster gebaut. Das ist eine erste Maßnahme."

Weitere Wälle gegen das Wasser könnten eine Lösung darstellen, doch da ist Kückelmann skeptisch: "Wir haben die Elisabethschule anliegend. Wenn Kinder auf der Mauer balancieren und dann stürzen..." Es bleiben also, trotz des offenen Dialogs, viele Fragen zu klären. Zu befürchten ist, dass das nächste Hochwasser schneller ist.


Bei Sturm Ela 2014 wurde aus der Christinenstraße ein reißender Bach, der sich mit den Wassermassen anderer Straßen an der Elisabethstraße verband. Von dort aus floß das Wasser über die Born- und Cottenburg Straße bis hinunter zum Stadtpark. Die Anwohner Obercastrops fordern nicht erst seitdem Lösungen für die Hochwasser-Problematik. Es braucht indes nicht ein Jahrhundertereignis wie Sturm Ela, um Keller und Gärten zu verwüsten. Die Topografie des Stadtteils mit stark abfallenden Straßen sorgt für hohe Fließgeschwindigkeiten.

In unserer interaktiven Karte ist die Höhensituation in Castrop-Rauxel dargestellt, ebenso wie die Stellen an der Christinenstraße, an denen die geplanten Rinnen entstehen sollen.