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Das Juwel vom Juwelier

14.04.2010 | 16:28 Uhr
Das Juwel vom Juwelier

Castrop-Rauxel. Matthias Zimmer baute das Wohn- und Geschäftshaus Am Markt 12 denkmalgerecht zu Luxuswohnungen um. Motto: Den Charme von 1910 draußen, den Standard von 2010 innen.

Noch liegt das Papierschild im Wandschrank. „Bitte keine Fahrräder im Treppenhaus abstellen“, gezeichnet „Frau Brink“. Den Zettel hat die einstige Besitzerin des Gründerzeithauses selbst geschrieben, und der neue Besitzer, Matthias Zimmer, will ihn wieder aufhängen. „So etwas kann ich nicht wegwerfen. So etwas muss man erhalten und zurückführen.“

Diese kleine Idee führte der Castroper Uhrmachermeister im Großen fort. Den Charme von 1910 draußen, den Standard von 2010 innen, so lautete Zimmers Grundgedanke, als er vor zwei Jahren eines der schönsten Häuser am Castroper Markt kaufte und aufwendig sanieren ließ. Es ist das Haus Am Markt 12, mit der auffällig gegliederten Sandsteinfassade; links die Sparkasse, unten drin das Modegeschäft Borgerding. Nur ein Eckhaus ist es nicht, obwohl es auf den ersten Blick so aussieht.

Der Juwelier hat sich ein Juwel gesichert. Natürlich: Man hätte die Wohnungen in dieser Lage gut vermieten können, er entschied sich aber für eine „denkmalgerechte Restaurierung“. „Das ist kein Rendite-Objekt“, sagt Matthias Zimmer und angesichts der Detailliebe glaubt man dies sofort. Über die Kosten des Umbaus schweigt er. Nur dass er, wenn seine drei Söhne einmal ausgezogen sind, selbst dort einziehen könnte, lässt sich Zimmer entlocken.

Zurzeit sind zwei der drei Wohnungen vermietet, eine mit 120 qm steht noch leer. Gründerzeitwohnungen sind heute – umfangreich saniert – gefragt. Die hohen Decken mit nachgearbeiteten Stuckverzierungen, gläserne Art-Déco-Türen, Fensterfronten mit Holzsprossenfenstern prägen die großen Räume. Selbst die Lichtschalter von anno dazumal sind teilweise erhalten.

Zimmer ließ die Eingangsfront aus alter Tür und Glasbausteinen entfernen, dort glänzt nun eine neue alte Tür, „billig im Internet gekauft und für viel Geld aufgearbeitet“. Der Hausflur ist geteilt, denn dort wurde ein Aufzug integriert. Das Treppenhaus, zwischenzeitlich in Grün- und Brauntönen gehalten, besticht nun durch helle Töne. Die historischen Fliesen wurden mit modernen gemischt. Voluten am Holzgeländer und herrlich eingefasste Holztüren sind ein Hingucker. Nachts lässt Zimmer das Haus anstrahlen. Noch schöner als für Angucker ist der Blick für Rausgucker: Denn sie genießen ein Panorama weit über den Marktplatz hinaus.

Susanne Schild

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Kommentare
16.04.2010
19:32
Das Juwel vom Juwelier
von benny vom harlekin | #2

schön, daß mal jemand eine immobilie in der innenstadt nicht in erster linie als schnäppchen oder reines renditeobjekt sieht, sondern mit dieser aufwändigen und geschmackvollen echten restaurierung in einklang mit den historischen vorgaben auf eigene kosten angenehme fakten geschaffen hat.

hier ist eine echte aufwertung des marktplatzes mit dem ensemble der häuser gleichen stils erfolgt, an der sich jeder nicht ganz tumbe besucher erfreuen wird.

aber es ist noch mehr geschehen:

so zollt man heute - wieder - den erbauern anerkennung für ihre leistung bei der wahl eines für damalige verhältnisse technisch äußerst bemerkenswerten baustils.

so zollt man den erbauern gleichzeitig anerkennung für ihre leistung in ihrer und unserer damaligen bürgerlichen gemeinschaft.

und so gibt man den bei der wechselvollen geschichte des hauses geschädigten posthum zumindest einen kleinen teil ihrer würde zurück, ohne große worte zu machen.

vielen dank dafür, herr zimmer.

15.04.2010
07:52
Das Juwel vom Juwelier
von Sascha Holland | #1

Schön, dass es noch Menschen gibt, die die Ästhetik und Erhaltungswürdigkeit solcher Gebäude zu schätzen wissen. Die Catroper danken es Ihnen, Herr Zimmer!

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