Damit der Alltag wieder leichter wird
02.08.2010 | 15:08 Uhr 2010-08-02T15:08:00+0200
Castrop-Rauxel.44 Jahre wohnen Gertrud und Friedrich Kirchhoff schon in ihrer Wohnung an der Denrodtstraße. Und dort möchten sie auch bleiben – solange es eben geht. Ein paar Umbauarbeiten waren dafür bereits nötig.
Bis vor einiger Zeit ging es bestens, dann fiel dem 77-jährigen Friedrich Kirchhoff das Gehen zunehmend schwerer. Bald schaffte er es nicht mehr, den Einstieg in die Dusche zu überwinden.
Glücklicherweise hörte Gertrud Kirchhoff in dieser Situation von der Wohnraumberatung des Vereins Lebenshilfe Waltrop. Zuständig für Castrop-Rauxel ist dort Monika Seidlitz. Sie weiß genau, wo sich in Wohnungen Stolperfallen und Hürden für Senioren und Behinderte auftun, und sie hat jede Menge Vorschläge, um diese Barrieren zu beseitigen.
Monika Seidlitz kommt ins Haus – ein für die Ratsuchenden kostenloser Service, den der Kreis Recklinghausen finanziert. Gemeinsam sucht man nach Lösungen, die den alten oder behinderten Menschen auch in Zukunft ein selbstständiges Leben ermöglichen.
Manchmal helfen schon Kleinigkeiten, um die Wohnung sicher, praktisch und bequem umzugestalten: Haltegriffe im Toilettenbereich, ein erhöhter WC-Sitzt oder ein Stuhl für die Dusche. Wenn das Treppensteigen zunehmend beschwerlich wird, hilft in vielen Fällen ein zweiter Handlauf. Wer auf einen Rollator angewiesen ist, braucht oft nur einfache Rampen, um wenige Stufen zu überwinden.
In anderen Fällen, so wie bei Gertrud und Friedrich Kirchhoff, helfen nur noch Umbaumaßnahmen. Die Tür zum Badezimmer musste vergrößert, das Bad umgestaltet werden. Ein bisschen größer ist es jetzt, weil eine Abtrennung zur Küche mit einbezogen werden konnte. Die Mauer der Dusche ist verschwunden, ebenso die Duschtasse. Eben-erdig ist die Dusche jetzt, ein spezieller Stuhl erleichtert den Senioren die Körperpflege.
Für den behindertengerechten Umbau gab es einen Zuschuss von der Pflegekasse. Wer eine Pflegeeinstufung hat, bekommt für „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ maximal 2557 Euro. Das weiß längst nicht jeder, der Anspruch darauf hätte. Auch deshalb ist Monika Seidlitz’ Beratung so wichtig. Sie holt auch Kostenvoranschläge ein, hilft bei den Anträgen an Pflege- und Krankenkasse, kümmert sich um Zustimmung des Vermieters, vereinbart Termine mit den Handwerkern. Für viele Menschen in dieser Lebensphase ist sie schon zur unentbehrlichen Helferin geworden.
Gemeinsam mit Gertrud Kirchhoff überlegt sie schon jetzt, was in Zukunft nötig sein könnte, um dem gebehinderten und inzwischen auch demenzkranken Ehemann möglichst lange ein Leben in seiner verrauten Umgebung zu ermöglichen. Das Schlafzimmer ist schon in einen größeren Raum in der Wohnung verlegt worden, damit er sich dort auch mit Gehhilfe bewegen kann, bald wird eine Rampe nötig sein, damit er auf den Balkon gehen kann. Noch schafft Friedrich Kirchhoff den Weg in die Wohnung im 1. Stock. Wenn das nicht mehr geht, „dann gibt es immer noch ein Scala-Mobil, mit dem der Patient ohne Kraftanstrengung Treppen hinauf und hinunter befördert werden kann“, sagt Monika Seidlitz.
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