Da steigt der Puls
29.01.2008 | 01:43 Uhr 2008-01-29T01:43:05+0100Die neuen und oft viel höheren Zuzahlungen zu Medikamenten sorgen bei Patienten für großen Ärger.Apotheker und Ärzte sind ständig damit beschäftigt, die Neuerungen zu erklären
"Das finde ich eine absolute Abzocke. Ich komme gerade vom Arzt und aus der Apotheke und soll jetzt für das Blutdruck senkende Mittel Nedilet 20 Euro zuzahlen, anstatt wie bisher fünf Euro", ärgert sich der Castrop-Rauxeler Rohde. Für seine Frau wollte er wie immer das Mittel besorgen, doch plötzlich dieser Preisanstieg bei der Zuzahlung. Er wollte dann lieber ein preiswerteres Mittel mit gleichen Wirkstoffen kaufen, aber das sei noch nicht auf dem Markt, sagte der Apotheker.
Gesundheitsreform - kein Ende und kein Durchblick. Tatsächlich hat sich mal wieder einiges geändert. Eine nächste Stufe der Gesundheitsreform, von der keiner etwas erfahren hat? "Nein, es sind ja keine wirklichen Reformen, es wird immer mal wieder einiges auf die bestehenden Regelungen aufgepfropft", erklärt der Castrop-Rauxeler Apothekensprecher Claus Ehrensberger.
Und das war am 1. Januar 2008 der Fall. Tatsächlich gebe es jetzt viele Medikamente, bei denen die Zuzahlung erheblich höher ausfällt als bisher. Denn die Krankenkassen hätten zum Ende 2007 beschlossen, die Festbeträge zu ändern. "Der Festbetrag ist das Geld, das die Kasse höchstens bereit ist, für ein Medikament pro Packung dazu zu geben - immer auf den Wirkstoff bezogen", schildert der Apothekensprecher. Konkret heißt das, bisher waren die Kassen bereit, bei Nedilet 70 Euro dazu zu bezahlen, jetzt finanzieren sie genau noch die Hälfte, nämlich 35 Euro. "Manche Hersteller haben daraufhin den Preis für Medikamente gesenkt, weil sie ansonsten kaum noch zu verkaufen wären." Es könne aber tatsächlich sein, dass es für gewisse Medikamente noch keine Generika gibt. Generika sind die Medikamente, deren Wirkstoffe gleich sind mit dem Original, die aber deutlich preiswerter sind. Die dürfen nur dann am Markt angeboten werden, wenn das Patent für das Original abgelaufen ist. Ehrensberger weist aber auch darauf hin, dass die Versicherten in den letzten Jahren um einige 100 Mio Euro entlastet worden sind, weil Medikamente aus der Zuzahlungspflicht heraus fielen. Der Vorsitzende des Ärztevereins, Michael Greef, kann sich mit seiner Kritik an der Gesundheitsreform kaum zurückhalten. "Es gibt mittlerweile über 8000 Rabattverträge zwischen Krankenkassen und Pharmafirmen. Vor allem ältere Patienten haben oft Mühe, auseinander zu halten, wann sie welches Präparat nehmen müssen."
Die preiswerteren Mittel seien anders verpackt, hätten eine andere Farbe und andere Formen. "Das Ganze schafft ein Wirrwarr und ein Durcheinander, das für die Patienten absolut nicht von Vorteil ist. Und daran sind weder die Apotheker, noch die Ärzte schuld. Das liegt allein an der Bundesregierung", sagt Michael Greef. Sowohl Ärzte als auch Apotheker müssten ständig über Probleme reden, die diese beiden Gruppen nicht zu verantworten hätten.
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