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Landtagswahl

Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer

09.03.2010 | 22:12 Uhr
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer

Castrop-Rauxel. Ein Ehepaar ist 30 Jahre als Wahlhelfer im Einsatz. Am 9. Mai sind sie verhindert und müssen nun „beweisen” warum. Helga und Hans-Michael Schmidt sind empört -die Absage hätte reichen müssen, finden sie.

Viel Lob gibt es – vom Bundespräsidenten bis zum Bürgermeister – für Mitbürger, die ihre Freizeit ehrenamtlicher Arbeit opfern. Ehrenamtspreise gibt es, Medaillen, Würdigungen und das zu Recht, weil ein Teil des Staatsbetriebes, ein weiter Teil des gesellschaftlichen Lebens schlicht zusammenbrechen würden, wenn es Menschen mit ausgeprägtem Gemeinsinn nicht gäbe.

Wahlen etwa sind so eine Veranstaltung, die ohne die vielen freiwilligen Helfer nicht über die Bühne zu bringen wären. Das Amt des Wahlhelfers ist ein Ehrenamt, eines, das man übrigens nicht so einfach ablehnen kann. Das wissen auch Helga und Hans-Michael Schmidt, die seit 30 Jahren ehrenamtlich Wahllisten führen, Stimmzettel ausgeben und schließlich die abgegebenen Stimmen zählen. „Wir tun das auch gerne”, sagt Helga Schmidt, die bei der jüngsten Wahl sogar als Wahlleiterin fungierte. Besser: sie taten es gerne, denn nun ist das Ehepaar doch „stark verärgert”. Schuld ist die Post aus dem Rathaus, die die beiden im Vorfeld der Landtagswahl am 9. Mai erreichte.

Familienfeier am Tag der Landtagswahl

Sie haben das Wahlamt nämlich wissen lassen, dass an dem Tag ein wichtiger familiärer Termin ansteht und sie deshalb diesmal als Wahlhelfer nicht zur Verfügung stehen. Dumm nur: bei einer Abfrage des Wahlamtes im vorigen Jahr hatte sich das Ehepaar noch bereit erklärt, auch bei künftigen Wahlen als Helfer zur Verfügung zu stehen. „Damals haben wir doch nicht daran gedacht, dass die Familienfeier am Tag der Landtagswahl ist”, entschuldigt sich Helga Schmidt.

„Damit ich Sie aufgrund Ihrer Absage aus der Wahlhelferliste streichen kann, brauche ich eine schriftliche Bestätigung in Form einer Einladung oder ähnlichem, dass Sie aufgrund einer Familienfeier das Wahlehrenamt nicht annehmen können”, heißt es nun in dem Schreiben aus dem Rathaus. Und: „Bis zum Erhalt dieser Bestätigung bin ich allerdings dazu verpflichtet, Sie und Ihren Mann in der Wahlhelferliste beizubehalten, da man einen wichtigen Grund angeben und beweisen muss, um ein Wahlehrenamt abzulehnen.” Beweisen? – nach verständlicher Meinung der Schmidts hätte in der Situation eine Absage eigentlich reichen sollen.

Die Stadt verweist auf die Gemeindeordnung

Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi sagt im Namen der Stadt: „Wir sind sehr froh und dankbar, dass die Eheleute das schon so lange machen. Wir haben auch Verständnis für die Verärgerung, aber wir müssen doch jeden gleich behandeln.” Sie verteidigt das zackige Schreiben und verweist auf die Gemeindeordnung. In Paragraf 28 ist dort Verpflichtung „zu einer nebenberuflichen vorübergehenden Tätigkeit für die Gemeinde” vorgegeben, bei den Ablehnungsgründen einen Passus später ist allerdings von angeblich erforderlichen „Beweisen” keine Rede.

Für Helga und Hans-Michael Schmidt jedenfalls steht fest: „So verprellt man doch die Leute. Wir wollen doch nur vernünftig behandelt werden.”

Thomas Wrycza

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Kommentare
08.06.2010
11:14
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von gilmen | #22

Wenn ich so ein Schreiben erhalte - als normale Briefsendung, habe ich das nie erhalten. Sollen mir mal das Gegenteil beweisen. Einfach ignorieren.

10.03.2010
21:10
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von Konny war gut drauf | #21

Da gibt es noch so einen tollen Spruch voller Lebensweisheit vom Alten der gut zu diesen Beiträgen passt:
Alle Menschen leben unter dem gleichen Himmel,
aber nicht alle haben den gleichen Horizont.....

10.03.2010
20:57
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von Conny A. | #20

# 14
Das hat der liebe Gott nicht gut gemacht....
Allen Dingen hat er Grenzen gesetzt,
nur nicht der Dummheit.....
Konrad Adenauer

10.03.2010
18:07
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von Lolli Popper | #19

Hallo, Ws2010, sind Sie neu hier? Wenn nicht, sollten Sie wissen, das Motto dieser Zeitung ist: Schlagt den Bürgermeister und seine Lakaien von der Verwaltung, wo ihr sie trefft.
Und dann macht dieser Artikel doch auch wieder Sinn, finden Sie nicht auch?

10.03.2010
13:54
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von ws2010 | #18

Dieser Artikel und auch die Reaktionen hier verwundern mich schon, denn was ist hier abgelaufen:
1. Bürger lehnt Ehrenamt ab.
2. Stadt verlangt einen Beleg für den Grund der Ablehnung.
3. Bürger läuft zur Presse und macht eine unheimlichen Aufstand.
Hierzu möchte ich anmerkten, dass eine solche Vorgehensweise nicht als vernünftig und angemessen betrachtet werden kann. Wenn jeder Bürger so auf Anfragen von Beamten oder anderen Dienstleistern reagieren würde, dann hätte der Castroper Ortsteil in der WAZ bald die Ausmaße der Wochenendausgabe. In diesem Fall hätten die Schmidts doch in erster Linie zu erst mit der Stadtverwaltung kommunizieren müssen.

Oder liegt hier ein Fall von Schelbstüberschätzung oder besser übertriebene Wichtignahme der eigenen Person vor?
Sind die Schmids so wichtig, unfehlbar, so glorreich und solche Lichtgestalten, dass ihre Angaben ohne Prüfung und ohne Belege hinzunehmen sind? Anscheinend ja.
In diesem Zusammenhang ist Kommentar #3 ein weiterer, interessanter Punkt. Demnach handelt es sich hier doch um die Eltern eines Ratsmitgliedes. Also um enorm wichtige Persönlichkeiten. Und nun ist da dieser kleine Beamte, der es sich wagt von derart wichtigen Leuten einen Beleg für ihre Angaben zu verlangen. Welch Frevel, das grenzt ja schon an Blassfemie. Man sollte diesen kleinen Beamten doch Teeren und Federn oder gleich vierteilen.
Nein im Ernst, was hier abgeht sieht für mich nach einer gezielten politischen Provokation aus. Ist es etwa so, dass hier ein Hinterbänkler versucht sich mit Hilfe seiner Eltern ins Rampenlicht zu drängen? Und dabei eine allgemeine negative Einstellung der Bevölkerung gegenüber den staatlichen Organen für seine Zwecke nutzt?

Meiner Meinung nach hat sich der kleine Beamte in diesem Fall vollkommen richtig verhalten, indem er von den Eheleuten Schmidt-Wichtig, wie von jedem anderen Bürger auch, einen Beleg für ihre Angaben verlangte. Auch hat er ihnen damit sogar einen großen Gefallen getan. Denn in Zeiten, in denen Politiker schnell in der Verruf der Vorteilnahme kommen, weil sie auf Grund ihrer Wichtigkeit bestimmet Vorzüge in Anspruch nehmen, dient die gewissenhafte Prüfung der Angaben solcher Leute schließlich auch zu deren eigenem Schutz vor ungerechtfertigten Verdächtigungen. Diesen Beweis sind die Eheleute Schmidt-Wichtig bisher allerdings schuldig geblieben.

Nun noch drei Anmerkungen:
1. Ich bin weder Beamter noch im Staatsdienst tätig. Sondern nur Ottonormalverbraucher, der sich einfach nur ärgert, wenn manche Leute sich zu wichtig nehmen und Kommunikation ablehnen.
2. Die Wahrnehmung eines Ehrenamtes halte ich für eine wichtige und ehrenvolle Aufgabe, für deren langjährige Ausübung den Eheleuten unser Dank gebührt.
3. Meiner Meinung nach ist der Artikel über diesen Fall einfach nur schlecht recherchiert. Denn hier wird die vollkommen überzogene Reaktion der Eheleute Schmidt-Wichtig einseitig und reißerisch veröffentlicht. Von einer unparteilichen und unabhängigen Presse erwarte ich mehr Verantwortungsbewusstsein und Fingerspitzengefühl.

10.03.2010
11:29
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von Para Graf von Utz | #17

Artikel 1 dieses Paragraphen nennt doch ausdrücklich eine --vorübergehende-- Verpflichtung zur nebenberufliche Tätigkeit.
Wer definiert denn da, wann´s genug ist?
Abgesehen von Karlsruhe durfte sich wohl schon die erste Instanz eines Verwaltungsgerichtes zumindest irritiert über diesen Passus den Kopf kratzen.

10.03.2010
10:48
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von Michail A. Bakunin | #16

Lieber Friedhelm Markus, wie gut, dass Sie diese Bemerkung nachgeschoben haben. Denn da haben Sie völlig recht: Damit ist der Straftatbestand der Beleidigung sicherlich erfüllt.
Andererseits ist es natürlich auch gut, dass der Zensor hier eingegriffen hat. Besser wäre es hier gewesen, den Kommentar gänzlich zu löschen.
Zum Thema: Mich verwundert auch, dass jemand, der so schön die Vorschriften zitieren kann, wie ein Verwunderter dann die falschen Schlüsse zieht (leider gibt er seine Quelle nicht an). Unterstellt, das Zitat ist richtig wieder gegeben, dann MUSS jeder Bürger dieses Ehrenamt annehmen (§28,2). In §29 findet sich wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Und wollen wir wirklich diese Gründe nicht mehr begründet haben? Wo endet das? Ich konnte heute nicht arbeiten, weil, ich war krank? Ich kann den Termin bei der Arge nicht wahrnehmen, denn die Omma ist gestorben? Mein Kind kann am Sportunterricht nicht teilnehmen, weil, er hat Aua-Fuß? Jau! Ich bin ja gar nicht gefahren, als ich das Knöllchen bekam! Ätsch!
Also, ehrlich gesagt: Darauf freue ich mich. Irgendwie anarchisch, finden Sie nicht?

10.03.2010
10:33
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #15

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

10.03.2010
10:15
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

10.03.2010
09:35
Castroper Wahlamt verprellt ehrenamtliche Helfer
von Samtana | #13

Fazit: Schlechtes Benehmen - in der Verwaltung wie auch in vielen Kommentaren hier. Insofern bekommt am Ende der durchschnittliche Bürger/WAZ-Leser genau den Bürokraten, den er verdient. Eigentlich schade...

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