Castrop-Rauxelerin hilft syrischen Flüchtlingen

Einen Antrag bei einer deutschen Behörde auszufüllen, kann schon für Muttersprachler zu einer Herausforderung werden - für einen syrischen Flüchtling ohne Deutschkenntnisse ist das schlicht unmöglich. Hier kommt die Castrop-Rauxelerin Fatima Houari ins Spiel.

Castrop-rauxel.. Die 36-jährige Islamwissenschaftlerin und Historikerin Fatima Houari begleitet seit einigen Wochen syrische Flüchtlinge zu Behörden, dolmetscht für sie und hilft beim Ausfüllen von Anträgen. Houari ist "gebürtige und stolze Castrop-Rauxelerin", wie sie erzählt, aber sie hat marokkanische Wurzeln und spricht gut Arabisch. Dank ihres Studiums der Orientalistik und Islamwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum beherrscht sie nicht nur den marokkanischen Dialekt - der für Syrer ähnlich schwer zu verstehen sei wie Oberbayrisch für einen Westfalen - sondern auch Hocharabisch.

Drei Termine pro Woche

Nun begleitet sie im Zuge des Projekts "Stadtteilmütter" ehrenamtlich syrische Flüchtlinge. Bisher vor allem bei Behördengängen, aber demnächst sollen auch Arztbesuche oder Gespräche in Schulen oder Kindergärten dazu kommen. Durchschnittlich drei Termine pro Woche macht Houari mittlerweile.

Dabei erfährt sie viel über die Schicksale der Flüchtlinge. Schlimme Geschichten von Krieg, Flucht und Not. Aber auch von sozialem Abstieg, denn viele der Flüchtlinge seien sehr gebildet und in Syrien vor dem Krieg wohlhabend gewesen. Viele seien traumatisiert. "Sie sind wahnsinnig dankbar für jede Hilfe und freuen sich, wenn ich für sie dolmetsche.

Aber man merkt ihnen an, dass sie Schlimmes erlebt haben, gerade auch den Kindern", sagt Houari, selbst Mutter einer 14-jährigen Tochter. Die Schicksale nehmen sie mit, sagt sie, aber sie sei auch froh, wenn sie den Menschen zumindest helfen könne, sich im deutschen Bürokratie-Dschungel zurecht zu finden. Was sie besonders beeindruckt: "Die Hilfsbereitschaft der Flüchtlinge untereinander und ihre Bescheidenheit und Offenheit."

Positive Erlebnisse

Positiv überrascht sei sie von den Behörden in Castrop-Rauxel: "Die sind super nett und hilfsbereit. Ich habe von Fällen gehört, zum Beispiel aus Dresden, in denen Flüchtlinge regelrecht schikaniert worden sind." Eine Flüchtlingsfamilie ziehe deshalb in Kürze von Dresden nach Castrop-Rauxel.

Wie es in Syrien weitergeht, kann man nicht sagen. Fatima Houari jedenfalls will auch in Zukunft für die Flüchtlinge da sein und für sie dolmetschen. "Vor dem ersten Einsatz war mir noch echt mulmig zumute", sagt sie lächelnd. Und erlebte dann unverhofft eine freudige Überraschung: Hinter dem Schreibtisch in der Behörde saß eine alte Freundin, die sie vor langer Zeit aus den Augen verloren hatte und seit Jahren wiederzufinden versucht hat.