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10.02.2012 | 18:37 Uhr
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Gefangen in der Warteschleife: Auch in Castrop kann das passieren. WAZ-Bild: Martin Möller am 15.08.2008

Castrop-Rauxel.Schluss mit der Abzocke! So sprach der Bundeswirtschaftsminister jetzt und verabschiedete mitsamt der Bundesregierung ein Gesetz gegen teure Warteschleifen. Ab 2013 darf kein Anbieter mehr von seinen Kunden dickes Geld einstreichen, nur weil sie in der Warteschleife gefangen sind. Wer in Castrop wo und für wie viel Geld wartet? Eine Bestandsaufnahme.

Wer bei der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel eine ganz normale telefonische Auskunft einholen möchte, der landet über die Telefonvermittlung erstmal in der: Warteschleife. Die ist aber weder besonders teuer, noch wartet man besonders lange, erklärt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann. „Wer bei uns anruft, zahlt ganz normal den Ortstarif.“ Gezahlt werde für die Zeit, die man warte. Das gilt auch für den tierärztlichen Notdienst, den zahnärztlichen Notdienst und die Telefonseelsorge. Eine Ausnahme bildet der ärztliche Bereitschaftsdienst. Hier muss eine 0180er Nummer angewählt werden. „Die kostet den Anrufer 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz und 42 Cent pro Minute vom Mobiltelefon“, erklärt Hilleringmann. Und was bekommen die Anrufer in der Warteschleife zu hören? „Angenehme, sanfte Warteschleifenmusik.“

Wer die Kundenrufnummer des Arbeitsamtes in Castrop-Rauxel anruft und in der Warteschleife landet, der wird zur Kasse gebeten. Der Anruf kostet nämlich 3,9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz und 42 Cent pro Minute vom Mobiltelefon. „Aber das haben wir uns nicht selbst ausgedacht“, sagt Pressesprecherin Cordula Cebulla. „Das schreibt uns der Gesetzgeber so vor.“ Der Gesetzgeber hat auch ausgerechnet, wie viel Zeit ein Kunde der Agentur für Arbeit durchschnittlich in der Warteschleife verbringt, nämlich eine Minute und 22 Sekunden pro Anruf. „In Stoßzeiten kann es natürlich schon mal länger dauern“, räumt Claudia Cebulla ein. Jedenfalls bekämen die Anrufer dann keine Popmusik zu hören, sondern „ganz normale Warteschleifenmusik“.

Hier zahlt der Anrufer für seinen Aufenthalt in der Warteschleife den ganz normalen Ortstarif. „Und man wartet bei uns normalerweise auch nicht so lange - denn im Krankenhaus muss es ja schnell gehen, da geht es ja oft um dringende Auskünfte“, sagt Krankenhaussprecherin Andrea Wocher. Dabei soll, wen wundert’s, die Melodie den Wartenden beruhigen. „Wir wählen dafür eine sanfte Melodie aus.“ Die das Krankenhaus allerdings auch selbst nicht zu viel kosten darf. „Wichtig ist, dass die Musik gemafrei ist.“

Auch der größte örtliche Energieanbieter verschont seine Kunden in der Telefonwarteschleife mit horrenden Preisen. „Unsere Kundennummer ist eine kostenfreie Nummer. Die kostet den Anrufer gar nichts“, sagt RWE-Sprecher Klaus Schultebraucks. Und stecken bleiben würden die Anrufer in der Regel auch nicht außergewöhnlich lange. „Normalerweise wartet niemand länger als 60 Sekunden in der Warteschleife.“ Berieselt wird der Anrufer allerdings ausgiebig, und zwar mit der Melodie des jeweils neuesten RWE-Werbespots. „Den lassen wir auch schon mal ein Jahr so“, erklärt Schultebraucks. Wenn dann ein neuer Werbespot käme, käme auch eine neue Melodie.

Tina Bucek

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