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Castrop-Rauxel

Besser als nichts

13.02.2008 | 17:35 Uhr

Nur wenige Ein-Euro-Jobber finden eine reguläre Beschäftigung. Hartz-IV-Chef Wolfgang Limberg ist dennoch ein Befürworter der Arbeitsgelegenheiten: "Die Alternative hieße meist, jeden Tag auf der Couch zu sitzen"

Ein-Euro-Jobs führen nur selten zu einer regulären Beschäftigung. "Doch etliche Erwerbslose finden auf diesem Weg ins Berufsleben zurück und verbessern zumindest vereinzelt ihre Chance, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen", bekräftigt Wolfgang Limberg, Leiter der Vestischen Arbeit in Castrop-Rauxel.

Skeptisch beurteilt der Hartz-IV-Chef die in dieser Woche vorgestellten Ergebnisse einer Studie. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat zwei Jahre lang beobachtet, was aus den ersten Ein-Euro-Jobbern geworden ist. Die Resultate wirken ernüchternd: Die sechsmonatigen Tätigkeiten ebnen so gut wie nie den Weg aus der Arbeitslosigkeit. Im Gegenteil: Weil sich die Teilnehmer in dieser Zeit weniger intensiv um eine Stelle bemühten, bleiben Ein-Euro-Jobber laut Studie sogar länger in Hartz IV als Erwerbslose ohne Zusatzjob.

"Ich kann und will den Forschern nicht widersprechen. Aber was, bitte schön, ist die Alternative zu Ein-Euro-Jobs, solange der Arbeitsmarkt viel zu wenig Angebote gerade für benachteiligte und gering qualifizierte Erwerbslose bereit hält?", fragt Limberg und verweist auf die jüngste Bilanz der Arbeitsagentur: 4 556 Erwerbslosen standen Ende Januar in unserer Stadt 315 offene Stellen gegenüber.

Nach wie vor sei die Vermittlung das oberste Ziel aller Bemühungen der Hartz-IV-Behörde - auch und gerade bei den 300 Ein-Euro-Jobbern in Castrop-Rauxel, die u.a. in der städtischen Grünpflege oder im Agora-Zentrum eingesetzt sind. "Doch machen wir uns nichts vor: Ein Großteil unserer Kunden ist ,marktfern'; soll heißen: ist nur schwer in Beschäftigung zu bringen", weiß Wolfgang Limberg. "Die Aufgaben, die sie in ihren Zusatzjobs leisten, machen gleichwohl Sinn: Die Erwerbslosen werden neu motiviert, gewöhnen sich wieder an einen regulären Tagesablauf und verdienen rund 100 Euro hinzu. Was kann daran schlecht sein, wenn die Alternative für die meisten hieße, jeden Tag auf der Couch zu sitzen?"

Hinzu komme: Die Ein-Euro-Jobber sind gemeinnützig tätig und dürfen keine regulären Stellen gefährden. Limberg: "In Castrop haben wir dafür wir ein hervorragendes Beispiel: den City-Service in der Altstadt und in Habinghorst, von dem alle profitieren: die Kunden, die Händler und nicht zuletzt die ,Grünen Engel', von denen manch einer vermittelt werden konnte."

Statt - wie es Arbeitsminister Laumann (CDU) fordert - sparsamer mit dem Förderinstrument umzugehen, würde der Hartz-IV-Chef gern mehr Arbeitsgelegenheiten schaffen. Der Bedarf sei vorhanden. "Entgegen mancher Vorurteile ist bei den Hartz-IV-Beziehern die Bereitschaft groß, diese Jobs zu übernehmen."

Von Jürgen Stahl

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Kommentare
14.02.2008
04:20
Besser als nichts
von PapaSmurf | #2

Wenn man den Hartz4 Empfängern einen Weg in ein geregelten Tag und Arbeitsleben geben will,warum stellt man diese Leute nicht für einen normalen Branchenüblichen Lohn ein, für ein halbes Jahr anstatt Sie für 1,10€ irgendwelche sinnlosen tätigkeiten machen zu lassen.
Der City-Service kann auch von den Einzelhandelsorganisationen bezahlt werden,zum Tariflohn.
Über das was beim Agora Centrum abgeht brauch man sich garnicht zu unteralten, man fühlt sich an die gute Alte DDR erinnert,1Job,10Arbeiter.Wenn man in 8Std.die Arbeit von 30min erledigen muss und das mit 3-4Leuten,dann sehe Ich da keinen Sinn drinn.Wenn die ehemalige GABS,die eigentlich einen Freibrief zum Kohlescheffeln gehabt hat,mit einem Riesenberg an Schulden Pleite geht,das sollte einem mal zu denken geben.
Wenn sich sogenannte gemeinnützige Vereine die,wie auch immer an Horden von 1,10€Jober herankommen,sich auch noch damit brüsten wie gut der Verein ist und SEINE MITGLIEDER hervorragende Arbeit leisten ohne ein Wort darüber zu verlieren das die eigentliche Arbeit von 1,10€ Jobern gemacht wird,dann kann einem schon mal die Galle hochkommen.
Und dann hätte Ich noch eine Frage,
WER HAT DIE JOBS EIGENTLICH VOR EINFÜHRUNG DER 1€ JOBS GEMACHT????

MfG

PapaSmurf

14.02.2008
02:20
Besser als nichts
von Graf Zeppelin | #1

Es mag viel für die 1-Euro-Jobs sprechen: Sie geben den Arbeitslosen die Chance auf einen halbwegs sinnhaften Tagesablauf. Für die ARGE sind sie ein gutes Instrument zum Testen der Arbeitsbereitschaft von Alg2-Empfängern. Und nicht zuletzt profitiert die Allgemeinheit von den dort produzierten Dienstleistungen.

Aber genau im letzten Punkt sehe ich auch das strukturelle Problem dieser Jobs: Die von den 1-Euro-Jobbern erbrachten Dienstleistungen werden ja an unsere Gesellschaft abgegeben. Und dort erwecken sie eine dauerhafte Nachfrage nach dieser Leistung. Allerdings geht diese Nachfrage nicht mit einer entsprechenden Zahlungsbereitschaft einher. Eine marktfähige Leistung wird sich so aus den 1-Euro-Jobs nicht entwickeln. Vielmehr ist zu befürchten, dass hier eine neue öffentliche, d.h. „staatliche“ Aufgabe geboren wird.

Ich möchte das veranschaulichen: Die 1-Euro-Jobber bauen ja nicht wie Maurerlehrlinge tagsüber eine Wand, die abends wieder abgerissen wird. Ob nun der Service in der Castroper Altstadt und der Lange Straße oder die Mitarbeit im Agora-Zentrum: All diese Leistungen erzeugen bei den Besuchern der Altstadt genauso wie bei den Gästen des Ickerner Kulturzentrums eine Erwartungshaltung, welche die Kommunalpolitik auch künftig zu erfüllen hat. Man stelle sich nur das Wehklagen vor, würde man die 1-Euro-Jobs zum Monatsende ersatzlos streichen!

Jetzt frage ich mich nur, wie man das mit unseren ruinierten Kommunalfinanzen auch noch finanzieren soll. So leid es mir tut: 1-Euro-Jobs sind der falsche Weg.

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