Beim Westfälischen Landestheater sind die Akkus voll
29.08.2009 | 12:43 Uhr 2009-08-29T12:43:00+0200
Castrop-Rauxel. Intendant Sebastian Heindrichs ist sich sicher: Das Westfälische Landestheaters ist eines der kulturellen Highlights in Castrop-Rauxel. Über das, was die Theaterfreunde in dieser Saison erwartet und seine Strategien für die Zukunft, redete er in einem Interview.
Die Mannschaft ist da, der Spielplan steht, die Proben laufen, die Saison ist gestartet. Kurzum: Die theaterfreie Zeit hat endlich ein Ende. Mit Sebastian Heindrichs, Intendant des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel, sprach Gerhard Römhild.
Auf welche Mischung darf sich der Theaterfreund freuen?
Sebastian Heindrichs: Wir müssen zeigen, dass wir unverzichtbar sind. Und zwar durch maximale Qualität und große Vielfalt. Wir geben den Menschen den Krimi, die große musikalische Produktion, den Klassiker, großes Kindertheater. Und natürlich bedienen wir auch die Nischen, das zeitgenössische Stück, das moderne. Das alles können wir machen, weil wir auch die Breite schaffen. Bei den modernen Stücken versuchen wir heraus zu finden, was in 100 Jahren der Klassiker ist. es geht darum, die Qualität im Verborgenen zu suchen.
Wie sieht die Offensive im theaterpädagogischen Bereich aus?
Da ist in der Tat eine extreme Offensive gestartet worden. Übrigens erwartet dies auch das Ministerium von uns. Die Theaterpädagogik ist ein ganz wichtiges Standbein und seit drei Jahren ausgebaut worden. Im Angebot sind Kinderclub I (6-9 Jahre), Kinderclub II (10-12), Teenclub (12-15), Jugendclub (15-21) und die Reihe „Generatiös”, die die Generationen verbindet, jung und alt zusammenbringt. Ich finde es absolut lobenswert, was dort gemacht wird. Wir bedienen da jede Altersgruppe. Zudem gibt es Diskussionsangebote, Patenklassen, Probenbesuche. Und wir gehen in Schulen. Über allem steht das Credo, Theater als sinnliche Herangehensweise an das Leben zu verstehen. Das ist mehr als die Kopflastigkeit des Schulwesens.
Wie ist die Stimmung?
Künstlerisch ist sie absolut positiv. Hier herrscht eine Dynamik voller optimistischem Schwung. Die Akkus sind voll und alle, wirklich alle, sind mit Begeisterung dabei.
Das WLT steht unter finanziellem Druck. Wie sehen Ihre Strategien aus?
Vielfältig. Wir haben es geschafft, kontinuierlich die Verkaufszahlen in der Fläche zu steigern. Außerdem spüren wir stark die Anerkennung durch das aufgebaute Repertoire, und es gibt immer wieder positive Rückmeldungen zur Qualität. Ein großes Kompliment geht hier an Günther Wohlfahrt (der kaufmännische Direktor, die red.). Wir drehen jeden Cent um, wirtschaften extrem gut und vor allem aufrichtig. Ein Beispiel: Das staatliche Rechnungsprüfungsamt war im Auftrag des Landesrechnungshofes bei uns unterwegs und hat die Seriösität attestiert.
Das WLT muss in Castrop-Rauxel bleiben...
...weil wir als Stadttheater wahrgenommen werden, obwohl wir eigentlich ein Landestheater sind. Wir sind eines der kulturellen Highlights dieser Stadt und mit Sicherheit ein unglaublicher Gewinn für die Kultur hier. Ich hoffe, dass ich mich damit nicht vertue.
Was kann man tun, um das WLT noch mehr in der Stadt zu verankern?
Nun, wir spielen am Hammerkopfturm, in der Agora, gewinnen neues Publikum abseits des Europaplatzes durch das Auftreten auf dem Marktplatz hinzu, waren auf dem Golfplatz, im Schiffshebewerk und sogar im Gefängnis. Da sehe ich überall noch Entwicklungspotenzial. Und grundsätzlich gilt, unabhängig vom Spielort: Weiterhin nach Stücken suchen, die Jung und Alt das Theater lieben lassen.
Ist das WLT für die Zukunft gut aufgestellt?
Sebastian Heindrichs ist seit der Saison 2003/2004 Intendant des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel. An diesem Dienstag feierte der gebürtige Gelsenkirchener, der in der Europastadt wohnt, seinen 47. Geburtstag. Heindrichs hat zwei Brüder und stammt aus einer künstlerischen Familie. Vater Hans Albert war u.a. Komponist, Mutter Ursula war Lehrerin und ist die Ehrenpräsidentin der Europäischen Märchengesellschaft. Nach dem Studium an der Uni Köln und einem Schauspielstudium an der Staatlichen Musikhochschule in Saarbrücken leitete Heindrichs u.a. das Jugendtheater am Stadttheater Würzburg, war Schauspieler am Staatstheater Braunschweig und am WLT sowie Dozent für Schauspiel an der Folkwanghochschule.
Ja, sehr gut. Ich traue dem Team zu, dass es weiteren Herausforderungen gewachsen ist. Die künstlerische Dimension ist da.
Was wünschen Sie sich von den Castrop-Rauxelern?
Sie sollen dem Westfälischen Landestheater weiterhin die Treue halten und uns lieben. Wir werden sie nicht enttäuschen. Ich bin glücklich mit den Menschen hier, aber klar, es kann immer noch weiter gehen.
Wie läuft eigentlich die Suche nach Wohnmöglichkeiten für WLT-Gäste?
Nun, wir annoncieren in den Zeitungen und es melden sich tatsächlich Leute, die ein Zimmer im Angebot haben. Natürlich muss es bezahlbar sein. Es funktionierte sehr gut, da entstehen Freundschaften.
Bitte ergänzen Sie: Ein guter Intendant ist...
...das müssen andere beantworten. Was ich sagen kann: Ein guter Intendant kümmert sich um das Ganze, Das ist ein Blumenstrauß, da hängt ganz viel dran.
Und was muss passieren, damit ein sonst immer gut gelaunter Sebastian Heindrichs in die Luft geht?
Ich bin doch kein HB-Männchen – (längere Pause, und dann) – Wenn sich alle Requisiten gegen mich verschworen haben.
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