Aufgepasst
11.08.2009 | 18:40 Uhr 2009-08-11T18:40:00+0200
Vor dem Schulstart sollten I-Dötze ihren Weg genau kennen. Die WAZ begleitete Merle Trzecinski.
Sie sind schnell überfordert, äußerst leicht abzulenken und zudem besonders gefährdet: Ab Dienstag, 18. August, beginnt für 748 I-Männchen in Castrop-Rauxel ein ganz neuer Lebensabschnitt. Die meisten von ihnen haben es ab dann mit einer Verkehrssituation zu tun, die sie so noch gar nicht kannten. Auf ihren neuen Schulweg sollten sie deshalb besonders gut vorbereitet sein.
Merle Trzecinski strahlt über beide Backen. Nicht nur der Urlaub in Bayern war toll, auch ihr nagelneuer Tornister – selbstverständlich rosa und mit vielen Rosen-Appliktionen – ist für sie eine Wucht. Die Sechsjährige, die mit Mama Michaela, Papa Lars und Bruder Leo (3) auf der Tönnisheide 5 in Ickern wohnt, ist für den neuen Alltag bestens vorbereitet.
Wenn am Dienstag um 9.30 Uhr die Glocken der St. Antoniuskirche zum Schulgottesdienst läuten, ist Merle ihren Schulweg bereits zum wiederholten Mal gegangen. Dafür hat Mama Michaela schon frühzeitig gesorgt.
„OK”, sagt die 40-Jährige, „Merle hat einen großen Vorteil. Sie besuchte die letzten drei Jahre den Kindergarten Lummerland.” Und der liegt quasi im Schatten der Marktschule, einer Gemeinschaftsgrundschule, die in Zukunft Merles neuer Anlaufpunkt sein wird. „Wir haben also Glück gehabt, dass wir den Schulweg bereits geübt haben.” Doch weiterhin gilt: Training muss sein. Und Merle passt auf, denn Straßenverkehr birgt immer Gefahren. „Sie bleibt lieber stehen und ist sehr vorsichtig”, beschreibt die Mutter das Training im Straßenverkehr.
Einen knappen Kilometer beträgt die Strecke über Tönnisheide, Försterstraße, Ufferstraße und Ickerner Straße bis zur Marktschule. Und die geht sie weiterhin zusammen mit ihrer Mutter. „Wenn sich genügend Kinder in den nächsten Wochen gefunden haben, und als Gruppe zur Schule gehen, dann darf sie selbstverständlich dabei sein.” Mama Michaela lässt eine solche Gruppentour keineswegs kalt: „Das ist schon ein ganz komisches Gefühl, dass niemand sie mehr unter Aufsicht hat.” Doch Merle sieht das anders. „Ein paar von den Kinder aus meiner Löwenklasse kenne ich schon und meine beste Freundin Lina ist auch dabei.”
Ganz wichtig war Mama Michaela Trzecinski, dass sie beim Ablaufen der Strecke laut mitdachte, sobald eine Verkehrssituation entstand. „So hat sich das ,links-rechts-links' sowie das ,rot und stopp' so richtig eingeschliffen.” Und natürlich gab es auch die Gänge, bei denen Merle nun das Geübte aufsagen und in der Situation beachten musste. Die festen Merksätze hat sie verinnerlicht.
Am Zebrastreifen der unfallträchtigen Kreuzung „In der Wanne/Ickerner Straße” sieht sie nicht nur genau hin, sondern streckt auch den Arm aus. Das hilft enorm, denn so halten die Autofahrer auch bereitwillig an. Und natürlich wird erst dann losmarschiert, wenn alle Autos zum Stehen gekommen sind.
Nun sind es nur noch wenige hundert Meter, bis Merle auf ihrem fast 20-minütigen Schulweg die Anforderungsampel in Höhe des Café Auffenbergs errreicht und damit in die Zielgerade einbiegt. Ein Druck aufs Knöpfchen, warten, endlich grün, los geht's. Schule, ich komme.
07:46
Tja, Herr Römhild, das gibt zwei Stunden Nachsitzen mit den I-Männchen, für Sie aber mit Stadtplan: denn eine Försterstraße gibt es in C-R nicht, wohl aber eine Voerstestraße. Setzen, Stadtplan raus!