Auf Schäfchensuche
19.10.2010 | 17:36 Uhr 2010-10-19T17:36:00+0200
Castrop-Rauxel. Eine Kinderbibelwoche ist traditionell die Herbstferienaktion der evangelischen Gemeinden. Erstmals hat nun eine katholische Gemeinde das Prinzip bei den Glaubensbrüdern kopiert.
Denn ist es nicht ein wunderbares Vehikel, um junge Familien für das Gemeindeleben zu begeistern? In der Schutzengelgemeinde in Frohlinde machen sich gerade 51 Kinder mit der Schöpfungsgeschichte vertraut.
„Alles ist prima“, sagt Alina und lobt die Gemüsesuppe, die es zum Mittagessen gab. Andere Kinder hätten vielleicht das Schwarzlichttheater genannt, das Filzen, das Laterne basteln, die tägliche Traumreise. Fest steht: die erste Kinderbibelwoche in Frohlinde ist ein Erfolg zu sein - und scheint ein fester Programmpunkt des katholischen Gemeindelebens zu werden.
„Dass die Bibelwoche so gut ankommt, damit hätten wir nicht gerechnet“, sagt Gabi Wachsmann, Mutter und Mitorganisatorin der Veranstaltung. Mit 14 anderen Frauen und Jugendlichen hat sie die Woche geplant. Viel Arbeit sei es gewesen, aber nun seien alle erst recht motiviert.
1700 Mitglieder zählt die Schutzengelgemeinde derzeit, die wenigsten davon engagieren sich allerdings aktiv am kirchlichen Leben. Dabei ist Frohlinde dank seines Neubaugebietes doch ein wachsender Stadtteil. Von den vielen zugezogenen Familien des Ortes profitieren zum Beispiel die Sportvereine, „nicht aber unser aktives Gemeindeleben“, sagt Diakon Josef Wefringhaus. Die Idee entstand auf einer Klausurtagung, erzählt der Diakon. Da habe man Zukunftsperspektiven diskutiert und erkannt: man müsse auf Kinder und Jugendliche setzen. Kinderbibelwochen werden seit Jahren erfolgreich von den ev. Gemeinden auf Schwerin und in der Altstadt veranstaltet. „Das muss man einfach mal wagen, als Angebot der Katholiken an alle Christen.“
Und siehe da: Es kamen 51 kleine Katholiken und einige Evangelen zwischen fünf und zehn Jahren. Und einige von ihnen hatten tatsächlich noch nie eine Kirche von innen gesehen. „Dass sie einige Grunddinge lernen, wie das Vaterunser, ist ein pädagogisches kirchliches Element dieser Woche“, sagt Wefringhaus.
Für ihre erste Bibelwoche haben sich die Veranstalter das Thema Schöpfung ausgesucht. „Das bietet sich einfach an“, erzählt Karin Wirsdörfer, die gerade mit den Kindern im Wald war, um Blätter, Äste, Kastanien für das Basteln eines Mobiles zu sammeln. „Anhand der Schöpfung kann man wunderbar Dinge aus der Natur thematisieren.“
Jeder Tag ist einem Tag der Schöpfungsgeschichte gewidmet. Am Montag ging es zum Beispiel um Hell und Dunkel, um Tag und Nacht. Am gestrigen Dienstag um Pflanzen und Tiere. Diesem Thema widmen sich nicht nur die Kirchenbesuche, sie setzen sich auch im benachbarten Kolpinghaus fort. Karin Wirsdörfer etwa wird gleich noch Wasser filtern und eine „Duftorgel“ anbieten - die Schöpfung sollen die Kinder mit allen Sinnen erfahren. Dass das ihnen Spaß macht, hört man schon von weitem. „Wir Christen“, nennt Diakon Wefringhaus sein großes Ziel, „müssen wieder lernen, in der Gemeinschaft froh zu sein“.
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