Auf der Suche nach der Schlecker-Nachfolge in Deininghausen
01.02.2012 | 17:42 Uhr 2012-02-01T17:42:00+0100
Castrop-Rauxel. Die Akteure in Deininghausen sind nach wie vor am Ball, wenn es um eine gute Nachfolge-Lösung für die leerstehende Schlecker-Filiale im Stadtteil geht.
Die Schlecker-Filiale in Deininghausen ist bereits seit vier Wochen geschlossen. Doch die Akteure im Stadtteil bemühen sich nach wie vor um ein Nachfolgekonzept für das leer stehende Ladenlokal, um die Nahversorgung vor Ort langfristig zu sichern. Erst am Dienstag fuhr eine kleine Delegation aus Castrop-Rauxel nach Gelsenkirchen, schaute sich dort einen Quartiersladen an und informierte sich eingehend über das Modell jenes Supermarktes namens „carekauf“ – eine Kooperation zwischen Caritasverband und Rewe.
„Der Eindruck war positiv“, sagte Deininghausens Stadtteilmanager Manfred Herold. „Das wäre durchaus ein Konzept, was man auch auf Deininghausen übertragen könnte“, so Herold weiter. „Aber es müssen jetzt natürlich erst mal weiter Sondierungsgespräche geführt und Überlegungen angestellt werden.“ Der Caritasverband Castrop-Rauxel habe jedenfalls schon deutlich sein Interesse an einer solchen Kooperation bekundet und Unterstützung zugesichert. Der Vorsitzende Heinz-Rudolf Berkenkopf sei auch bei dem Besuch in Gelsenkirchen dabei gewesen.
„Der carekauf läuft jetzt seit zweieinhalb Jahren, hat zu Beginn auch ausgebildet“, erklärt Manfred Herold. „Rewe beliefert den Markt mit Waren und kümmert sich um das Marketing“, fährt Herold fort. Die Preise seien normal. „Allerdings gab es jetzt nicht die 1000. Sorte Marmelade oder den Wein für 25 Euro.“
Herold weiter: Es handele sich in Gelsenkirchen um ein integratives Modell. „In dem Supermarkt arbeiten fünf Menschen mit Handicap, fünf Angestellte ohne Behinderung und ein Marktleiter.“ Denkbar wäre ein solches Konzept auch in Deininghausen – auch um Langzeitarbeitslosen eine Berufsperspektive zu eröffnen. „Doch man müsste gerade für die Menschen mit Behinderung für eine intensivere Begleitung, für eine Art Supervision sorgen“, benennt Herold einen Aspekt, der in Gelsenkirchen offenbar nicht so rund läuft. „Dort bleibt die Qualifizierung der Mitarbeiter mit Handicap aus, weil die anderen Angestellten das einfach nicht leisten können.“ Das wiederum halte mitunter den Betrieb auf, was der Kunde negativ zur Kenntnis nehme, so Herold.
„Interessant fand ich auch, dass der Eigentümer der Immobilie die Mietfläche und dann noch mal den Quadratmeterpreis reduziert hat.“ Wäre das in Deininghausen möglich, so erwäge laut Herold wohl auch der ansässige Gemüsehändler den Umzug in die ehemalige Schlecker-Filiale. „Er denkt momentan grundsätzlich über diesen Schritt nach.“ Herold hält dies derzeit für die beste Lösung. „Der Gemüsehändler kooperiert nämlich mit einem Bäcker und einem Fleischer.“
Bürgermeister spricht mit Dorv-Geschäftsführer Heinz Frey
Auch Bürgermeister Johannes Beisenherz ist sehr an einem Nachfolgekonzept für die ehemalige Schlecker-Filiale gelegen. Für ihn ist das Modell des Dorv-Zentrums neben der carekauf-Idee eine weitere mögliche Option. „Die Grundkonzeption von Dorv ist wirklich interessant“, betonte Beisenherz. Kurz zuvor hatte er gemeinsam mit Akteuren aus Deininghausen ein aufschlussreiches Gespräch mit dem Dorv-Geschäftsführer Heinz Frey geführt. Auf Einladung des Bürgermeisters stellte Frey das Modell im Rathaus vor.
Dorv, das steht für Dienstleistung und ortsnahe Rundum-Versorgung. Es handelt sich dabei um einen multifunktionalen Laden mit einem breiten Service- und Angebotsspektrum (wir berichteten). „Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das was wird“, äußert sich Beisenherz sehr optimistisch. Ihn habe das Konzept sehr beeindruckt. Es sei hochspannend, befanden alle Gesprächsteilnehmer.
„Wir werden nun weiterhin mit Herrn Frey in Kontakt bleiben.“ In den nächsten Woche werde zudem eine Abordnung nach Jülich-Barmen fahren, um sich einen Eindruck von dem dortigen Dorv-Zentrum zu verschaffen.
„Wir müssen dann schauen, ob und was auf Deininghausen übertragbar wäre“, erklärte der Bürgermeister. Standort- und Bedarfsanalysen seien notwendig. „Und wir müssen natürlich alle Akteure zusammenbringen, um ein solches Projekt gemeinsam stemmen zu können.“
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