„Auch wir sind Charlie“

Marl..  Wir sind Charlie“ liest der Zuschauer auf den Schildern. Tim Bartsch, Isabella Leis, Theresa Heimes und Isabell Hoffmann zünden Kerzen an. Mit gut 300 Menschen sind die Jugendlichen auf den Creiler Platz gekommen, um Anteilnahme für die Opfer des Terroranschlags auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdot in Paris zu zeigen. Im eisigen Wind zeigen Bürger am Montagabend ihre Solidarität mit einer Schweigeminute.

Kurzfristig hatte Marls Bürgermeister Werner Arndt am Sonntagabend eingeladen, in der Stadt ein Zeichen der Solidarität zu setzen und sich an der Skulptur „Non Violence“ des schwedischen Künstlers Carl Fredrik Reuterswärd zu versammeln. „Der doppelt verknotete Revolver ist ein universelles Symbol gegen jede Art von Gewalt“ , betonte er gestern. Neben Lokalpolitikern, Vertretern der muslimischen Gemeinden folgten viele junge Leute dem Aufruf.

„Uns eint der Wille nach einem friedlichen und toleranten Miteinander“, betonte Arndt. „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

„Wir sind nicht bereit, diesen Anschlag tatenlos hinzunehmen. Kein Muslim kann sich zur Rechtfertigung seiner Verbrechen auf den Namen Allahs berufen“, sagte Mehmet Ucak. Als Sprecher der Moscheegemeinden in Marl verlas er eine gemeinsame Erklärung der Marler Muslime und fand deutliche Worte: „Auch für uns Muslime sind Meinungsfreiheit und Pressefreiheit Grundlage unserer gesellschaftlichen Freiheiten. Niemals darf die Unversehrtheit oder das Leben eines Menschen angetastet werden.“

Die Teilnehmer der Gedenkfeier trotzten tapfer den widrigen Wetterbedingungen. Immer wieder zündeten sie ihre Kerzen an. Auch Jana Franz, Daniel Kuhne, Jan-Stefan Heinemann und Ramon Lelek von der Willy-Brandt-Gesamtschule wollten unbedingt dabei sein, um ihr Mitgefühl zu zeigen und für die Meinungsfreiheit zu demonstrieren. Über den Internetdienst „What‘s App“ habe sich die Einladung zur Gedenkfeier wie ein Lauffeuer verbreitet, erzählen sie. Die Willy-Brandt-Schüler wollen es nicht bei diesem einen symbolischen Akt der Solidarität belassen. Am kommenden Freitag, 16. Januar, sollen möglichst alle Schüler der Gesamtschule schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ tragen, den ganzen Tag lang. „Das soll unser Zeichen gegen den Terror werden“, erklärte Daniel Kuhne auf dem Rathausplatz. „Niemand kann nach diesen Ereignissen noch sagen, das geht mich nichts an“, sagte Isabella Leis, die sich bei der Gruppe „Bonds beyond Borders“ für gute Beziehungen zu Marls Partnerstädten einsetzt. „Darum bin ich hierher gekommen.“ Tim Bartsch hat ein Lied geschrieben und ins Internet gestellt: „We are the people“.