Artistischer Ausflug in die verbotene Stadt

Es war ein wahres Spektakel aus dem Reich der Mitte vor 450 Zuschauern. Extravagante Kostüme und ausdrucksstarke Akrobaten verwandelten die Stadthalle Castrop-Rauxel am Mittwoch in die sagenumwobene Verbotene Stadt. Zentrale Figur des Abends war eine kleine Blume.

Castrop-rauxel.. Bis Bürgerkriege und die Revolution der Kommunisten die chinesische Monarchie wohl für immer verdrängten, war die Verbotene Stadt ein Mythos in Mitten Pekings. Sie stellt seit 1420 ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst dar. Um den Zuschauern einen Eindruck zu verschaffen, wie es im Palast der Ming- und Qing-Dynastie ausgesehen haben könnte, spielte eine "Kleine Orchidee" die Hauptrolle in der als Geschichte inszenierten Akrobatik-Show.

Liu Yexuan ist das junge Mädchen, die den fiktiven Charakter der Kleinen Orchidee darstellt. Sie ist eine der Auswählten, die auf dem Hof leben und um Privilegien werben darf. Immer wieder erzählt eine kindliche Hintergrundstimme über die Gewohnheiten und Sitten auf des Kaisers Hofe. Tänzerisch oder akrobatisch präsentierten die zahlreichen Darsteller das Erzählte.

Blumenvase mit den Füßen jongliert

Dabei raubten sie so manchem Zuschauer den Atem. Etwa als zwei junge Frauen zu Yirumas berührendem Titel "River Flows in You" auf dem Rücken liegend je eine große Blumenvase jonglierten - mit den Füßen. Kaum war der Applaus verklungen, legten die beiden herausragenden Darstellerinnen nach, indem sie die Vasen durch Holztische ersetzten. Mancher Gast hatte mehr Schweißperlen auf der Stirn als die Akrobatinnen.


Es war die Mischung aus Kraft, Eleganz und atemraubender Präzision, mit der der chinesische Nationalcircus die Europastädter begeisterte. So auch Brigitte Krater: "Es ist einfach ganz toll. Was das kleine Mädchen macht, ist einfach Wahnsinn." Das puristisch angelegte Bühnenbild beließ die Aufmerksamkeit auf den Künstlern.

Einzig das Jonglieren mit den Strohhüten wollte zunächst nicht klappen. Das lag allerdings nicht an dem Jongleur, sondern viel mehr an einem ignoranten Lüftchen, dass die Flugbahn der Strohhüte empfindlich veränderte. Vielleicht war es aber auch der Applaus, der den Künstlern zugebracht wurde.