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Arbeitslose Mutter soll Zeugnisse des Sohnes vorlegen

27.12.2009 | 15:05 Uhr
Arbeitslose Mutter soll Zeugnisse des Sohnes vorlegen

Castrop-Rauxel. Es ist nicht der erste Fall dieser Art: Die Vestische Arbeit verlangt von einer Hartz IV-Bezieherin, die Zeugnisse ihres 15-jährigen Sohnes vorzuzeigen. Die Behörde erklärt, dies diene der Förderung des Jungen. Seine Mutter empfindet das Vorgehen als Eingriff in die Privatssphäre.

Hartz IV-Empfänger seien ohnehin schon sehr gläsern, sagt die arbeitssuchende Marianne Schlüter*. Dass sie nun auch noch turnusmäßig das Zeugnis ihres 15-jährigen Sohnes vorlegen muss, empfindet sie als weiteren, empfindlichen Eingriff in die Privatsphäre.

„Das ist sehr merkwürdig”, äußert sie ihre Skepsis. „Ich habe das Gefühl, dass die Vestische Arbeit nicht will, dass mein Sohn die Schule zu Ende macht, sondern möglichst schnell dem Arbeitsmarkt zugeführt werden soll”, so ihr Verdacht.

Der Sohn Marianne Schlüters ist 15 Jahre jung, wird bald 16. Er besucht die zehnte Klasse eines Gymnasiums. Nie habe er unentschuldigte Fehlstunden gehabt, seine schulischen Leistungen seien konstant gut, betont der Vater Gerd Schlüter*. Sein Sohn habe nie eine Klasse wiederholen müssen. „Nach der Schule möchte er studieren”, erklärt die Mutter. Summa summarum also alles im grünen Bereich - um so weniger verstehen die Eltern des Gymnasiasten, dass sie dessen Zeugnis bei der Vestischen Arbeit vorlegen müssen.

Ohne Zeugnis keine Unterstützung

„Ich sehe das nicht ein”, sagt die Mutter mit Nachdruck. Im vergangenen Jahr habe die Vestische Arbeit erstmals das Zeugnis angefordert. „Da haben wir uns bereits geweigert”, erzählt der Vater des 15-Jährigen. Er und seine Frau verwehrten sich sogar mit Erfolg: Sie mussten das Notenpapier nicht vorzeigen. „Komischerweise.” Jüngst sah es dann nämlich schon wieder ganz anders aus. Eine Sachbearbeiterin habe das Zeugnis vehement verlangt. „Sie sagte, das wir ja immerhin auch Zuwendungen bekommen”, so Marianne Schlüter, die sich nach eigener Aussage bedroht gefühlt habe. „So nach dem Motto: Wenn ihr das Papier nicht vorlegt, bekommt ihr keine Zuwendungen mehr.”

Es sei zum Wohle des Kindes, hieß es. „Dabei werden Förderungen oder Nachhilfeunterricht doch gar nicht bezahlt”, lautet der Einwand Schlüters. Direkt in Recklinghausen habe sich das Elternpaar dann noch beschwert. „Den Sinn in dieser Auflage sah der Vorgesetzte da auch nicht”, berichtet die Mutter.

Noten für Bewerbungen sind entscheidend

Den Sinn aber gibt es, wie Wolfgang Limberg, Leiter der Vestischen Arbeit in Castrop-Rauxel, erklärt. „Nach dem Gesetz ist ein Schüler in dem Alter ein erwerbsfähiger Hilfebedürftiger, der Anspruch auf Leistungen hat”, so Limberg. Da greife das so genannte Handlungsprogramm U 18.

„Da gucken wir, wie es aussieht, lassen uns die entsprechenden Unterlagen der Qualifikation vorlegen, damit wir sehen können, wie die schulische Laufbahn ist”, fährt er fort. Die Vestische Arbeit schaue, ob die Leistung stimme. „Wir prüfen so schon auch, ob man die Jugendlichen frühzeitig dem Arbeitsmarkt zuführen können”, erläutert Limberg. Da seien Noten für mögliche Bewerbungen nun einmal entscheidend.

"Es geht um die Förderung"

„Es geht uns ganz klar um die Förderung der jungen Menschen”, betont Wolfgang Limberg. „Immerhin haben wir erst kürzlich eine große Summe vom Solidarfonds für Nachhilfegutscheine bekommen.” Wenn ein Schüler also gefährdet sei, könne die Vestische Arbeit mit den Gutscheinen helfen. „Wir wollen auf die Art und Weise keine Daten abfragen, darum geht es uns nun wirklich nicht, sondern viel mehr um eine Tatbestandsfeststellung”, konstatiert Limberg und fährt fort: „Wir wollen nicht, dass der Gymnasiast nach der zehnten Klasse die Schule verlässt. Er soll natürlich studieren.”

Die Bundeskanzlerin habe jüngst noch die Parole ausgegeben: Bildung stärken. „Da werden wir ganz sicher nicht einen solch unsinngen Schritt veranlassen”, untermauert Wolfgang Limberg. Es gehe schlichtweg um ganz normale Beratungsfragen. (* Die Namen des Ehepaares mit Sohn wurden von der Red. geändert.)

Sabine Latterner

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Kommentare
04.01.2011
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von figaro chain | #131

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22.12.2010
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von Business Safari | #130

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16.12.2010
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14.12.2010
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von Telemarketing services | #122

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