Altstadt-Radfahrer: Kaum Interesse an Änderung

Die Castrop-Rauxeler haben ihre Chance verspielt, Einfluss auf die Entscheidung der Politik zu nehmen, wenn es um das kontrovers diskutierte Thema „Radfahren in der Altstadt“ geht. Nachdem die Pläne für den Ratsbürgerentscheid vom Rat gekippt worden sind, ist auch das angestrebte Bürgerbegehren gescheitert.

Castrop.. Die Nachricht, die Altstadt für Radfahrer zu öffnen, löste einen Sturm der Entrüstung aus. Im Internet wurde hitzig über das Für und Wider diskutiert. CDU und FWI sammelten an einem Tag sogar 300 Unterschriften gegen das Radfahren in der Altstadt. Es schien, als habe die Entscheidung der Politik für den Modellversuch einen Nerv der Europastädter getroffen. Als würde sich echter Widerstand in Stellung bringen.

Aber schon als die Freigabe Ende April tatsächlich erteilt wurde, war der Gegenwind nur noch ein laues Lüftchen. Zwar versuchten CDU, FWI und FDP die Bürger mit ins Boot zu holen, um ihnen ein Mitspracherecht einzuräumen - das Interesse daran hielt und hält sich aber augenscheinlich in Grenzen.

"Interesse ist nicht groß genug"

Zuerst wurde vom Rat der Ratsbürgerentscheid gekippt, den CDU und FWI auf den Weg bringen wollten. Und jetzt ist auch das von Nils Bettinger (FDP) angestrebte Bürgerbegehren ebenfalls vom Tisch. "Es hat sich früh abgezeichnet, dass das Bürgerbegehren zum Thema Radfahren in der Altstadt kein ausreichendes Interesse bei den Castrop-Rauxelern weckt", erklärte Bettinger am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme.

Zwar seien die ersten Reaktionen auf die Öffnung heftig ausgefallen, das Thema an sich sei offenbar jedoch nicht wirklich nachhaltig gewesen, so Bettinger weiter. Sein Fazit: "Das Interesse an einem Bürgerbegehren zu diesem Thema ist in Castrop-Rauxel nicht groß genug." Somit liege die Entscheidung über den Radverkehr in der Innenstadt wieder bei der Politik.

Altstadt bleibt vorerst befahrbar

Bis Ende Oktober läuft der Modellversuch. Wann genau er anschließend Einzug in die politischen Gremien der Stadt halten wird, ist noch unklar. Unwahrscheinlich ist, dass das Thema bereits auf der Sitzung des BI-Ausschusses Ende Oktober stehen wird.

So lange sich die Ausschüsse und der Rat nicht mit dem Thema befassen, bleiben die Gassen der Altstadt für Radfahrer befahrbar. Das erklärte Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion. Nach Ablauf der Testphase wird geprüft, wie sich Radfahrer und Fußgänger in der Innenstadt vertragen haben. Anschließend soll eine Entscheidung getroffen werden, ob auch in Zukunft dort geradelt werden darf - oder eben auch nicht.