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Ärzte sehen Diagnosen von „Dr. Google“ kritisch

09.08.2010 | 14:46 Uhr
Ärzte sehen Diagnosen von „Dr. Google“ kritisch
Medizinische Diagnosen mit Hilfe von Google sind weit verbreitet. Ärzte sind skeptisch. Foto: Joseph-W. Reutter / WAZ FotoPool

Castrop-Rauxel.Immer mehr Patienten holen sich medizinischen Rat im Internet. Allgemeinmediziner sehen darin mitunter eine gefährliche Entwicklung, „wenn ohnehin ängstliche Patienten sich dadurch nur noch mehr Sorgen machen“.

10 Tipps für Google

Plötzliches Herzrasen. Ein unerklärliches Schwindelgefühl dazu. Was kann das sein? Patienten richten Fragen wie diese heute nicht mehr unbedingt zuerst an ihren Hausarzt. Sie wenden sich lieber dem Computer zu. Genauer gesagt: der Internetsuchmaschine Google.

Kaum sind die Beschwerden dort eingetippt, reihen sich Diagnose-Foren, medizinische Stammtische sowie zahlreiche Krankheitsberichte aneinander. Das Ergebnis, das „Dr. Google“ dabei präsentiert, ist alles andere als eindeutig: Von „Vorsicht, das könnte eine Schilddrüsenunterfunktion sein“ bis „Sterben müssen wir eh alle irgendwann – was solls“ reichen da die Hinweise.

Ratgeber
Hilfe bei der Bewertung

Hilfe im Dschungel der medizinischen Informationen bieten zahlreiche Institute und Behörden – vor Ort etwa der Vestische Gesundheitsdienst. Auf der Onlinepräsenz der Kreisverwaltung (www.kreis-re.de) ist beim Fachdienst 53 ein Internetwegweiser in Sachen Gesundheit zu finden: Vertrauenswürdige Institute, Behörden und Ansprechpartner sind dort ebenso aufgeführt wie qualitätsgesicherte Internetseiten im Gesundheitswesen.

Wer eine Internetseite selbst überprüfen möchte, kann sich an die Stiftung „Health on the Net“ (Gesundheit im Netz) wenden. Die Stiftung vergibt Gütesiegel für qualifizierte Medizinseiten. Sie ist zu finden unter www.hon.ch. Ebenfalls hilfreich: die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie ist zu finden unter www.bzga.de. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ihr Angebot gebündelt unter www.kbv.de. Umfangreiche Fachinformationen bietet außerdem das Robert-Koch-Institut auf seinen Seiten unter www.rki.de.

Diese landen dann im nächsten Schritt immer öfter auch in den Sprechzimmern hiesiger Ärzte – im Extremfall schon sorgfältig sortiert und ausgedruckt. „Dass Patienten sich vorab über neue mediale Quellen informieren, finde ich eigentlich nicht weiter schlimm“, sagt der Vorsitzende des Ärztevereins in Castrop-Rauxel, Dr. Michael Greef. Der Allgemeinmediziner sieht die Entwicklung allerdings als gefährlich an, „wenn ohnehin ängstliche Patienten sich dadurch nur noch mehr Sorgen machen“.

Oft nur aus der Negativ-Perspektive

Er nennt ein Beispiel: „Wer sich bei Google etwa über Krebs informieren möchte, wird in den Suchergebnissen fast nur die Negativ-Perspektive finden“, sagt Greef. „Geheilte halten sich in diesen Foren eher nicht auf – entsprechend ist das Bild, das Patienten dadurch gewinnen.“

Heute schon gegoogelt?

Der gleichen Meinung ist auch sein Kollege Dr. Alfred Mutz, der seine Praxis an der Dortmunder Straße betreibt. „Oft wird das Schlimmste zuerst aufgeführt“, so der Allgemeinmediziner, doch während er als Arzt die Informationen dort einordnen könne, würden die Patienten meistens stark verunsichert.

Dr. Mutz erwähnt noch einen weiteren Aspekt: „Ich habe vor diesem Hintergrund selbst eine Entwicklung durchmachen müssen“, erzählt er. Nachdem immer mehr Patieten bereits mit einer vorgefertigten Meinung zu ihm kamen – mittlerweile seien das etwa 40 Prozent – habe er sich stark in Frage gestellt gefühlt. „Inzwischen sehe ich das aber ganz entspannt.“ Es gebe schließlich auch positive Aspekte: So seien im Internet medizinische Entwicklungen oft sehr aktuell dargestellt, was durchaus hilfreich sein könne. „Zudem kommen viele Patienten schon seit Jahren in meine Praxis – da ist das nötige Vertrauen auch gegeben.“

Deborah Schmidt

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