Ärger um Rollator in einem Wohnhaus in Obercastrop

Anita Krüger kriegt schlecht Luft. Die 74-jährige Obercastroperin ist Asthmatikerin, hat Diabetes, ist seit vielen Jahren zu 100 Prozent schwerbehindert. Hinzu kommt nun auch noch, dass ihr von einer selbsternannten Hausmeisterin untersagt wurde, ihren Rollator in den Hausflur zu stellen. Nun hat sich der Fall geklärt.

Obercastrop.. Die Aufregung um ihren Rollator setzt der 74-Jährigen zusätzlich zu. "Die junge Frau, die bei uns so eine Art Hausmeisterin ist, hat mir verboten, meinen Rollator in den Hausflur zu stellen", sagt Anita Krüger im Gespräch mit unserer Redaktion.

Es sei keine gute Stimmung in dem Sieben-Parteien-Haus am Klothkamp in Obercastrop, erzählt Krüger. Junge Leute hätten sogar die Polizei gerufen, weil ihre Gehhilfe im Hausflur gestört habe. Die Polizisten seien lachend wieder abgezogen. Die fünf Stufen bis zu ihrer Wohnung im Erdgeschoss kommt sie mühsam hoch, den Rollator hoch zu tragen, ist für sie unmöglich. Das gilt auch für die Überlegung, den Rollator ungeschützt draußen zu lassen.

Tochter verstarb an Krebs

Im dritten Jahr wohnt Krüger jetzt in ihrer kleinen Wohnung in Obercastrop. Das Gebäude gehört der Deutschen Annington. "Die türkische Familie ist hier die netteste", sagt die 74-Jährige. Und ergänzt: "Es beschweren sich hier Menschen sogar darüber, dass mein Sauerstoffgerät nachts zu laute Geräusche macht."

Zwei Mal am Tag kommt der Pflegedienst zu Anita Krüger, ihre Tochter hat im vorigen Jahr den Kampf gegen Krebs verloren. "Ich gräm' mich so viel", sagt die 74-Jährige.

Und dann noch der Ärger wegen des Rollators. Der Platz im Treppenhaus sei zwar knapp, aber der Zugang auch in den Keller noch gewährleistet. "Mit ein bisschen gutem Willen funktioniert das doch", sagt die Seniorin. Guten Willen will die Deutsche Annington auf jeden Fall zeigen.

Vor Ort gucken

"Wir gucken mal vor Ort vorbei", versicherte Pressesprecherin Jana Kaminski im Gespräch mit unserer Redaktion. Wer das angebliche Rollator-Verbot ausgesprochen habe, könne nicht festgestellt werden. Anita Krüger dürfe ihre Gehhilfe weiter in den Hausflur stellen, verdeutlichte Kaminski.

Das Wohnungsbau-Unternehmen beschäftigt sich angesichts der demografischen Entwicklung auch mit dem Thema Rollatoren-Garagen. Kaminski: "Früher ging es meist ums Abstellen von Kinderwagen, heute häufig um Rollatoren." Wichtig dabei sei es, die Fluchtwege im Treppenhaus frei zu halten und Zugänge zu gewährleisten, erklärt der Schweriner Rechtsanwalt Jürgen Wischnewski. Und ergänzt: "Unter halbwegs normalen Menschen lässt sich immer eine Lösung finden."