Ärger um Linde - Familie darf Baum nicht fällen

Diese Linde im Garten. Sie verhindert den Gemüse-Anbau, verdreckt den Kinder-Pool, nimmt viel Platz weg und sorgt für viel Laub. Der Hausbesitzer in der ehemaligen Bergarbeiter-Kolonie im Castrop-Rauxeler Ortsteil Schwerin würde ihn gerne fällen. Doch er darf nicht, sagt ihm die Stadt.

Schwerin.. Vor 42 Jahren kam Cuma Camal Yildiz nach Deutschland. Seit 30 Jahren sind er und seine Frau Hanife in der alten Siedlung an der Funkestraße auf Schwerin zu Hause. Wo die Grundstücke klein, aber die Bäume groß sind.So groß, dass sie den Menschen eine Menge zusätzlicher Arbeit aufbürden.

335 Quadratmeter misst das Grundstück der Familie Yildiz. Die Linde überschattet alles. Und direkt an der Grundstücksgrenze, auf dem Areal der Mietwohnungen der LEG, vormals GeWo, stehen zwei weitere dicke Bäume, die der Familie den Freizeitnutzen kaputt machen.

Kein Gemüse, keine Sonne, aber viel Laub

"Wir haben nichts gegen Bäume", verdeutlicht Cuma Camals Yildiz' Sohn Abidin, "aber es kann doch nicht sein, dass Bäume, die sonst im Wald stehen, uns hier das Leben so schwer machen".

Der Nutzwert des Gartens gehe gegen Null, klagt er. Ein bisschen Gemüse anzubauen, das funktioniere gar nicht. "Der Baum saugt alles weg", verdeutlicht er. Die Sonne komme nicht durch und den Pool für die Kinder brauche er, wenn‘s warm ist, gar nicht mehr aufzubauen. "Es wird alles völlig verdreckt", beschreibt er. "Und dann noch die viele Arbeit mit dem Laub", ergänzt Cuma Camal Yildiz, 71 Jahre alt und ehemaliger Maschinenführer.

Städtische Satzung ohne Ausnahme

Beim letzten Versuch, den Baum wegzubekommen, habe Martin Wrede - bei der Stadt Castrop-Rauxel zuständig unter anderem für die Baumfällanträge - sofort abgewunken. Mit dem Argument, der Baum sei zu groß, der dürfe nicht gefällt werden, wie der dreifache Familienvater erzählt.

Die Familie hat nachgemessen, der Durchmesser des Baums liegt in einem Meter Höhe bei über zwei Metern - bereits bei 80 Zentimetern greift die städtische Baumschutzsatzung. "Und da gibt es keine Ausnahmen?", fragt Abidin Yildiz.

Was in Bochum anders ist als in Castrop-Rauxel

In Castrop-Rauxel offenbar nicht. In Bochum, nur ein paar Kilometer weit weg, schon. Dort regelt nach wie vor die Baumschutzsatzung, dass die kommunale Baumschutzsatzung nicht greift, wenn das Grundstück kleiner ist als 350 Quadratmeter. Das erklärtSprecher Thomas Sprenger auf Anfrage.

Die Satzung in Castrop-Rauxel aber gilt für alle - auch für die Besitzer kleinerer Grundstücke. 2014 hatte die CDU zwar noch einmal versucht, die Satzung zu torpedieren. Auch in der Hoffnung, die Unterstützung der FDP zu erhalten, die früher strikt gegen die Satzung war. Aber die Ampel-Koalition aus SPD, FDP und Grünen war sich bei der Abstimmung einig, dass sich das Regelwerk bewährt habe.

So hatte Cuma Camal Yildiz' Frau Hanife längst auf Hilfe aus ganz anderer Richtung gesetzt.Ich hatte gehofft, dass der Baum beim Sturm runterkommt", erzählt Abidin Yildiz freimütig. Aber selbst der 2014er Pfingststurm "Ela" tat der Familie keinen Gefallen.