Abschluss mit Bestnote
15.09.2011 | 18:38 Uhr 2011-09-15T18:38:00+0200
Castrop-Rauxel.Michaela Mazurek-Meininghaus ist zu recht stolz. Sie hat die Weiterbildung zur „qualifizierten Pflegehilfskraft“ mit Bestnoten abgeschlossen. Sie gehört zu den ersten in Castrop-Rauxel, die in diesem Beruf ausgebildet wurden.
Michaela Mazurek-Meininghaus hat die Weiterbildung zur „Qualifizierten Pflegehilfskraft“ abgeschlossen. Ein Glücksfall nicht nur für die 45-Jährige. Auch ihr Arbeitgeber, der Pflegedienst Sprave, sieht in dem neuen Berufsmodell eine Perspektive für die Branche, da der Bedarf an Fachkräften hoch ist. „Das wird unser Problem in der Pflege nicht lösen, aber es ist ein Teil des Mosaiks, um dem Personalmangel zu begegnen“, sagt Ralf Sprave.
Und allen Unkenrufen zum Trotz ist Sprave davon überzeugt, dass der Gesetzgeber mit der „qualifizierten Pflegehilfskraft“ den richtigen Weg eingeschlagen hat. Das Berufsmodell, das seit dem 1. Januar existiert, ist ein Mittelweg zwischen einfachen Hilfskräften und examiniertem Fachpersonal. Befürchtungen, dass dadurch die Situation für voll ausgebildete Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt schlechter wird, teilt Ralf Sprave nicht: „Das neue Angebot richtet sich an eine ganz andere Klientel.“
Unrecht hat der Pflegedienst-Chef damit nicht. Die neue Ausbildungsvariante soll so genannten „sonstigen geeigneten Kräften“ eine Möglichkeit bieten, weiterhin in der Altenpflege zu arbeiten. Hinter dem sperrigen Begriff verbergen sich genau solche Menschen wie Michaela Mazurek-Meininghaus.
Sie hat sechs Jahre als Pflegehilfskraft bei einem ambulanten Dienst in Dortmund gearbeitet. Weil sie vor einem Jahr nach Castrop-Rauxel zog, musste sie ihren Job in der Nachbarstadt aufgeben. Zwischen Dortmund und Castrop-Rauxel zu pendeln, kam wegen ihres neunjährigen Sohnes nicht in Frage. Ihren Beruf vollständig aufzugeben, war für sie ebenso wenig eine Option.
„Ohne weitere Qualifikation hat eine über 40-jährige Mutter keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, weiß auch Sylvia Dammann, Leiterin der Arbeitsagentur in Castrop-Rauxel. Das größte Problem für Michaela Mazurek-Meininghaus war, dass sie trotz langjähriger Erfahrung in der Altenpflege nur ganz einfache Tätigkeiten verrichten durfte. Waschen und beim Anziehen helfen, mehr nicht.
Schon, wenn ein pflegebedürftiger Mensch seine Medikamente nicht selbstständig nehmen konnte, waren ihr die Hände gebunden. Das bedeutet für einen Pflegedienst wie Ralf Sprave ihn betreibt, dass er sie nicht zu allen Kunden schicken kann. „Entweder schicke ich zwei Leute oder direkt eine examinierte Fachkraft“, erklärt der Chef des Pflegedienstes.
Die Lösung hieß Weiterbildung. Und an diesem Punkt kam die Arbeitsagentur ins Spiel. Die Behörde stellte den Kontakt zum Pflegedienst her und förderte die Qualifizierungsmaßnahme. Vormittags arbeitete Michaela Mazurek-Meininghaus im Pflegedienst, während sie nachmittags die Schulbank im Fachseminar für Altenpflege in Oer-Erkenschwick drückte.160 Stunden theoretischer Unterricht.
„Es war für mich sehr wichtig, dass ich diesen Kurs machen konnte“, sagt die 45-Jährige. Dass sie jetzt auch in der Behandlungspflege arbeiten kann, wozu auch das Verabreichen von Medikamenten gehört, hat ihr einen festen Arbeitsplatz eingebracht. Zurzeit arbeitet sie noch halbtags beim Pflegedienst Sprave, aber wenn ihr Sohn älter ist, will sie auf eine Vollzeitstelle wechseln.
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