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Sternenkinder

Abschied von den Sternenkindern

28.10.2012 | 16:51 Uhr
Abschied von den Sternenkindern
Foto: Karl Gatzmanga

Der kleine, weiße Kindersarg ist umrahmt von 21 Kerzen. Neben liebevoll angerichteten roten und weißen Tüchern liegen Rosenblätter. In der Kapelle auf dem katholischen Friedhof an der Wittener Straße haben sich Eltern, Großeltern und Angehörige eingefunden, die sich von ihren ungeborenen Babys verabschieden. Den Sternenkindern.

Zweimal im Jahr, an jedem letzten Freitag im April und im Oktober, werden auf diesem Friedhof die Kinder beerdigt, die vor ihrer Geburt im Mutterleib gestorben sind. In der Pathologie der beiden Krankenhäuser, dem St. Rochus Hospital und dem EvK, werden die Föten bis dahin aufbewahrt.

Eltern dürfen die Trauerfeiermitgestalten

„Es geschieht, dass eine kleine Seele die Erde nur streift.“ Seelsorgerin Barbara Knies liest die Zeilen einer Mutter vor, die ebenfalls ihr ungeborenes Kind verloren hat. Gemeinsam mit weiteren Seelsorgern und Mitarbeitern der beiden Krankenhäuser sowie den Pfarrern des Pastoralverbunds bereitet sie diese ökumenischen Trauerfeiern und Beerdigungen vor. „Die Eltern dürfen diesen Nachmittag selbstverständlich gerne mitgestalten, aber das ist bislang noch nicht vorgekommen“, sagt Barbara Knies. Zu schwer falle es ihnen, zu tief säße der Schmerz. Die Seelsorgerin liest noch weitere Briefe von Eltern vor. Es sind Worte, die Trost spenden sollen.

Nach einer Fehl- oder Totgeburt ist es den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder selbst oder von einem Krankenhaus bestatten lassen möchten. „Wir informieren sie über diese Möglichkeit des Abschiednehmens, jeder kann dann für sich selbst entscheiden, ob er kommen möchte oder nicht“, sagt Barbara Knies. Nicht immer seien bei der Trauerfeier so viele Angehörige, wie dieses Mal. Jeder gehe mit seinem Schmerz anders um, erklärt sie.

Bevor sich die Trauergemeinde auf den Weg zum Grab macht, dürfen sich die Angehörigen ein kleines Sternenglas mit einem Teelicht mitnehmen. Für jedes Sternenkind ein Licht. Es fließen Tränen. Einige trauern für sich, andere werden vom Partner gestützt.

Auf dem Gräberfeld, oberhalb der Kapelle, haben sich in den vergangenen Jahren schon viele Eltern von ihren Kindern verabschieden müssen. Es ist auch der Ort, an dem 1918 die sogenannten „Pilzkinder“ beerdigt wurden. Damals wurden viele Kinder aus Castrop-Rauxel während des Ersten Weltkrieges aufs Land verschickt, in der Hoffnung, dass es ihnen dort besser geht. Doch 31 von ihnen starben an einer Pilzvergiftung und wurden gemeinsam auf dem Friedhof an der Wittener Straße beigesetzt.

Gedenkstein für die Sternenkinder

Das Grab hatte einst die Stadt angelegt, doch weil sie sich um die Pflege nicht mehr kümmerte, übernahm die Kirche die Verantwortung und restaurierte das Gräberfeld „auf eigene Kosten“, erzählt Gemeindereferent Johannes Schoenen, der die Trauerfeiern seit drei Jahren mitgestaltet. Im nächsten Monat soll dort auch ein Gedenkstein für die Sternenkinder aufgestellt werden. Die Kosten für die Beerdigung werden abwechselnd von verschiedenen Bestattungsunternehmen übernommen.

Der kleine, weiße Sarg wird in die Erde eingelassen. Im Hintergrund spielt eine Frau auf einer Harfe, während sich die Eltern von ihren Kindern verabschieden. Den kleinen Seelen, die die Erde nur gestreift haben.

Katharina Paris

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