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Westfälisches Landestheater : Gier nach Geld

Castrop-Rauxel, 24.09.2009, Gerhard Römhild

Das Westfälische Landestheater zeigt einen hochaktuellen „Geizigen” von Molière. Die Premiere ist am 4. Oktober um 18 Uhr in der Stadthalle

Sein heiß geliebtes Geld soll ihm entwendet werden. Oh nein, das kann Harpagnon, „Der Geizige”, nicht zulassen. Sein Geld, das ist mehr als Liebe, mehr als Leben, ja mehr als er selber. Geld, das ist alles. „Das Stück ist sehr aktuell”, sagt Regisseur Thilo Voggenreiter über Molières Komödienklassiker.

Das Westfälische Landestheater zeigt einen hochaktuellen „Geizigen” von Molière. Die Premiere ist am 4. Oktober um 18 Uhr in der Stadthalle.

„Dieser 400 Jahre alte Schinken funktioniert bis heute auf der Bühne.” Für den Theatermann, der zum ersten Mal am WLT inszeniert, „hat Molière einen Nerv getroffen”. Harpagon, gespielt von Ex-Ensemble-Mitglied Burghard Braun, ist ein ziemlich betagter, unermesslich reicher Pariser Bürger. Er sieht sich umgeben von hinterlistigen und missgünstigen Individuen, die es allein darauf abgesehen haben, ihn zu zerstören und sein heißgeliebtes Geld zu stehlen. Am schlimmsten sind dabei seine Kinder Elise und Cléante, die es in allem nur darauf anlegen, ihren Wohlstand ins Unermessliche zu steigern und ihren Vater zu vernichten.

In seiner Inszenierung legt Voggenreiter den Fokus vor allem auf das schnöde Mammon. „Es geht um die Infektion mit dem Virus Geld. Also darum, was das Geld mit den Menschen macht.” So ist der Castrop-Rauxeler „Geizige” keine Solo-Tour des tyrannischen Alten, dessen irre Kapriolen vom Publikum mit Lachtränen in den Augen quittiert werden. Vielmehr zeigt uns Regisseur Voggenreiter, der zusammen mit WLT-Intendant Sebastian Heindrichs – „Wir nannten ihn damals Thilo Totale” – in Saarbrücken Schauspiel studierte, einen „Tanz ums Goldene Kalb, der von allen Beteiligten ausgeführt wird”.

So sei es bei der Gier nach Geld ein bisschen wie in der Astronomie. Komme man zu nahe ans Schwarze Loch, dann ist man weg. Voggenreiter: „Es ist spannend zu sehen, wie die ganze Gesellschaft mehr und mehr vom Geld eingesogen und zerstört wird.” Natürlich gibt es da auch jede Menge Klamauk und komödiantische Elemente, doch überwiegt der bittere, schonungslose Blick auf das, was Geld mit Menschen machen kann. „Es wäre toll wenn wir es schaffen, dass dem Publikum bei aller Lustigkeit das Lachen im Halse stecken bleibt.”

Unterstützt wird dieser klaustrophobische Ansatz, dieses dem Monetären Ausgeliefertsein durch Bühnenbild und -raum. So gibt es mehrere Türen, die sich drehen, öffnen, schließen. „Sind sie auf, lässt sich's atmen, sind sie zu, herrscht Beklemmung.” Damit, so Voggenreiter weiter, werde der Raum – Bühnenbild und Ausstattung Anja Hertkorn – zu einer Assoziation übers Geschehen. Voggenreiter, der voll des Lobes übers Ensemble ist, wird der Premiere nicht beiwohnen. „Ich habe meine Arbeit getan. Jetzt ist es das Baby der Schauspieler.”

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