Bach in der Stadt
Emschergenossenschaft gräbt an der Schulstraße den Deininghauser Bach wieder aus.
Die Emschergenossenschaft baut, doch anders als meist sonst verschwinden die Millionen nicht unsichtbar unter der Erde. Es wird „ein „Vorzeigeprojekt”, wie der Vorstandschef der Genossenschaft, Dr. Jochen Stemplewski, meint. „Ein Mammutprojekt” zudem, wie der Staatssekretär im NRW-Umweltministerium, Dr. Alexander Schink, findet. Und schließlich „ein Generationenprojekt”, wie Bürgermeister Johannes Beisenherz die angehende Großbaustelle an der Schulstraße einstuft: zwischen Bahnhof- und Moritzstraße – und das ist einmalig im Zuge des gesamten Emscher-Umbaus – holt die Emschergenossenschaft mit dem Teilstück des Deininghauser Bachs einen verrohrten und tief in der Erde vergrabenen Wasserlauf wieder ans Tageslicht. Ein attraktives Stadtgewässer soll hier entstehen.
Beisenherz erinnerte gestern beim ersten Spatenstich an die lange Vorgeschichte, die 1988 mit dem Startschuss zur Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA) begann. Der Ministerpräsident von NRW hieß Johannes Rau, Städtebauminister war Christoph Zöpel und IBA-Chef Prof. Karl Ganser entwickelte in deren Auftrag Visionen. Thema: Renaturierung der Emscher. „Für die damalige Zeit unvorstellbar”, erinnerte Beisenherz, nicht wenige hätten – in Anlehnung an ein Zitat von Altbundeskanzler Helmut Schmidt – den Visionären dringend zum Arztbesuch geraten.
21 Jahre später heißt es jetzt: „Der Deininghauser Bach kommt in die Stadt”, so der Bürgermeister: „Er wird zu einem Stadtgewässer, das den Stadtteil erheblich verändern wird. Die Bürger werden das Gewässer nicht nur Akzeptieren, sondern lieben”, ist sich Beisenherz sicher. Große Vorbilder sind in Soest, Osnabrück oder auch Freiburg zu besichtigen, auch hier wich anfängliche Skepsis der Akzeptanz, ja wurde der Bach in der Stadt zum prägenden Merkmal.
Der „Neue Deininghauser Bach” wurde bereits in seinem Oberlauf renaturiert und ist abwasserfrei. Künftig wird er nun im Planbereich über knapp 500 Meter als „offener Gewässertrog” in einer 4,20 Meter breiten Rinne auf der Nordseite der Schulstraße in 2,5 bis 3,5 Metern Tiefe fließen. Beton zwar auch hier, aber optisch auf Bruchstein getrimmt. Am schmalen Uferstreifen wird es grünen, außerdem soll der Alleecharakter der Schulstraße mit entsprechender Baumbepflanzung wieder hergestellt werden.
Die Bauzeit ist auf drei Jahre veranschlagt. Bis dahin werden rund 20 000 m2 Erde bewegt sein. Von den voraussichtlich 9,9 Mio. Euro Baukosten kommen ca. 3,8 Mio. Euro aus EU-Töpfen. Die Emschergenossenschaft will eine „bürgerfreundliche Baustelle”, wird künftig regelmäßig Baustellenfeste mit den Anwohnern feiern und regelmäßige Sprechstunden und Info-Veranstaltungen im Baubüro an der Moritzstraße einrichten.







