31-Jähriger hortete elf Kilo Sprengstoff in Castroper Wohnung

Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel.
Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel.
Foto: Archivfoto: Dominik Möller
Was wir bereits wissen
Eine Explosion setzte am 21. Mai 2015 das Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses in Castrop in Brand. Die Ursache: selbst gebastelte Silvesterböller.

Castrop.. Einem 31-jährigen selbst ernannten Pyrotechniker wurde vorgeworfen, ohne Erlaubnis Sprengstoff erworben und gelagert zu haben. Zudem habe er eine Explosion hervorgerufen, die das Leben anderer gefährdete. Gekauft hatte der Mann die Chemikalien für sein brandgefährliches Hobby im Internet, er hatte aus Polen kiloweise Sprengstoffe bestellt. Die "Bastel-Anleitung" gab es ebenfalls online. Nach dem Unglück fand die Feuerwehr neben fertigen Krachern noch mehr als elf Kilogramm Sprengstoff in der Wohnung.

"Ich wollte ganz spezielle Leuchtkörper, die sich am Himmel vierteilen", erklärte der Angeklagte am Dienstag dem Richter seine Motivation. Warum er nicht einfach ab dem 29. Dezember ein sicheres Knaller-Sortiment für die letzte Nacht des Jahres gekauft habe? Er sei der festen Überzeugung gewesen, dass nichts passieren könne. Doch beim Staubwischen hätte sich dann wohl Magnesium entzündet. Löschversuche scheiterten, so dass der Bruder, der neben Großmutter und Mutter ebenfalls im Haus wohnte, die Feuerwehr alarmierte.

Hausbewohner erlitten Rauchgasvergiftung

Neben erheblichem Sachschaden hatte vor allem die ebenfalls anwesende Pflegerin der Großmutter gesundheitlich Schaden genommen. Sie litt neben der Rauchgasvergiftung noch länger auch an psychischen Folgen des Brandes. Und auch der Verursacher selbst kam mit Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus, wurde aber am nächsten Tag entlassen. Aber nicht nach Hause, denn dort hatte ihm die Familie gekündigt. Seither wohnt der 31-Jährige bei Freunden.

Neben der Feuerwehr haben auch Angehörige des Landeskriminalamtes den Ort der Explosion genau unter die Lupe genommen. Sie haben neben exakt 11,234 Kilogramm Sprengstoff mehrere selbst hergestellte unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen. Und fanden damit einen Verstoß gegen den Paragrafen 308 des Strafgesetzbuches, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion.

Angeklagter: "Das war ein Scheiß-Hobby"

Ein Delikt, das häufig mit einer Freiheitsstrafe geahndet wird. Doch der Angeklagte hatte Glück, bekam ein mildes Urteil. Denn für ihn sprach die Tatsache, dass er bislang unbescholten durch das Leben gegangen ist, der verletzten Pflegerin der Großmutter im Rahmen eines Zivilverfahrens bereits Schmerzensgeld gezahlt hat und sich reuig zeigte.

Staatsanwalt, Pflichtverteidiger und der Richter waren sich einig. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe über 90 Tagessätze zu je 10 Euro verurteilt. Und konnte froh sein, dass zunächst auf die Anhörung von Zeugen und Sachverständigen verzichtet worden war, was die von ihm zu zahlenden Gerichtskosten noch einmal erheblich in die Höhe getrieben hätte. Gefahr, dass sich das Drama wiederholt, besteht wohl nicht. "Das war auf jeden Fall ein Scheiß-Hobby", bekundete der 31-Jährige.

Nach dem Brand hatte die Polizei ebenfalls eine Marihuana-Plantage und Chemikalien bei dem 31-Jährigen gefunden. In diesem Prozess waren diese Funde jedoch kein Thema.