Bühne soll wieder ihren Platz in der Region bekommen
14.05.2009 | 18:19 Uhr 2009-05-14T18:19:00+0200
Burbach-Wasserscheide. Dass die Kunst lang, das Leben der Menschen jedoch kurz ist, ließ Goethe seinen Heinrich Faust als eine wichtige Erkenntnis der um die Musen bemühten Nachwelt hinterlassen.
Wie knapp Zeit bemessen sein kann, erfahren die Mitglieder des Fördervereins für das Heimhof-Theater gerade in diesen Tagen. Denn das kleine Theater auf der Wasserscheide muss bis zum Jahresende wieder bespielbar sein. Die Zeit drängt.
Die fünfziger Jahre üben noch immer einen hohe Faszination aus. Wirtschaftswunder und kultureller Aufbruch gehörten dazu. Auch das Heimhof-Theater, 1951 von einigen Enthusiasten als länderübergreifende Kulturstätte auf der Wasserscheide ins Leben gerufen, gehört dazu. Zur lokalen Legende wurde sein Motor Robert Auchter, der die Bühne bundesweit bekannt machte.
Eigenleistungen zu
hoch eingeschätzt
Weit weniger faszinierend sind die architektonischen Vorgaben dieser Zeit. Zum Beispiel an die sanitären Anlagen, die, weit entfernt vom heutigen Standard, die Mitglieder des Förderkreises um den Vorsitzenden Theodor Petera, Architektin Birgit Hirsch und Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers vor Probleme stellten. Denn lange Zeit war unklar, wie die Toiletten, so wie es die Bauordnung vorschreibt, behindertengerecht gestaltet werden können. Das Problem konnte Petera inzwischen von seiner Liste streichen. Dadurch wird sie aber nur unwesentlich kürzer.
„Wir haben uns ein wenig bei den Eigenleistungen verschätzt”, gab der Vorsitzende gestern zu. Viele Arbeiten, die in nächster Zeit anstehen, müssten von Fachleuten erledigt werden. Doch hier, befürchtet Petera, könne es in den kommenden Wochen zu Engpässen kommen, da viele Firmen zum einen Dank des Konkunturpaketes Aufträge der öffentlicen Hände zu erledigen hätten, zum anderen im Sommer Betriebsferien machten.
Mehr als 300 000 Euro hat der Förderverein bislang in die „Wiederbespielbarkeit” des viele Jahre lang einzigen Theaters des Siegerlandes investiert. Und eine Ebenso große Summe muss bis zum Jahresende noch einmal ausgegeben werden, soll die kleine Bühne wieder aus jenen Brettern bestehen, die die Welt bedeuten. Aber die Spendenbereitschaft der Unternehmen ist in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht so groß wie zunächst erwartet.
Der Förderkreis richtet sich auf finanzielle Klimmzüge ein. „Wir werden nicht umhin kommen, bestimmte Arbeiten über einen Kredit zu finanzieren”, erklärte Christoph Ewers, dem bei dem „Gedanken an eine sechsstellige Summe ganz schön mulmig wird”. Gut, dass der Verein inzwischen über 125 Mitglieder hat, die zum großen Teil nicht nur über sehr gute Kontakte, sondern auch nicht minder gute Ideen verfügen.
Konzerte, Theater und
ein Programmkino
Eine, die rund 10 000 Euro in die Kasse des Vereins bringen könnte, sieht den Verkauf der 199 Sessel des Hauses vor. „Wir stellen uns vor, dass Firmen einen oder zwei Sessel zum Preis von jeweils 500 Euro kaufen”, hofft Petera und weist in gleichem Atemzug darauf hin, „dass wir dafür sogar eine Spendenbescheinigung ausstellen können”. Zwei seien bereits an den Mann gebracht worden. Die Käufer würden im Foyer des Theater auf einer Tafel verewigt.
Möglichst noch in der Adventszeit soll das so original wie möglich restaurierte Theater wieder mit neuem Leben erfüllt werden. „Wir hoffen, dass zum einen die Burbacher Vereine das Haus annehmen, dass es aber auf der anderen Seite auch wieder die überregionale Bedeutung erlangt, die es viele Jahrzehnte lang hatte”, hoffen Ewers und Petera. Als Forum für Musik und Theater. Und nicht zuletzt als Kino.
Dann wären die 50er Jahre endgültig auf die Wasserscheide zurück gekommen.
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