Seminar über Wildschadenverhütung : Nach Kyrill ist der Tisch gut gedeckt
Brilon. Erst kam Kyrill und knickte die Bäume um. Dann wurde aufgeforstet. Und jetzt freuen sich Rehe, Hirsche und Co. über einen reichhaltig gedeckten Tisch: Überall locken leckere, gut-gedüngte Jungpflanzen, die es anzuknabbern lohnt.
Mit dem Thema „Wildschadenverhütung und Lebensraumgestaltung nach Kyrill” befasste sich gestern ein Seminar.
Stadtforstamt und Landesbetrieb Wald und Holz hatten dazu Interessenten aus ganz NRW nach Brilon eingeladen. Denn die Problematik ist brandaktuell. „In manchen Bereichen unserer Neuanpflanzungen sind bis zu 50 Prozent vom Wildverbiss betroffen, in anderen weniger. Das Prinzip der großen Fläche ist mancherorts gescheitert”, sagt Dr. Gerrit Bub, Leiter des Stadtforstamtes Brilon. Im Klartext heißt das: Die Fachleute hatten gehofft, dass im Verhältnis Pflanze und Wild die Menge an Setzlingen die Oberhand behalten würde. 500 000 Stück sind im Boden. Doch nun scheint in manchen Fällen nur noch das letzte Mittel zu greifen: Einzäunen.
Mängel im Lebensraum
Für Dr. Michael Petrak von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung zeigen Wildschäden zuallererst gestörte Umweltbeziehungen an. „Die Tiere sind nicht alleinige oder hauptsächliche Ursache. Sie weisen durch ihr Verhalten auf Mängel im Lebensraum und auf Fehler in der Behandlung der Wildbestände hin”, sagt der Biologe.
Da können solche Methoden helfen, wie jetzt im Briloner Wald angewandt. Auf mehreren Kyrill-Flächen werden Wild-Äsungsflächen angelegt. Die einstigen Fichtenbestände wurden abgeräumt und mit spezieller Kräutermischung eingesät. An den Rändern wachsen - vor Verbiss geschützt - Eichen und Kastanien, die später leckere Früchte tragen. Durch angeschobene Wälle aus Wurzeln und Holz sind die Flächen sichtgeschützt, so dass Reh und Hirsch hier in Ruhe erstklassig „speisen” können.
An anderer (feuchter) Stelle wurden Weidenstöcke in die Erde gesetzt. Sie treiben schon jetzt erste Knospen und sind für das Wild wie ein leckeres Schnitzel, für das es gern mal eine weniger schmackhafte Buche verschmäht. Das Angebot muss stimmen, Ess- und Lebensgewohnheiten der Tiere müssen gelenkt werden.
Kann Jahre dauern
Bis die Setzlinge - je nach Sorte - den Fressfeind Wild „überlebt” haben, kann es Jahre dauern. Das heißt, die Forstleute sehen erst nach und nach, wo erneuter Handlungsbedarf besteht. Andererseits herrscht aber großer Zeitdruck, weil Fördermittel nicht unendlich sind. „Wald und Wild muss die Devise lauten, nicht Wald vor oder Wald gegen Wild”, setzt Dr. Bub auf gegenseitiges Verständnis aller Beteiligten.












