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Zwischen Wirtschaftswunder und Klo im Hof

23.10.2012 | 09:00 Uhr
Zwischen Wirtschaftswunder und Klo im Hof
Barbara und Walter Erdmann haben ihr erstes gemeinsames Buch veröffentlicht: „Pisspottschnitt und Zöpfe“. Erinnerungen an das alte Revier der 50er und 60er Jahre und der Bergmannskolonien.Foto: Winfried Labus / FotoPool

Bottrop. Selbst für die heutige Elterngeneration gehören die 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts zur Geschichte, die höchstens noch schemenhaft wahrgenommen aus dem Dunkel der Erinnerungen auftauchen. Ganz zu schweigen von den 50er Jahren, die heute als eher muffiges Schein-Idyll wie aus grauer Vorzeit etwas müde belächelt werden.

In diese Jahre der sterbenden Bergmannskolonien und des immer rascher fortschreitenden Wirtschaftswunders führen jetzt Barbara und Walter Erdmann die Leser ihre ersten gemeinsamen Buches „Pisspottschnitt und Zöpfe“. Sie: frühere Lehrerin, heute Musikerin und Autorin, stammt aus Gladbeck, wuchs in einer Kolonie in Brauk auf. Er: Verwaltungsbeamter, ebenfalls Musiker und Chorleiter, ist waschechter Bottroper. Pestalozzistraße, als Schüler Messdiener in Heilig Kreuz. Das ist lange her.

43 „Dönekes“ zwischen alten Fotos

Fast meint man, in diesen wie über Kreuz geschriebenen Erinnerungen in ein wortgewordenes Heimatmuseum abzutauchen. Abteilung: Das alte Revier, mit seinen Bergmannsküchen, Scheineställen, dem Klo auf dem Hof und der obligatorischen Zinkbadewanne.

Ja, die kommt auch vor. Sogar mit Bild. Ein Schnappschuss von der damals kleinen Barbara - „ich war vielleicht vier“ , erinnert sich die Ko-Autorin heute - in dem ungemütlichen Metallzuber, an dessen Rändern man noch die Reste des Seifenschaums zu sehen glaubt. So führen die Eheleute, die es vom Sauerland wieder in die alte Heimat Ruhrpott zieht, in eine ganz persönliche Welt der Erinnerungen, die aber wie eine Chiffre für alle sogenannten „kleinen Leute“ stehen können, die das arbeitende Kohle- und Stahlrevier noch kennengelernt haben.

43 „Dönekes“ haben Platz auf den 144 Seiten, die Barbara und Walter Erdmann in schönem Wechsel aneinander reihen. Die Autorenquelle erkennt der Leser jeweils am Kinderfoto, das den Jungen im „Piss-pottschnitt“ und das Mädchen mit Zöpfen zeigt. Für ersteren sorgte Papa Erdmann höchstpersönlich, wenn er bei Klein-Walter die Maschine „in gefährlicher Nähe“ an den Ohren vorbeigleiten ließ. Die „Schlagettateiche“ - der Pott-Slang wird aber nie aufdringlich eingesetzt - haben ebenso ihren Platz, wie Weihnachten, das erste Moped oder das Katholisch-Sein, an dem man im Bottrop der 50er und 60er Jahre kaum vorbei kam. Lesen Sie selbst.

„Pisspottschnitt und Zöpfe“ von Barbara und Walter Erdmann, 144 Seiten, mit zahlreichen privaten Schwarzweiß-Fotografien, ist erschienen bei Shaker Media und kostet 13,90 Euro. Erhältlich überall im Buchhandel.I
ISBN: 978-3-86858-869-9

Am 5. November stellen Barbara und Walter Erdmann ihr Buch im Café Stilbruch an der Rentforter Straße 58 in Gladbeck vor. Der Eintritt ist frei.
Info unter 02043 27 30 09 oder im Internet unter: www.cafe-stilbruch-gladbeck.de

Dirk Aschendorf



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