Zum Einkaufserlebnis gehört Ambiente

Die Gesprächsrunde in der neuen WAZ-Lokalredaktion diskutierte intensiv und lebhaft über die Entwicklung des Einzelhandels und der Innenstadt in Bottrop.
Die Gesprächsrunde in der neuen WAZ-Lokalredaktion diskutierte intensiv und lebhaft über die Entwicklung des Einzelhandels und der Innenstadt in Bottrop.
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Was wir bereits wissen
Unternehmer und Unterstützer trafen sich in der WAZ-Redaktion zu einem Gedankenaustausch. Dabei wurde schnell klar: In der Bündelung der Kräfte liegt die größte Chance.

Bottrop..  Lebensqualität, Wohnqualität, Aufenthalts- und Einkaufsqualität – all diese Punkte zusammengenommen machen eine Stadt lebenswert. Da waren sich die Teilnehmer der WAZ-Gesprächsrunde zum Thema Einzelhandel einig. Auf Einladung der Lokalredaktion trafen sich in den neuen WAZ-Räumen Vertreter verschiedener Interessengemeinschaften, des Einzelhandelsverbands, der Wirtschaftsförderung und des Marketingvereins, um über die Herausforderungen des örtlichen Einzelhandels zu diskutieren.

Gerade die Entwicklung der letzten zwei Jahre gehe in eine gute Richtung, so der Tenor der Runde. Zumindest mit Blick auf die Aktionen und Feste, die in der Zeit stattfanden. Denn es gebe seit einiger Zeit eine wachsende Zahl von Händlern, Gastronomen und Immobilienbesitzern, die sich verstärkt und gemeinsam für den Standort engagieren. Diese Vernetzung unterstrich Ute Schimmang von der städtischen Wirtschaftsförderung, die bei vielen Gesprächen und Überlegungen mit im Boot sitzt, etwa in dem Arbeitskreis „Aktive Innenstadt“. „Der hat viele Impulse gegeben und Energie freigesetzt“, sagt sie. „Im Dialog mit den Händlern wollen wir ein Wir-Gefühl aufbauen“, ergänzte Holger Czeranski vom Verein „Marketing für Bottrop“.

Die Runde am Donnerstagabend stand noch ganz unter dem Einfluss der erfolgreichen Feierabendmarkt-Premiere – ein weiterer Baustein, um die Attraktivität der City zu steigern. Lange blieb die Stadt am Donnerstagabend gefüllt, und die Besucher lobten den neuen Markt.

Kunden erkennen Aufwand an

„Generell goutiert das Publikum, wenn sich etwas in der Stadt tut“ – nicht nur bezogen auf Veranstaltungen. Diese Erfahrung macht aktuell Marion Schnippert, die Leiterin des Mensing-Hauses, nach dessen Umbau. „Der Laden ist ein Statement für Bottrop. Wir sind mit dem Wunsch nach einer maßgeschneiderten Lösung für diese Stadt zum Architekten gegangen.“ Von dem Ergebnis zeigten sich nun die Kunden begeistert.

Gleichzeitig muss aber auch das Drumherum, sprich die Attraktivität der Fußgängerzone stimmen – und zwar nicht nur bei Veranstaltungen. „Wir achten verstärkt auf die Sauberkeit“, sagte Ute Schimmang. In einem nächsten Schritt sollen die Spielgeräte stärker in den Blick gerückt werden. Diese Spiellinie soll besser gekennzeichnet werden. So soll Baustein für Baustein ein attraktives Umfeld entstehen. Auch das Projekt Stadteingangstore werde weiter verfolgt, so Ute Schimmang.

Peter Stadtmann, Inhaber der Alten Apotheke, warb generell dafür, Dinge einfach auszuprobieren, ohne Angst vor einem möglichen Scheitern.

Die Konkurrenz aus dem Internet

Wer über Einzelhandel diskutiert, kommt am Thema Online-Handel nicht vorbei. Der Kauf per Klick vom heimischen Rechner aus macht dem stationären Einzelhandel zu schaffen. Der habe keine andere Chance, als „Service, Kundendienst und Kundenfreundlichkeit dagegen zu setzten“, sagte Claus Schwarz vom Vereine Marketing für Bottrop. „Dabei muss man aber aufpassen, nicht zum reinen Info-Büro zu verkommen.“

Der Idee, dass auch der Einzelhändler vor Ort ins Internetgeschäft einsteigt, erteilte Klaus Beyhoff, Inhaber des gleichnamigen Möbelhauses, eine Absage. Denn Einzelhandel und Internethandel seien zwei Branchen. Die Abläufe seien unterschiedlich und die Anforderungen ebenfalls, meinte er mit Verweis auf Warenverfügbarkeit und die Technik hinter dem Shop. „Ein halbherziger Verkaufsauftritt im Internet ist schädlich“, glaubt er.

Jan Gerd Borgmann, Vorsitzender des Einzelhandelsverbands, verwies auf ein Modellprojekt in Wuppertal . Dort haben sich die lokalen Händler auf einer Vertriebsplattform mit Namen „Atalanda“ zusammengeschlossen. Federführend sei der Einzelhandelsverband. „Die lokalen Händler nutzen die Plattform dort gemeinsam, und die Shops sehen einheitlich aus.“

Grundsätzlich möge jeder ernsthaft überprüfen, ob das, was vermeintlich nur das Netz anbietet, nicht auch in seiner Stadt zu haben ist, appellierte Sabine Wißmann, Leiterin der Wirtschaftsförderung.

Einzelkämpfern fehlt die Zeit für Engagement

Die Veränderungen in der Innenstadt und in der Struktur des Einzelhandels fallen den Bottropern auf. Der Trend hin zu Filialen großer Ketten hält seit Jahren an, der inhabergeführte Einzelhandel geht zurück. Das wirke sich auch auf die Mitgliederzahlen im Einzelhandelsverband aus, sagte Jan Gerd Borgmann. Zu Hochzeiten waren es rund 500, inzwischen sind es etwa 130. Das Problem: Vor allem größere Mittelständler trugen einst den Verband. Die gebe es jedoch kaum noch. Dem Einzelkämpfer fehle das Geld und oft auch die Zeit, sich gesellschaftlich und politisch in solchen Vereinigungen zu engagieren. Das werde nach einer Weile auch spürbar.

Dennoch gibt es Ansätze, dass Händler zusammen daran arbeiten, das Ambiente einer Stadt zu verändern. Als nächstes soll der Blumenschmuck an den Laternen angebracht werden. Dies hatte die IG Altstadt initiiert. Dass bei allen Überlegungen die Stadt mit im Boot sei und der Kontakt entsprechend eng, sei ein Vorteil, lobten die Diskussionsteilnehmer.