Zukunftshaus erreicht die Zielgerade

Oliver Helmke (li.) und Rüdiger Schumann zeigen die Technik auf dem Dach des Zukunftshauses.
Oliver Helmke (li.) und Rüdiger Schumann zeigen die Technik auf dem Dach des Zukunftshauses.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
An der Hansastraße steht nun ein Geschäftshaus, das mehr Energie erzeugt als verbraucht. Die ersten Mieter sind eingezogen. Unter der Hülle steckt Hightech.

Bottrop..  Die oberen Etagen belegt schon das Bildungszentrum Bottrop, ein Schriftzug an der Fassade kündet vom baldigen Einzug einer Eisdiele. Das dritte Zukunftshaus von Innovation City erreicht die Zielgerade. Aus einem Geschäftshaus aus den 1950er-Jahren ist ein Plus-Energiehaus geworden. Es erzeugt mehr Energie als es verbraucht.

Dafür ist überall in und am Haus Hightech verbaut worden, was vor allem auf dem Dach auffällt, verborgen vor den Augen der Passanten. Das Flachdach ist ausgelegt mit Photovoltaik-Anlagen. Zwei Kollektoren fallen ins Auge: Sie richten sich nach der Sonne aus, fangen Licht ein und leiten es über Glasfasern ins Innere des Hauses. So erhalten auch Räume ohne Fenster Tageslicht. „Wird es dunkler, schalten sich automatisch LED-Leuchten zu, so dass es in den Räumen immer gleich hell ist“, erläutert Bauherr Oliver Helmke.

Rechnet sich mit Partnern

Zwischen den Schichten der Dreifachverglasung bewegen sich Jalousien. Sie dienen als Sonnenschutz, können aber auch so eingestellt werden, dass sie die Sonne an die Decken reflektieren – auch das bietet natürliches Licht, was künstliches einspart.

Gemeinsam mit Projektpartnern aus Industrie und Innovation City hat Helmke den Bau modernisiert. Techniken wie die Erzeugung des Gemeinschaftsstroms über eine Photovoltaik-Anlage will er nun für andere Mehrfamilienhäuser übernehmen, etwa bei seinem Neubauprojekt an der Gerichtsstraße.

Helmke räumt ein, dass ein Plus-Energie-Standard für Geschäftshäuser noch unwirtschaftlich ist. Möglich sei er an der Hansastraße nur wegen der Partner. So haben Konzerne wie Bayer, Thyssen-Krupp oder General Electric hier ihren Teil beigesteuert. Von Bayer stammt die spezielle Dämmung hinter der neuen Fassade. Einen KfW-60-Standard – also ein Haus, das im Jahr pro Quadratmeter weniger als 60 Kilowattstunden Energie verbraucht – hält Helmke bei einem Geschäftshaus heute für wirtschaftlich machbar.

Im Keller installieren die Elektriker gerade 64 Akkus. Sie werden die Sonnen- und Windenergie speichern und an die Mieter des Hauses weitergegeben. Liefert die Anlage zu wenig, kommt der Strom aus dem Netz, „aber aus Wasserkraft“, so Helmke. Etwas anderes passe nicht zu diesem Haus, das jetzt absehbar fertig werde. „Vom Baubeginn an haben wir den Zeitplan eingehalten“, sagt er, wohlwissend, dass die Zeit bis zum Baustart wesentlich länger als geplant war.