Zu Gast in Bottrop - Hu (17) findet die Deutschen komisch

Matthias, Regina und Jakob Kewitsch mit dem 17-jährigen Austauschschüler Hu Yang aus China.
Matthias, Regina und Jakob Kewitsch mit dem 17-jährigen Austauschschüler Hu Yang aus China.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Zum ersten Mal findet derzeit der Schüleraustausch zwischen der Everding-Realschule und der Beijing DaCheng statt. Die WAZ besuchte eine Gastfamilie.

Bottrop.. „Er findet uns komisch“, grinst Jakob Kewitsch und meint Hu Yang, seinen chinesischen Gast. Der 17-Jährige ist seit Samstag gemeinsam mit neun Mitschülern und einigen Lehrern zu Besuch in Bottrop. Schüleraustausch nennt man das – auch wenn es in diesem Fall ein ganz besonderer ist, den die August-Everding-Realschule mit Beijing DaCheng, einer Schule in Peking, eingestielt hat.

Was er komisch findet, demonstriert Hu dann gleich mimisch: Wie nämlich seine deutsche Gastfamilie penibel mit Messer und Gabel eine Tomate teilt und verspeist. Wie man das bei ihm zu Hause macht, führt er auch gleich vor: Tomate in die Hand und ab in den Mund.

Als Gastgeschenk Ess-Stäbchen mitgebracht

Macht Sinn, wenn man bedenkt, dass ja bei Hu mit Stäbchen gegessen wird. Das wird dann wohl auch eine Herausforderung für den 14-jährigen Jakob, wenn er im Oktober mit seinen Mitschülern zum Gegenbesuch nach Peking reist. Bis dahin kann er noch üben, denn Hu hat als Gastgeschenk Ess-Stäbchen mitgebracht.

Gemeinsames Projekt vorstellen Überhaupt das Essen: So richtig toll findet der Gast aus China wohl nicht, was bei den Deutschen auf den Tisch kommt. „Bread, bread, bread“, Brot, Brot, Brot, dreimal am Tag, stöhnt er. Nichts für ihn, der gewöhnt ist, dreimal täglich warm zu essen. Auch schon zum Frühstück, aber nicht etwa Porridge, sondern heiße Nudelsuppe.

„Wir haben überlegt, morgens für ihn zu kochen“, erzählen die Gasteltern Regina und Matthias Kewitsch. Und haben von dieser Idee wieder Abstand genommen: „Er kann ja erst einmal probieren.“ Und satt zu werden scheint der 17-Jährige, wenn auch vieles nicht sein Fall ist: „Er mag nichts Süßes, keine Marmelade und kein Nutella“, wundert sich Regina Kewitsch. Und Hu – für den Jakob flugs ins Englische übersetzt hat – zeigt, wie er Schokolade findet: zum Würgen nämlich. Auf Jakob wartet die umgekehrte Herausforderung, wenn er demnächst nach China reist. „Ich war ja schon mal da. Nur Hühnerfüße würde ich nicht essen“, gibt sich der 14-Jährige weltoffen. Mit Mutter und Schwester hatte er den Vater besucht, als der einige Monate beruflich in China war.

Die Uhren gehen in Peking anders

Die Uhren gehen anders in Peking, buchstäblich, denn dort ist man der deutschen Zeit um sieben Stunden voraus. Am Dienstag leidet der Gast noch unter Jetlag wegen der Zeitumstellung und der 24-stündigen Anreise am Samstag.

Den Sonntag mit Hu alleine hat die Familie mit einer Besichtigungstour und beim Klettern verbracht. Abends gab’s Pizza, für Hu von Jakob in handliche Stücke geschnitten. Am Montag war Schule, zu Hu’s Überraschung nur bis mittags, da ist er anderes gewöhnt.