Zahlen in Bottrop sind gut - aber die Zukunft macht Sorgen

Zufrieden mit der Bilanz für 2014 sind die Vorstandsmitglieder der Sparkasse Bottrop: von links . Burkhard Klanten, Vorstandschef Thomas Schmidt und Daniel Hickstein.Foto:Winfried Labus
Zufrieden mit der Bilanz für 2014 sind die Vorstandsmitglieder der Sparkasse Bottrop: von links . Burkhard Klanten, Vorstandschef Thomas Schmidt und Daniel Hickstein.Foto:Winfried Labus
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bilanzsumme, Kundeneinlagen und Kreditvolumen sind gestiegen. Aber: Niedrigzins und immer mehr Bürokratie werden die künftigen Erträge sinken lassen.

Bottrop.. Mit der Bilanz für 2014 ist Sparkassen-Vorstandschef Thomas Schmidt zufrieden. Doch er stimmt darauf ein, dass die Zeiten schlechter werden: „Die Niedrigzinsen und immer mehr Regulierung werden unsere Überschüsse drücken.“ Auf Sicht wird Bottrops größtes Finanzinstitut sogar über die Schließung von Geschäftsstellen nachdenken müssen, sagt Schmidt: „Das Filialnetz wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren verkleinert werden müssen.“ Ein weiterer Grund dafür: Schon heute werden bei der Sparkasse 30 000 von knapp 70 000 Girokonten über das Internet geführt, doppelt so viele wie noch im Jahr 2008 .

Regionale Geldhäuser wie Volksbanken und Sparkassen hätten ein Strukturproblem, das in den nächsten fünf Jahren durchschlagen werde; das traditionell dichte Filialnetz sei „auf Dauer aus Kostengründen nicht zu halten“. Diese Analyse des Finanzexperten Wolfgang Gerke in der WAZ von gestern „kann ich so unterschreiben“, sagt der Vorstandsvorsitzende bei der Vorlage der Bilanz für 2014.

Vorerst noch schreibt die Sparkasse Bottrop gute Zahlen trotz, wie Schmidt formuliert, „anspruchsvoller Rahmenbedingungen“. Die Leitzinsen standen noch nie so tief: „Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen abgeschafft“, sagt Schmidt und spricht mit Blick auf die Inflationsrate von einer „schleichenden Enteignung der Sparer“.

"Man vertraut dem Altbekannten"

Und dennoch halten die Sparer ihrer Bank die Treue, die Zahl der Kundeneinlagen ist um 3,8 Prozent auf 800 Millionen Euro gewachsen. Warum legen die Kunden Geld aufs Konto, wenn es kaum noch Zinsen bringt? Dort bleibt es beweglich, der Kunde kann schnell reagieren, sagt Schmidt. Außerdem ist das vielleicht ein Zeichen der Verunsicherung, sagt Vorstandsmitglied Burkhard Klanten: „Man vertraut dem Altbekannten.“

Weil niedrige Zinsen schlecht für Sparer und für die Altersvorsorge ist, raten die Vermögensberater im Einlagegeschäft zu kurzfristigen und flexiblen Anlageformen sowie zum wohl überlegten Einstieg in den Aktienmarkt. „Es ist uns im vergangenen Jahr gelungen, unsere Kunden davon zu überzeugen, dass im derzeitigen Niedrigzinsumfeld Wertpapiere zu einem nachhaltigen Vermögensaufbau zwingend dazugehören“, sagt Klanten. Zu diesem Umdenken der Kunden und zu mehr Kundenzufriedenheit habe auch der interne „Beratungsprozess Anlageberatung“ beigetragen.

"Ein Prozent Tilgung war gestern"

Beim Kreditgeschäft, das um 0,9 Prozent gewachsen ist, spielen Baufinanzierung wegen des Niedrigzinses eine wachsende Rolle. Mehr als 66 Millionen Euro hat die Sparkasse an Wohnungsbaukrediten ausgeben. Aber auch hier ist Umdenken gefordert, sagt Schmidt: „Ein Prozent Tilgung war gestern. Wir raten zu Tilgungsraten von zwei bis vier Prozent.“