Wolfgang Felich ist Bottrops Kirmes-Chef

Wolfgang Felich (rechts) organisiert mit Unterstützung von Andre Mlinaric die Kirmesveranstaltungen in der Stadt.
Wolfgang Felich (rechts) organisiert mit Unterstützung von Andre Mlinaric die Kirmesveranstaltungen in der Stadt.
Foto: Labus / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Seit bald 15 Jahren organisiert der Bottroper Verwaltungsmitarbeiter das bunte Treiben zu Karneval und im Herbst. Schausteller kommen teils seit mehreren Generationen in die Stadt.

Bottrop..  „Wenn mir jemand als Kind gesagt hätte: Du wirst mal zur Kirmes gehen und dafür bezahlt werden – ich hätte gedacht, das ist das Paradies“, sagt Wolfgang Felich mit einem Schmunzeln. Heute weiß er: Hinter jedem noch so bunten und fröhlichen Rummel steckt jede Menge Arbeit. Seit bald 15 Jahren organisiert Felich neben seinem sonstigen Verwaltungsjob im Fachbereich Immobilienwirtschaft die Kirmesveranstaltungen in der Stadt. Dabei gilt der Grundsatz: Nach der Kirmes ist vor der Kirmes.

Denn die Vorbereitungen für einen Rummel starten jeweils „ganz, ganz, ganz früh“, so der 52-Jährige: „Im Anschluss an die Herbstkirmes im September werde ich mich mit den Schaustellern unterhalten, um die Fahrgeschäfte fürs nächste Jahr zu sichern.“ Neben der Herbstkirmes parallel zum Michaelismarkt findet in Bottrop bekanntlich traditionell die Karnevalskirmes statt. „Die Schausteller legen großen Wert darauf, dass sie vor Weihnachten schon die Verträge für die Fahrgeschäfte haben“, erzählt Felich.

Er kommt gut aus mit dem Schaustellervölkchen – mit den Familienbetrieben, die seit zwei, drei Generationen nach Bottrop kommen, ebenso wie mit den Unternehmern, die mehrere Fahrgeschäfte betreiben. Ehrlichkeit im Umgang miteinander ist sein Rezept. Würde die Chemie nicht so gut stimmen, würde er diese Aufgabe vermutlich nicht schon so lange wahrnehmen: 2001 trat er die Nachfolge von Heiner Weikemper an, der damals nach über 20 Jahren als „Kirmes-Chef" in den Ruhestand ging. „Damals gab es noch fünf Kirmesveranstaltungen im Jahr“, erinnert er sich. Nämlich noch zwei in Kirchhellen und eine in der Boy. Sie fielen inzwischen den Sparzwängen zum Opfer, fünfstellige Summen habe die Stadt dort zuschießen müssen, erläutert Stadtsprecher Andreas Pläsken.

Beginnt die Kirmeswoche, zeichnen Felich und sein Kollege Andre Mlinaric die Stellplätze für die Schausteller ein, empfangen diese, kümmern sich um Strom- und Wasserversorgung. Sind die Fahrgeschäfte aufgebaut, macht die örtliche Bauaufsicht die Bauabnahme: Sie lässt sich das Baubuch zeigen, worin die letzte TÜV-Abnahme vermerkt ist, schaut sich Knackpunkte an, prüft, ob alle Bolzen sitzen. „Erst dann dürfen die Fahrgeschäfte in Betrieb gehen“, sagt Felich. „Toi, toi, toi – in meiner Zeit hat es bisher keinen Unfall auf der Kirmes gegeben.“

Der Berliner Platz trägt kein Riesenrad

Auf Plänen der Osterfelder Straße und des Berliner Platzes kleben lauter blaue, mit Betreiber-Namen und Quadratmeter-Angaben beschriftete Zettelchen. Sie stehen für die Stände und Fahrgeschäfte und werden von Wolfgang Felich per Hand gesetzt – bis der endgültige Kirmesplan steht. In der Regel kommen 75 Geschäfte für die ganze Familie vom Mandelwagen bis zum Karussell zusammen, darunter acht bis zehn Großfahrgeschäfte. 70 Prozent der Beschicker kommen sowohl zur Karnevals- als auch zur Herbstkirmes, so Felich.

Abwechslung versucht er vor allem bei den großen, sich in alle Richtungen bewegenden Fahrgeschäften reinzubringen, dort auch Neuheiten zu präsentieren. Felich zeigt einen Ordner mit den Bewerbungsmappen der Schausteller. Das ist zur Karnevalskirmes etwas einfacher, sie ist der Saisonauftakt für die Schausteller – „da habe ich freie Auswahl“ (allerdings sei bei allzu kalter Witterung auch schon mal der Schmierstoff von Fahrgeschäften eingefroren). Im Herbst wiederum sei die Konkurrenz durch andere Kirmes-Veranstaltungen größer.

Worauf Felich bei der Auswahl der Attraktionen auch achten muss, ist das Platzangebot: „Bei einem Durchmesser von über 21 Metern ist auf der Osterfelder Straße Ende.“ Dazu kommen Gewichtsbeschränkungen. So sorgt die Tiefgarage unter dem Berliner Platz dafür, dass dort nicht mehr als 15 bis 20 Tonnen Grundlast platziert werden dürfen. Was etwa ein Riesenrad schon einmal ausschließt. Gern nach Bottrop bringen würde Felich noch: einen Mäusezirkus und eine Boxbude.